Kostenfreier Lastenfahrradverleih in öffentlichen Einrichtungen

fLotte - Thomas Büermann
Bild: Lastenfahrräder ADFC Berlin e.V.

Es ist ein bisher deutschlandweit einzigartiges Projekt, das nun in Lichtenberg und Spandau startet: In Kooperation mit fLotte, dem Lastenrad-Projekt des ADFC Berlin e.V. bieten die beiden Bezirke einen kommunalen, für die Bürgerinnen und Bürger kostenfreien Verleih von Lastenfahrrädern an. In beiden Bezirken entstehen je zehn Verleihstationen an öffentlichen Orten. Der ADFC Berlin stellt mit www.flotte-berlin.de die Plattform, über die die Räder ausgeliehen werden können. Es ist eines der ersten Projekte, das aus Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz finanziert wird.

Hintergrund

Distanzen bis zu sechs Kilometer können mit dem Fahrrad kostengünstiger, schneller und umweltfreundlicher zurückgelegt werden als mit dem eigenen Kraftfahrzeug. Lastenfahrräder sind nicht nur praktisch für Transporte, sondern ein sicheres, bequemes und nachhaltiges Verkehrsmittel im Alltag. Wenn sie direkt am Wohnstandort leicht zugänglich verfügbar sind, können sie private Autofahrten ersetzen und damit einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Projekt fLotte – kommunal könnte, berlinweit angewendet, einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Berliner Klimaschutzziele leisten.

Unser Partner

Deutschlandweit ist der ADFC der führende Kooperationspartner beim Verleih von kostenfreien Lastenfahrrädern. Die Erfahrungen des ADFC in den verschiedenen Städten (beispielsweise Hannover, Köln, Essen) bilden das wesentliche Fundament der Initiative „Freie Lastenräder“. Mit Beginn 2018 hat nun auch der ADFC Berlin unter „fLotte“ einen freien Lastenfahrradverleih mit Partnern aus dem Einzelhandel in Berlin gestartet. Das Projekt „fLotte-kommunal“ soll dieses Projekt mit Partnern aus den kommunalen Bezirksverwaltungen ergänzen.
Dadurch wird das Erfahrungspotential genutzt und Parallelstrukturen zur besseren Übersichtlichkeit für die Berliner Bevölkerung werden vermieden. Die Strukturen des ADFC Berlin reichen in jeden einzelnen Berliner Kiez. Der Verband ist prinzipiell gut vernetzt. Er verfügt über ein online-Buchungssystem, welches an das Projekt angepasst und genutzt werden kann. Er besitzt die notwendige Fachkenntnis für Betrieb, Wartung und Reparaturen. Damit ist der ADFC Berlin ein fachkundiger, leistungsfähiger und zuverlässiger Kooperationspartner während der Projektlaufzeit und für die Nachhaltigkeit des Projektes im Anschluss.

Finanzierung

Es ist eines der ersten Projekte, welches aus Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz finanziert wird

Unser gemeinsames Ziel

Ziel des Projekts ist es, Lastenfahrräder als Transportmittel für kleine und mittlere Strecken für alle Bewohner zugänglich zu machen. Dabei soll – anknüpfend an vorhandene öffentliche Dienstleistungszentren und unter Nutzung einer eingeführten online-Buchungsplattform – ein kostenfreies kommunales Lastenfahrradausleihnetz aufgebaut werden. Die Bezirke möchten mit diesem Angebot einen Beitrag zum Aufbau umweltfreundlicher Mobilitätsangebote leisten. Durch das Projekt soll die Arbeit der öffentlichen Einrichtungen unterstützt und der Nutzen eines Lastenfahrrades bei der Bevölkerung bekannt gemacht werden.

Mit diesem Projekt werden darüber hinaus u.a. folgende Fragestellungen untersucht:

  • Welche Ausleihstandorte sind besonders geeignet?
  • Lassen sich die Vorbedingungen zur Standortwahl (s. Verleihstationen) bestätigen oder gibt es darüberhinausgehende Anforderungen?
  • Ist das online-Buchungssystem dafür geeignet, alle Bewohnergruppen anzusprechen oder muss auch eine Buchung über den Standort möglich sein?
  • Welche Anforderungen ergeben sich aus der Bereitstellung eines solchen Sharing-Angebotes an die Leihstationen und an die Infrastruktur im Umfeld?
  • Wie könnte eine Kostenbeteiligung durch die Nutzer aussehen?
  • Welcher Typ von Lastenfahrrädern (einspurig oder 3-rädrig) ist bei welchen Altersgruppen bzw. Quartierstypen besonders nachgefragt?
    • Wie kann das Angebot nach Projektende weitergeführt werden?

Durch leicht zugängliche klimaverträgliche Mobilitätsangebote kann ein Umdenken und eine „neue“ Mobilitätskultur geschaffen werden. Damit wird der Weg zur Umsetzung der klimafreundlichen Mobilitätswende unterstützt. Das Projekt möchte diesen Prozess in Bezirken außerhalb des S-Bahnringes fördern und verfolgt damit das Ziel, verkehrsbedingte Emissionen zu senken.
Lastenräder haben eine begrenzte Reichweite. Ihre Nutzung stärkt Kieze, denn Einkäufe werden eher lokal getätigt und soziale Kontakte eher innerhalb des Kiezes gesucht. Öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Stadtteilzentren, Büros des Quartiersmanagement und Verkehrsschulen versuchen fortlaufend, ihr Profil an den Bedürfnissen der Anwohner auszurichten und Projekte sowie Vernetzungen innerhalb von Wohnquartieren zu initiieren. Sie sind deshalb auch geeignete Standorte für ein Lastenradausleihsystem.
Durch den Aufbau stabiler Kooperationen und die Entwicklung eines tragfähigen Finanzierungsmodells soll die Nachhaltigkeit des Angebots nach Projektende sichergestellt werden.

Wie bekomme ich ein Lastenfahrrad?

  • Die Räder können für 1 – 3 Tage kostenfrei ausgeliehen werden
  • Die Räder müssen online reserviert werden unter www.flotte-berlin.de
  • Abholung des Rades in der öffentlichen Verleihstation (Kopie des Ausweises/Ausweis und den Buchungscode mitbringen).

Öffentliche Verleihstationen

Die Mitarbeiter*innen der Stationen halten Ausleihformulare bereit und geben die Lastenfahrräder aus bzw. nehmen sie wieder entgegen. Die Buchung selbst erfolgt auf der Plattform fLotte-berlin.de des ADFC.
Nachfolgende kommunale Einrichtungen machen mit:

  • Anna-Seghers-Bibliothek im Lindencenter, Prerower Platz 2
  • Anton-Saefkow-Bibliothek am Anton-Saefkow-Platz 14
  • Begegnungsstätte RBO – Inmitten gGmbH in der Paul-Junius-Str. 64 A
  • Bodo-Uhse-Bibliothek in der Erich-Kurz-Str. 9
  • Egon-Erwin-Kisch-Bibliothek in der Frankfurter Allee 149
  • Museum Lichtenberg in der Türschmidtstr. 24
  • Nachbarschaftszentrum „BENN“ in der der Warnitzer Str. 14
  • Nachbarschaftszentrum „IKARUS“ in der Wandlitzstr. 13
  • Stadtteilzentrum „Kiezspinne“ in der Schulze-Boysen-Str. 38
  • Verkehrsschule in der Baikalstr. 4

Das CO2-Einsparpotential

Gemäß Nutzerstudie des „Forum Freie Lastenräder“ aus dem Jahr 2016 gaben 46% der Teilnehmer*innen an, dass sie ihre Tour mit dem Auto gemacht hätten, wenn sie kein Lastenfahrrad zur Verfügung gehabt hätten. Rechnet man die Daten der Studie hoch, so ergeben sich pro Jahr und Lastenrad durchschnittlich ca. 500 vermiedene Autokilometer. Bei einer durchschnittlichen Emission von 142 g/PKW (Umweltbundesamt 2014) ergibt sich eine Reduzierung von 0,07 t CO2-Äquivalent pro Jahr und Rad, bezogen auf die eingesparten Autokilometer. Bei einer Annahme, dass 54% der Nutzer*innen ein anderes Verkehrsmittel, Bus oder Bahn, genutzt hätten, und einer mittleren Emission von 70 g/Personenkilometer ergibt sich eine weitere Reduzierung von 0,035 t CO2-Äquivalent pro Jahr und Rad.
Pro Lastenrad können im Jahr die THG-Emission von 0,1 t CO2-Äquivalent vermieden werden. Daher können in dem Projekt in zwei Bezirken mit 20 Lastenrädern 2 t CO2-Äquivalent pro Jahr eingespart werden.