Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technologie erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie unterdrücken Umgebungsgeräusche aktiv und ermöglichen es den Nutzenden, sich ganz auf Musik, Podcasts oder andere Audioinhalte zu konzentrieren. Doch welche Auswirkungen hat diese Technik auf unseren Alltag, etwa im Straßenverkehr, und welche Rolle spielen Umgebungsgeräusche für unsere mentale Gesundheit?
Die Nutzung von Kopfhörern im Straßenverkehr wirft wichtige Sicherheitsfragen auf. Laut der Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt es in Berlin wie auch bundesweit kein generelles Verbot, beim Fahrrad- oder Autofahren Kopfhörer zu tragen. Allerdings gilt der Grundsatz, dass Verkehrsteilnehmende ihre Umgebung ausreichend wahrnehmen können müssen. Akustische Signale wie Hupen, Klingeln oder Sirenen müssen hörbar bleiben. Kommt es zu einem Unfall und stellt sich heraus, dass relevante Geräusche aufgrund zu lauter Musik oder aktiver Geräuschunterdrückung überhört wurden, kann dies zu einer Mitschuld führen. Besonders beim Tragen von Kopfhörern mit Noise-Cancelling-Funktion besteht die Gefahr, wichtige Warnsignale nicht wahrzunehmen. Deshalb sollte diese Funktion im Straßenverkehr grundsätzlich deaktiviert werden.
Doch nicht alle Umgebungsgeräusche sind störend – im Gegenteil: Einige haben sogar einen positiven Einfluss auf unsere mentale Gesundheit. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigt, dass Vogelgesang das Wohlbefinden deutlich steigern kann. Die Forschenden fanden heraus, dass das Zwitschern von Vögeln Stress reduziert und sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt. Eine mögliche Erklärung dafür liegt in unserer evolutionären Entwicklung. Vogelgesang begleitet den Menschen seit jeher. Solange Vögel singen, signalisiert dies unterbewusst Sicherheit. Ein plötzliches Verstummen hingegen kann auf Gefahr hindeuten, etwa auf Unwetter oder die Anwesenheit von Raubtieren. Weitere Untersuchungen zeigen, dass sich dieser positive Effekt sogar durch das Abspielen aufgezeichneter Vogelgesänge erzielen lässt. In japanischen Großstädten ist es daher üblich, an Bahnhöfen Vogelstimmen über Lautsprecher abzuspielen, um Stress zu reduzieren und das Wohlbefinden der
Menschen zu fördern.
Auch in Lichtenberg spielt das bewusste Wahrnehmen von Umgebungsgeräuschen eine wichtige Rolle. Rund 15 Prozent der Flächen des Bezirks werden landwirtschaftlich genutzt, vor allem im Norden Lichtenbergs in der Wartenberger und Falkenberger Feldmark. Dieses Gebiet ist eines der vier großen Naherholungsgebiete Berlins und wird von vielen Anwohnenden zur Erholung genutzt. Viele Besuchende tragen dort bei Spaziergängen oder sportlichen Aktivitäten Kopfhörer – grundsätzlich kein Problem, da die Wege autofrei sind. Was jedoch häufig übersehen wird: Landwirt:innen ist es erlaubt, diese Wege mit Fahrzeugen zu befahren. In der Praxis kommt es daher immer wieder zu Situationen, in denen landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht an Erholungssuchenden vorbeikommen, weil diese sie aufgrund von Kopfhörern nicht wahrnehmen. Da in der Feldmark auch Tiere gehalten werden, kann es zudem zu Notfällen kommen, bei denen schnelles Handeln erforderlich ist. Werden Wege blockiert und Warnsignale nicht
gehört, kann dies im schlimmsten Fall schwerwiegende Folgen haben.
Vielleicht sollten wir also öfter einmal bewusst auf Kopfhörer verzichten und den Geräuschen unserer Umwelt lauschen. Das fördert nicht nur unsere mentale Gesundheit, sondern auch die gegenseitige Rücksichtnahme – im Straßenverkehr ebenso wie in unseren Erholungsräumen.