Zur Erinnerung an die Familie Lisbeth und Georg Stern wird am Mittwoch, 3. September 2025 um 17 Uhr in der Ehrlichstraße 33, Ecke Lehndorffstraße, 13018 Berlin eine Gedenktafel durch Bezirksbürgermeister Martin Schaefer enthüllt. Sie erinnert an die Stelle, an welcher sich das Wohnhaus der Familie befand.
Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU): „Erinnerungskultur nimmt in Lichtenberg einen festen Platz ein. Menschen, die in Lichtenberg gelegt und gewirkt haben, wie die Familie Stern, sollen im Stadtbild sichtbar bleiben – als Erinnerung und als Mahnung, damit sich das ihnen widerfahrene Unrecht nie wiederholt.“
Georg Stern (1867-1943), ein bedeutender Wissenschaftler, Erfinder, Wirtschaftslenker, Publizist und Komponist, lebte mit seiner Frau Lisbeth Stern (1870-1938) und den gemeinsamen Kindern Regula (1894-1978), Johanna (1896–1988), Katharina (1897–1984) und Maria (1907–1993) zwischen 1922 und 1931/32 in der Auguste-Viktoria-Straße 47 – unweit der heutigen Gedenktafel. Auch der Begründer der psychologischen Gestalttheorie und Freund des Hauses, Max Wertheimer (1880-1943), war dort kurzzeitig wohnhaft.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Leben der Familie tiefgreifend erschüttert. Die Töchter, zuvor als Schauspielerinnen und Tänzerinnen in Deutschland erfolgreich, erhielten Auftrittsverbot. Johanna und Maria konnten in die USA emigrieren, Katharinas Fluchtversuch scheiterte, Regula, als „Halbjüdin“ eingestuft, durfte ab 1938 nicht mehr als Ärztin praktizieren.
Lisbeth Stern zog 1943 mit ihrer verarmten, kranken Schwester Käthe Kollwitz nach Nordhausen, um dem Bombenkrieg zu entkommen. Die Künstlerin wurde später auf Lisbeth Sterns Anregung in der gemeinsamen Familiengrabstätte auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt – neben Georg Stern, der 1934 verstarb, sowie ihrem Bruder dem Ökonomen, Philosophen und Journalisten Conrad Schmidt (1863–1932).
Nach 1945 konnte Regula Frisch (geb. Stern) ihre Tätigkeit als Ärztin wieder aufnehmen. Johanna Hofer (geb. Stern) und Maria Matray (geb. Stern) wurden als Drehbuchautorinnen und Schauspielerinnen erfolgreich. Katharina Sterns Karriere als Tänzerin blieb durch das Berufsverbot beendet. Lisbeth Stern lebte nach Kriegesende in West-Berlin. Ihre Bestattung bei den engsten Angehörigen auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde wurde durch die Teilung der Stadt verhindert.
Im Wohngebiet „Carlsgarten” in Karlshorst sind Straßen nach Georg und Lisbeth Stern sowie nach Maria Matray und Johanna Hofer benannt. Das ehemalige Wohnhaus wurde inzwischen durch den Bau drei neuer Stadtvillen ersetzt.