Anlässlich des 100. Jahrestages der Enthüllung des vom Architekten Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Revolutionsdenkmals auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde setzt das Lichtenberger Mies van der Rohe Haus die Installation und Veranstaltungsreihe „Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal“ um.
Dabei handelt es sich um ein Projekt des Künstlers Nils Norman (*1966, lebt und arbeitet in Amsterdam und München) auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde an der Gudrunstraße 20, 10365 Berlin. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Intervention ist die Leerstelle, die das 1935 von den Nationalsozialisten zerstörte Denkmal auf dem Friedhof hinterlassen hat. Das Projekt fragt, welche Bedeutung utopische Entwürfe und ihre Brüche für aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen haben können.
Das Projekt startet am Samstag, 13. Juni 2026, um 16 Uhr mit der feierlichen Eröffnung durch den Künstler und das Bezirksamt Lichtenberg, vertreten vom Amt für Weiterbildung und Kultur. Danach ist die Installation – umrahmt von vielfältigen Aktionen, wie Führungen auf dem Friedhof und Workshops für Kinder und Jugendliche – noch bis zum 12. Juli 2026 zu erleben.
Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU): „Das Revolutionsdenkmal ist ein beeindruckendes Beispiel für die Bedeutung des Bezirks Lichtenberg in der Architekturgeschichte der Moderne und gleichzeitig ein Auftrag für unsere Erinnerungskultur. Um den Ort, der von den Nationalsozialisten zerstört wurde und seitdem immer wieder Ausgangspunkt für gesellschaftliche Debatten war, haben sich in den vergangenen Jahren sowohl der Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde als auch das Mies van der Rohe Haus bemüht. Mit dem künstlerischen Projekt ‚Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal‘ und den begleitenden Veranstaltungen möchten wir anlässlich des 100. Jubiläums der Enthüllung diese Debatten reflektieren und in die Zukunft blicken.“
Im Zentrum des Projekts „Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal“ steht eine von Nils Norman entworfene, temporäre Architektur, die die Dimensionen des ursprünglichen Baus aufgreift und sie in eine neue, dynamische Form übersetzt, die zum Mitmachen einladen soll. Das nicht mehr vorhandene Denkmal wird in den Mittelpunkt gestellt und vermittelt so Erinnerung als lebendigen, gemeinschaftlichen Prozess. Im Rahmenprogramm geht es um die Geschichte und Gegenwart des Ortes – mit Formaten für Kinder und Jugendliche, Diskursen und künstlerischen Beiträgen. Die kostenfreien Veranstaltungen werden auf Berlin.de und auf der Website des Mies van der Rohe Hauses angekündigt: www.miesvanderrohehaus.de. Sie finden in Kooperation mit dem Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde e.V. statt.
Ludwig Mies van der Rohe errichtete 1926 auf dem heutigen Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein Denkmal zur Erinnerung an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und weitere im Jahr 1919 ermordete Revolutionäre. Die mehr als 15 Meter lange Konstruktion aus rotem Backstein gilt in mehrfacher Hinsicht als revolutionär: Sie machte Material und Form zu Trägern von Emotionen. Zugleich schlug sie ein aktives Verständnis von Erinnerung vor. Eine vorgelagerte Fläche für Ansprachen verwandelte das Denkmal in einen Ort der Versammlung und politischen Praxis. Das Denkmal entstand im Auftrag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und wurde 1935 von den Nationalsozialisten zerstört. Bis heute wird über eine Rekonstruktion debattiert.