Vom 3. bis 8. September 2025 war eine Delegation aus Maputo-KaMubukwana, einem langjährigen Partnerbezirk Lichtenbergs in Mosambik, zu Gast in Berlin. Anlass war das 30-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft. Unter Leitung von Rui Matusse, dem Administrator KaMubukwanas, reisten drei weitere Vertreter:innen der Verwaltung an. Im Anschluss führte der Weg weiter nach Gießen zur dreitägigen Afrikakonferenz. In Lichtenberg wurde der Besuch nicht nur feierlich begangen – er bot auch Raum für inhaltlichen Austausch, Begegnung und neue Perspektiven.
Nachhaltigkeit, Bildung und globale Partnerschaft
Bereits am Mittwochmittag kam die Delegation in Berlin an. Ein erster Programmpunkt erfolgte als Besuch bei Cradle to Cradle e.V. Die NGO verfolgt das Prinzip, Produkte so zu gestalten, dass sie entweder vollständig biologisch abbaubar oder technisch wiederverwertbar sind – ganz im Sinne einer echten Kreislaufwirtschaft. Die Gäste zeigten sich beeindruckt vom ganzheitlichen Ansatz, der Umwelt-, Design- und Wirtschaftsaspekte integriert, und diskutierten über nachhaltige Entwicklungsstrategien, auch im Kontext urbaner Räume in Maputo.
Beim anschließenden informellen Get-together am Abend traf die Delegation auf Vertreter:innen aus dem Bezirksamt Lichtenberg, dem Bezirk Pankow, deren Partner aus KaTembe sowie zivilgesellschaftliche Partner:innen. In entspannter Atmosphäre wurde über gemeinsame Projekte gesprochen und die Städtepartnerschaft gewürdigt.
Vernetzung durch Projekte: Bildung, Globales Lernen und Urban Gardening
Am Donnerstagvormittag lag der Fokus auf einem geplanten Projekt im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Maputo. Gemeinsam mit dem Bezirk Pankow wurde diskutiert wie eine Zusammenarbeit zwischen Lichtenberg, Pankow, KaMubukwana und KaTembe aussehen könnte. Das Projekt wird über die SKEW (Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)) gefördert, sowie über Eigenmittel der Bezirke. Der Projektantrag ist bereits eingereicht, 2026 könnte die Umsetzung beginnen.
Nach dem Mittagessen führte der Weg nach Neukölln, zur Organisation SODI e.V., einem langjährigen Partner. SODI e.V. (Solidaritätsdienst International) ist eine unabhängige NGO mit Sitz im Berlin Global Village, die weltweit Projekte zu sozialer Gerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und Bildung für eine global gerechte Zukunft umsetzt. Anschließend besuchte man gemeinsam das Berlin Global Village, das als Haus für Eine Welt verschiedene entwicklungspolitische Akteur:innen unter einem Dach vereint. Die Führung gab Einblicke in das breite Spektrum der Bildungsarbeit. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung des WeltRaums, einer immersiven Bildungsinstallation für Globales Lernen. Hier können Schüler:innen, Jugendliche und Erwachsene interaktiv globale Zusammenhänge erleben – etwa zu Klimagerechtigkeit, Kolonialismus, Lieferketten oder Migration.
Am späten Nachmittag spazierte die Gruppe über das Tempelhofer Feld – ein Ort der Transformation vom ehemaligen Flughafen zu einem offenen urbanen Raum für Freizeit, Bildung und Urban Gardening. Besonders das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit, Beteiligung und Gemeinschaftsprojekten regte die Diskussion an.
Nachhaltigkeit zum Anfassen: Natur, Garten und Jubiläum
Der Freitagvormittag begann mit einem geführten Spaziergang durch das Landschaftsschutzgebiet Herzberge. Es wurde die ökologische Bedeutung des Gebiets erläutert und es erfolgte die Vorstellung der Herzberg-Schafe, die als tierische Landschaftspfleger:innen die Fläche offenhalten. Im Anschluss besuchte die Delegation die Gartenarbeitsschule Karlshorst, ein grünes Lernlabor, in dem Kinder aktiv gärtnern, Umweltbildung erleben und Nachhaltigkeit praxisnah erfahren. Besonders die selbst angebauten Kräuter und Früchte und das aus dem Garten zubereitete Mittagsbuffet beeindruckten die Gäste.
Am Nachmittag wurde die Delegation im Rathaus Lichtenberg feierlich empfangen. Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, langjährige Wegbegleiter:innen der Partnerschaft, das Bezirksamt, ehemalige Mitarbeitende und der mosambikanische Botschafter nahmen teil. In feierlichem Rahmen unterzeichneten Rui Matusse und Bezirksbürgermeister Martin Schaefer die Entfristung der Städtepartnerschaftsvereinbarung – ein deutliches Zeichen für das langfristige Engagement beider Seiten. Musikalische Beiträge und Grußworte rundeten das Programm ab.
Kultur trifft Partnerschaft – Ausstellung, Kunst und Austausch
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die feierliche
Eröffnung der Langen Nacht der Bilder. In der
Alten Gießerei Berlin e.V. wurde u.a. die Ausstellung
„Vom Salz der Erde und den Farben der Welt“ eröffnet. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Lichtenberg und zeigt Fotografien aus Maputo-KaMubukwana, aufgenommen u.a. im Rahmen eines Projekts zur Öko-Fair-Trade-Fußballförderung. Die Bilder erzählen von Alltagsmomenten, sportlicher Leidenschaft und globaler Verbundenheit. Die Performance, Live-Musik und Beiträge von Künstler:innen machten den Abend zu einem lebendigen Kulturfest.
Gemeinsames Erleben im Grünen und im Quartier
Der Samstag startete mit einem Spaziergang durch die Malchower Aue, die Flora und Fauna des Landschaftsschutzgebiets anschaulich vermittelten. Im Anschluss besuchte die Delegation das Orankeseenfest – ein Nachbarschaftsfest, bei dem lokale Initiativen, Musik, Kinderangebote und kulinarische Vielfalt zusammenkommen. Am Nachmittag war die Gruppe zu Gast beim Fußballfest des SV Lichtenberg 47 im Zoschkestadion – ein schöner Anlass, um sportliche Brücken zwischen Berlin und Maputo zu feiern. Anschließend fand am Abend ein persönliches Treffen mit Herrn Van Hien und Vertreter: innen des Dong-Xuan-Centers statt, das bereits über Jahre freundschaftliche Beziehungen zu Maputo pflegt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung – Kita Traumzauberbaum
Am
Montagvormittag, vor der Weiterreise nach Gießen, stand noch ein ganz besonderer Besuch an: die
Kita Traumzauberbaum in Hohenschönhausen, die eng mit dem
Umweltbildungszentrum Lichtenberg (KiGA e.V.) zusammenarbeitet. Die Gäste wurden herzlich von der Kitaleitung empfangen und durch die liebevoll gestalteten Räumlichkeiten sowie das naturnahe Außengelände geführt. Das pädagogische Konzept der Kita setzt auf Bildung für nachhaltige Entwicklung – ganz konkret in Form von Projekten zu Klima, Ernährung, Abfallvermeidung oder Biodiversität. In enger Kooperation mit dem Umweltbildungszentrum wird den Kindern auf spielerische und kreative Weise Wissen über ihre Umwelt vermittelt. Themen wie Wasser, Energie oder fairer Handel werden altersgerecht aufbereitet, begleitet durch erfahrene Umweltpädagog:innen. Die Delegation zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement des Teams, der Ausstattung und dem Konzept, das ideal mit den Werten
der Städtepartnerschaft harmoniert.
Fazit und Ausblick
Die Tage in Lichtenberg zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig, lebendig und zukunftsgewandt eine Städtepartnerschaft sein kann. Ob Umwelt, Bildung, Kunst, Sport oder Verwaltung – der Austausch auf Augenhöhe steht im Zentrum dieser besonderen Verbindung. Mit der Entfristung der Partnerschaft und den Impulsen aus dem NAKOPA-Projekt ist der Weg für weitere gemeinsame Projekte geebnet. Wer Interesse an einer Mitwirkung hat, auch hier in Lichtenberg vor Ort – sei es durch eigene Projektideen oder durch Unterstützung bestehender Initiativen – ist herzlich eingeladen, sich an die Beauftragte für Städtepartnerschaften im Bezirksamt Lichtenberg zu wenden.
Die Partnerschaft lebt durch Beteiligung. Wir freuen uns auf neue Impulse und auf den weiteren gemeinsamen Weg mit unseren Freund:innen aus Maputo-KaMubukwana!