Mittwoch, 7.5.2025 um 18:30 Uhr | Hansabibliothek
Wann immer der tschechische Dichter Petr Borkovec einen Ausflug in die Prosa unternimmt, ist das Lesevergnügen garantiert. Seine kurzen, genau beobachteten Szenen aus dem Alltag sind pointiert und voll subtilen, manchmal melancholischen Humors. In Lesung und Gespräch mit seiner Übersetzerin Lena Dorn stellt Petr Borkovec einige Prosaminiaturen aus dem Band „Den Stock aufheben“ vor, der im vergangenen Jahr bei Edition Korrespondenzen erschien.
Überall im täglichen Leben stößt der Erzähler auf Unerwartetes, das er in kleine literarische Meisterwerke verwandelt: So findet er beim jährlichen Aufräumen seines Bücherregals eine tschechische Ausgabe von DDR-Poesie, die er nach Jahren aussortiert. Zufällig wird er dann Zeuge von skurrilen Wendungen im weiteren Leben der ausgemusterten Anthologie. Einen Writer in Residence lässt er wie einen durchnässten Flamingo in einer einsamen Kneipe in Connewitz stranden, wo dieser den Wirt ungewollt in die Geheimnisse seines Schriftstellerlebens einweiht. Ganz gleich, ob der Erzähler eine Insektentauschbörse besucht, nach Italien reist oder an seine Kindheit in einem kleinen Ort in Böhmen zurückdenkt, die Lektüre bereitet einfach Vergnügen. „Petr Borkovec‘ doppelbödige, kluge und leichtfüßige Prosastücke funkeln wie Edelsteine, und nicht selten sind sie in all ihrer Rätselhaftigkeit einfach genau das: überwunderschön“, urteilte Martin Becker im Deutschlandfunk.
Petr Borkovec ist nicht nur Autor, Übersetzer, Herausgeber und Literaturaktivist, er ist auch als Lektor des Prager Fra-Verlags tätig. Außerdem schreibt er regelmäßig Kolumnen für die tschechische Presse. Seine Gedichte wurden in fast alle europäischen Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt. Im Herbst 2024 erhielt Petr Borkovec den 15. Dresdner Lyrikpreis, den bisher letzten von vielen Preisen.
Die Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung von Hansabibliothek und Tschechischem Zentrum Berlin, mit freundlicher Unterstützung durch das Tschechische Literaturzentrum CzechLit. Bücher am Nonnendamm gestaltet den Büchertisch.
Eintritt frei