Der Frühling steht in den Startlöchern und kommt mit großem Schwung. Die letzten Tage waren schon frühlingshaft warm und haben uns einen Vorgeschmack gegeben, auf das was kommt. In den Parks und auf den Grünflächen schießen Frühlingsboten nur so aus dem Boden. Winterlinge, Krokusse, Schneeglöckchen, sie alle bieten den ersten Insekten dieser Tage wertvolle Nahrung nach der Winterpause. Unter den noch unbelaubten Bäumen und Sträuchern regt sich neues Leben und bringt wieder Farbe in die Natur.
Um so früh im Jahr austreiben und blühen zu können, haben die Frühblüher Speicherorgane entwickelt, aus denen sie jetzt ihre Energie beziehen. Darin sind die Vorräte gespeichert, die sie in der letzten Vegetationsperiode angesammelt haben, etwa in Form von Stärke. Diese Speicherorgane können zum Beispiel Zwiebeln sein, wie bei Schneeglöckchen und Narzissen, oder so genannte Rhizome. In diesen meist unterirdisch wachsenden, verdickten Sprossen speichern etwa Schlüsselblumen und Buschwindröschen Nährstoffe. Die Vegetationsperiode der Frühlingsboten währt allerdings nicht lange. Umso mehr Bäume ihre Blätter frisch austreiben, umso weniger Frühblüher erblicken wir. Den lichtliebenden Pflanzen steht dann nicht mehr ausreichend Sonnenenergie für die Photosynthese zur Verfügung. Der Aufbau lebenswichtiger organischer Stoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette wird verlangsamt und schließlich ganz eingestellt: Die Pflanzen verblühen.
Frühblüher sind mehr als hübsche Farbtupfer in Wald und Garten. Sie sind eine erste Nahrungsquelle für viele Insekten und spielen darüber hinaus für andere Tiere eine wichtige Rolle. Auch die ersten Wildbienen sind schon unterwegs. Die Gehörnte Mauerbiene gehört zu den Frühstartern an sonnigen Standorten. Ebenso brummen die ersten Erd- und Gartenhummeln durch den Garten. Sie saugen mit ihrem langen Rüssel Nektar aus den tiefen Blütenkelchen von Krokus, Schlüsselblume und Märzenbecher. Sie sammeln Pollen an Sträuchern wie Salweide und Kornelkirsche. Ihr kuscheliger Pelz schützt sie dabei vor der Kälte und sie können ihre Brustmuskeln vibrieren lassen und sich sozusagen warmschütteln. Die winzigen Larven des Violetten Ölkäfers krabbeln in die Blüten des Buschwindröschens. Dort warten sie auf Wildbienen und reisen als blinde Passagiere in deren Erdbau, wo sie sich weiterentwickeln. Insekten sind das ganze Jahr hindurch auf ein vielfältiges Angebot heimischer Blühpflanzen angewiesen.
Weil sie bei vielen Vogelarten wie Blaumeise oder Gartenrotschwanz auf dem Speiseplan stehen, profitieren auch die Vögel in Wald, Flur und im Siedlungsraum von der Blütenvielfalt. Gärtnerinnen und Gärtner sollten die Bedürfnisse von Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren bei ihrer Gartenpflege und -planung stets beachten. Damit schaffen sie Lebensräume und helfen der Natur.