Silbrig glänzende Gespinste überziehen im Frühling auch in Berliner Parkanlagen kahl gefressene Bäume und Sträucher und verunsichern die Spaziergänger:innen. Erst einmal die Entwarnung: Weder Mensch noch Pflanze müssen sich vor den 800 Arten der Gespinstmotte fürchten, deren Raupen dieses Naturschauspiel auslösen. Eine Bekämpfung ist nicht nötig, da die Bäume nach dem Kahlfraß neue Blätter austreiben.
Die Raupen der Gespinstmotte ernähren sich wirtsspezifisch, das heißt, sie sind auf eine Baumart spezialisiert. Typisch befallene Bäume sind Traubenkirsche, Weißdorn, Pappel, Weide oder Obstbäume. Im späten Frühjahr fressen die Raupen die Blätter ab und überziehen Stämme, Äste und Zweige mit dem weißen Gespinst. In diesem leben die Raupen in größeren Gruppen und sind geschützt vor Feinden und Regen. Bis Mitte Juni ist der Baum kahlgefressen, daraufhin erfolgt die Wanderung zum Fuß des Stammes, wo sie sich im Schutz des Gespinstes verpuppen. Anfang Juli schlüpfen dann weiße Falter mit schwarzen Punkten. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage an den Knospen; die Larven überwintern dann dort bis zum nächsten Frühjahr.
Der Befall mit der Gespinstmotte schadet den Bäumen und Sträuchern nicht wesentlich. Noch im gleichen Jahr werden Ende Juni mit dem Johannistrieb neue Blätter gebildet. Da die Raupen keine Brennhaare haben, sind sie für den Menschen ungefährlich, also müssen auch keine Maßnahmen gegen die Gespinstmotte ergriffen werden. Es gibt bis zu 80 verschiedene Insekten, die als natürliche Gegenspieler fungieren, wie z. B. Schlupfwespen oder Raubwanzen. Bei einer chemischen Bekämpfung der Motte werden auch die natürlichen Gegenspieler vernichtet. Die Gespinstmotte wird durch kürzere, wärmere Winter und längere, wärmere Sommer begünstigt. Es kann somit in Folge des Klimawandels zum vermehrten Auftreten der Insekten kommen.
Bitte verwechseln Sie nicht die Raupen der Gespinstmotte mit denen des Eichenprozessionsspinners. Wie der Name sagt, kommen diese nur an Eichen vor. Sie sind auffällig behaart, von dunkler Färbung und bilden gespinstartige Nester. Durch die Brennhaare, welche ein Nesselgift enthalten, können Hautentzündungen auftreten, wenn man mit den Raupen oder den Nestern in Berührung kommt. Die Raupe der Gespinstmotte hingegen ist nicht behaart, hell mit dunklen Punkten und löst auch keine entzündlichen Reaktionen aus. Der Befall mit der Gespinstmotte muss nicht gemeldet werden. Es handelt sich lediglich um ein Naturschauspiel, das wir in Zukunft wohl häufiger in Berlin sehen werden.