Das Bezirksamt Lichtenberg lädt am Sonntag, 9. November 2025, um 11:00 Uhr, zum Gedenken zu Ehren der Opfer der Novemberpogrome 1938 am Gedenkstein der ehemaligen Synagoge in der Konrad-Wolf-Straße 92, 13055 Berlin, ein.
Jahre der Entrechtung gingen der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens durch die Nationalsozialisten voraus. Die gewalttätigen Ausschreitungen während der Pogrome im November 1938 waren hierbei ein trauriger vorläufiger Höhepunkt. Infolge wurden deutschlandweit hunderte jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger umgebracht sowie tausende Synagogen und jüdische Geschäfte in Brand gesteckt. Den Opfern der Pogrome von 1938 gilt unser gemeinsames, ehrendes Gedenken.
Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU): „Die antisemitische Welle der Gewalt und Zerstörung bei den Novemberpogromen war das Fanal zur nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Diese endete in den millionenfachen Morden des Holocausts. Heute erstarkt der Antisemitismus wieder, wenn Jüdinnen und Juden sich und und ihre Religion mitten in Berlin verstecken müssen. Die Verbrechen der Vergangenheit dürfen nicht in Vergessenheit geraten, so wie wir auch jetzt an der Seite unser Mitbürgerinnen und Mitbürger stehen. Ich lade Lichtenbergerinnen und Lichtenberger dazu ein, gemeinsam der Opfer von Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit zu gedenken. Gegen das Vergessen.“
Hintergrund
Die jüdische Gemeinde in Hohenschönhausen war sehr klein. Als die Nationalsozialisten begannen Jüdinnen und Juden zu verfolgen, wandelten die Gemeindemitglieder ihren
Betraum in der Konrad-Wolf-Straße in eine Synagoge um. Die erst 1935 geweihte Gemeinde musste bereits 1938 ihre Tätigkeit wiedereinstellen. In den folgenden Jahren wurde ein Großteil der Mitglieder in Konzentrationslager deportiert. Nur wenige von Ihnen überlebten den Holocaust. Nach 1945 war die Synagoge in Vergessenheit geraten.
Erst mit den Forschungen zur jüdischen Geschichte, die in den 1990er Jahren mit der Ausstellung „Juden in Weißensee und Hohenschönhausen“ im damaligen Heimatmuseum an die Öffentlichkeit gelangten, kam auch die Synagoge wieder in Erinnerung. Im Zusammenhang mit dem 100. Geburtstag von Victor Aronstein entstand die Broschüre „Juden in Hohenschönhausen. Eine Spurensuche“, mit der auf das jüdische Leben in Hohenschönhausen aufmerksam gemacht wurde.
Zum 51. Jahrestag der Novemberpogrome entstand die Idee, an dem vergessenen Ort einen Gedenkstein zu errichten: Enthüllt wurde der Stein im Jahr 2000.