Drei Tage Begegnung, Austausch und neue Ideen: Ende August war eine Delegation aus unserem Wiener Partnerbezirk Margareten zu Gast in Lichtenberg. Auf dem abwechslungsreichen Programm standen unter anderem die Themen Bildung, Gesundheit, Stadtentwicklung, Kultur, Diversity, Jugend. Vor allem aber ging es darum, die Städtepartnerschaft mit konkreten Begegnungen und neuen gemeinsamen Projekten weiterzuentwickeln, zumal der 2025 gewählte Wiener Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne) zum ersten Mal in seiner Funktion Lichtenberg besuchte.
Ankommen und offizieller Austausch
Zum Auftakt besuchte die Delegation die Kiezspinne. Bei einem Rundgang und im Gespräch ging es um die Arbeit des Nachbarschaftshauses und die Bedeutung von niedrigschwelligen Angeboten für das Zusammenleben im Kiez. Dabei entstand auch die Frage, welche Ideen und Erfahrungen aus Lichtenberg für die Arbeit in Margareten interessant sein könnten. Anschließend ging es ins Lichtenberger Rathaus zur offiziellen Begrüßung. Im Mittelpunkt des Austauschs standen dort unterschiedliche kommunale Strukturen und Arbeitsweisen in Wien und Berlin sowie Themen aus den Bereichen Queer & Diversity, Jugend und Sport. Am Nachmittag führte der Weg auf den Campus für Demokratie. Bei einer Zeitzeugenführung durch die Open-Air-Ausstellung erhielten die Gäste Einblicke in die Geschichte des Ortes. Beim anschließenden Open-Air-Kino mit Good Bye, Lenin! klang der erste Tag gemeinsam aus.
Schule, Gesundheit und Stadtentwicklung
Der Freitag begann mit einem Besuch der May-Ayim-Schule, die bereits eine Schulpartnerschaft mit der Gassergassenschule in Wien pflegt. Im Gespräch ging es darum, diese Verbindung weiter auszubauen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Austausch über neue Lehr- und Lernmethoden und die Frage, wie Schulen noch stärker voneinander profitieren können. Anschließend besuchte die Delegation das Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Bei einer Führung über das Gelände und einem fachlichen Austausch standen insbesondere Fragen der inklusiven Gesundheitsfürsorge im Mittelpunkt.
Am Nachmittag wurde im Rathaus gemeinsam mit Lichtenbergs Amtsleitung der Bereich Stadtentwicklung näher betrachtet. Dabei ging es unter anderem um Fragen der Gestaltung grüner Bereiche, die Reduzierung/Bereitstellung von Parkplätzen und die Entwicklung verkehrsberuhigter Zonen. Der Vergleich zwischen dem deutlich kleineren Margareten und dem wesentlich größeren Lichtenberg machte dabei sichtbar, dass unterschiedliche Rahmenbedingungen auch unterschiedliche Lösungsansätze erfordern – und dass gerade der Blick über die Bezirksgrenzen hinweg neue Perspektiven eröffnen kann.
Am Abend wurde der Austausch beim Unternehmerabend Lichtenberg in der Hafenküche fortgesetzt. Ein Gespräch mit CineMotion, einem der Gewinner des Unternehmerpreises 2026, brachte eine spannende Idee hervor: Könnte aus der Verbindung zwischen Lichtenberg und Margareten ein gemeinsames Filmfestival entstehen? Auch weitere Akteurinnen und Akteure nutzten den Abend zur Vernetzung und zum Ideenaustausch.
Tierpark und gelebte Vielfalt
Der Samstag begann mit einem Besuch im Tierpark Berlin. Neben der Geschichte und den aktuellen Themen des Tierparks ging es auch um dessen Veranstaltungen und Angebote rund um gesellschaftliche Vielfalt. Mit der Lichtenberger Beauftragten für Queer und Diversity gab es einen besonders interessanten Austausch zum sog. Pink Day im Tierpark und der Zusammenarbeit mit der Organisation AG Queer. Bei Führungen wird dort unter anderem die sexuelle Vielfalt im Tierreich thematisiert. Das Beispiel zeigt, wie sich Bildungsarbeit, Kultur und Diversity auf kreative Weise miteinander verbinden lassen.
Auch für mögliche gemeinsame Projekte mit Jugendlichen wurde Interesse geweckt. Der Austausch über queere Jugendprojekte und die Arbeit der unterschiedlichen Beauftragten machte deutlich, dass beide Bezirke hier voneinander lernen und möglicherweise gemeinsame Formate entwickeln können.
Kultur und Museum als Brücke
Am Nachmittag stand das Museum Lichtenberg auf dem Programm. Die allgemeine Ausstellung bot den Gästen zahlreiche Anknüpfungspunkte und Inspirationen für die eigene Arbeit in Margareten. Besonders intensiv wurde die neu eröffnete Ausstellung „Queer Lichtenberg – gestern und heute“ betrachtet.
Im Gespräch über queeres Leben in Geschichte und Gegenwart, die Arbeit der Queerbeauftragten und die Verleihung des Queerpreises wurde deutlich, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen und insbesondere junge Menschen einzubeziehen.
Städtepartnerschaft heißt: Ideen gemeinsam weiterdenken
Die Gespräche der vergangenen Tage haben gezeigt, dass die Städtepartnerschaft längst auf vielen Ebenen anknüpfen kann. Neben den bereits bestehenden Kontakten im schulischen Bereich gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten: Kultur, Jugend, queere Projekte oder Nachbarschaftsarbeit bieten Ansatzpunkte für neue Begegnungen.
Auch im Sport könnten Verbindungen weiterentwickelt werden – beispielsweise durch Kontakte zwischen Handballclubs wie FIVERS WAT in Margareten mit Lichtenberger Sportvereinen.
Zwischen den beiden Bezirken sind es gerade auch die Unterschiede die den Austausch interessant machen. Margareten ist deutlich kleiner und arbeitet in vielen Bereichen stärker mit ehrenamtlichen Strukturen, während Lichtenberg aufgrund seiner Größe über andere kommunale Möglichkeiten verfügt. Beide Seiten konnten dadurch Anregungen mitnehmen und neue Perspektiven kennenlernen.
Der Besuch aus Margareten war damit weit mehr als ein protokollarischer Austausch. In drei Tagen entstanden zahlreiche Gespräche, Kontakte und Ideen. Jetzt gilt es, diese weiterzuverfolgen und gemeinsam konkrete Projekte daraus entstehen zu lassen.
Denn eine Städtepartnerschaft lebt von den Menschen, die sie gestalten: vom persönlichen Kennenlernen, vom offenen Austausch und von der Bereitschaft, voneinander zu lernen. Der Besuch aus Margareten hat gezeigt, wie viel Potenzial in dieser Verbindung steckt.