Die ersten Warnschilder sind wieder aufgestellt, da die Raupen des Eichenprozessionsspinners auch in diesem Jahr unterwegs sind.
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein unscheinbarer graubrauner Nachtfalter. Sein Lebensraum sind Eichen, von deren Blättern und Knospen sich seine Raupen ernähren. Der Eichenprozessionsspinner ist wärmeliebend und bevorzugt zur Eiablage sonnige, freistehende Eichen oder lichte Eichengruppen. Mit dem hohen Eichenbestand in Parks und entlang der Straßen sind die Standortbedingungen in Berlin ideal.
Die Weibchen legen ihre Eier im Hochsommer zu je 100 bis 200 Stück im Kronenbereich der Eichen ab. Je nach Witterung schlüpfen die Raupen des Eichenprozessionsspinners im April oder Mai des darauffolgenden Jahres und durchlaufen in mehreren Wochen verschiedene Entwicklungsstadien und Häutungen. Die Raupen bilden große Nester, in denen sie in Ansammlungen zusammenleben und sich auch gemeinsam verpuppen. Die Nester sind noch lange nach dem Schlüpfen der Falter in den befallenen Eichen zu sehen.
Gefahr für den Menschen
Die Haare der Raupen reizen beim Menschen Haut, Schleimhäute, Bronchien und Lungengewebe und können Juckreiz oder Hautentzündungen verursachen. Die Symptome treten oft erst nach 24 Stunden auf, sodass die Ursache nicht direkt zugeordnet werden kann. Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Sind die Augen betroffen, entstehen Augenreizungen.
Deshalb gilt, wer sich in, an, unter oder in der Nähe von befallenen Eichen aufhält oder arbeitet, muss mit dem Auftreten von Gifthaaren rechnen. Alte Nester sollten auf keinen Fall berührt werden.
Ausbreitung und Monitoring
Die Raupen der Eichenprozessionsspinner wurden im Land Berlin erstmalig 2004 auffällig. Seitdem breiten sie sich im Stadtgebiet von West nach Ost aus, wobei sie 2007 den Sprung über die Spree Richtung Treptow-Köpenick machten. Seit 2012 werden in allen Berliner Bezirken Raupen, Nester und Falter in unterschiedlicher Stärke beobachtet. Die Ausbreitung erfolgt meist über Straßenzüge, die mit Eichen bestanden sind sowie über Grünzüge, die in die Stadt hineinführen. Die Bedingungen von Wärme und Trockenheit sind im Stadtgebiet günstiger als am Stadtrand.
Gegenmaßnahmen sind dann notwendig und sinnvoll, wenn Menschen, die sich im Bereich von befallenen Eichen aufhalten durch Raupennester oder wandernde Raupen gefährdet werden. Dabei gilt es, möglichst die Gifthaarbildung zu verhindern. Bei einem leichten Befall sind in aller Regel mechanische Maßnahmen ausreichend. Dabei kommen beispielsweise Absaugen oder Verkleben und Fixieren mit anschließendem Absammeln in Betracht. Eine mögliche Alternative könnte die Heißwasserbehandlung werden, bei der mit einer Lanze heißes Wasser auf die Nester ausgebracht wird. Dabei zerstört das heiße Wasser die Brennwirkung der Haare. Inwieweit die hohen Temperaturen zu Schäden an den Bäumen führen können, wird noch untersucht. Befinden sich die befallenen Standorte in einem Schutzgebiet, werden keine Maßnahmen ergriffen, da der Eichenprozessionsspinner hier als Teil der Natur angesehen wird. Auf den Befall wird jedoch hingewiesen und der Baum abgesperrt.
Eine weitere biologische Möglichkeit besteht in der Anwendung von Nematoden. Die Fadenwürmer suchen aktiv nach den Larven der Schädlinge und dringen in sie ein. Die Nematoden vermehren sich in den Larven und töten sie somit ab.
Bei starkem oder mehrjährigem Befall, besonders in sensiblen Bereichen wo sich viele Menschen aufhalten, kann es auch zum Einsatz von chemischen Maßnahmen kommen. Unter der Einhaltung der Natur-, Arten-, Landschafts- und Wasserschutzverordnungen wird nach dem Austrieb der Eiche Mitte bis Ende April eine Sprühbehandlung der jungen Raupen durchgeführt. Damit wird der Entwicklung der Brenn- und Gifthaare entgegengewirkt. Der Bezirk Lichtenberg verzichtet vollständig auf diese und geht nur mechanisch gegen den Befall vom Eichprozessionsspinner vor.