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Friedenau – Es begann vor 150 Jahren

Feiern Sie mit uns in diesem Jahr die Entstehungsgeschichte von Friedenau, welche vor 150 Jahren mit der Gründung des “Landerwerb- und Bauverein auf Aktien” begann.
Lernen Sie die Geschichte von Friedenau kennen und begleiten Sie uns auf einem Spaziergang durch Friedenau im August.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler - Grußwort

Eine Frau im roten Blazer steht im Park und lächelt in die Kamera.
Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Liebe Bürger_innen,

vor 150 Jahren begann die Entstehung des heutigen Friedenaus. Damals war die ganze Gegend noch komplett ländlich. Spöttisch wurde sie so beschrieben: „Nur Jejend, nischt als Jejend“. Dem Visionär Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde ist es zu verdanken, dass das Land vor den Toren Berlins urbar gemacht wurde. Von Carstenn, der über Vermögen und städtebauliche Erfahrung verfügte, kaufte 1870 das Rittergut Deutsch-Wilmersdorf und weitere Ländereien.
Im südlichsten Zipfel dieses Areals sollte nach seinen Ideen eine Landhauskolonie zum Leben erweckt werden. Keine Mietskasernen sollten das Bild bestimmen, sondern Landhausvillen – nicht zu reich, nicht zu hoch gebaut, aber dafür mit Garten. Luftig sollte es sein. Betrachtet man heute die verbliebenen Landhäuser im Meer der eng bebauten Innenstadt, weiß man wie durchdacht das Konzept in Bezug auf Lebensqualität war.

Mit der Gründung des „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“ am 09. Juli 1871 unter der Federführung David Borns war die Institution zur Umsetzung der Carstennschen Idee geschaffen. Beamte, Pensionäre, Literat_innen und Künstler_innen sollten hier siedeln.
Der Plan ging auf und mit dem allerhöchsten Erlass des Deutschen Kaisers Wilhelm I.
am 09. November 1874 wurde die Landgemeinde offiziell begründet und erhielt den Namen Friedenau.
So hat die besondere Entstehungsgeschichte Friedenaus uns zwei denkwürdige Daten geschenkt, die man wohl als „kleinen“ und „großen“ Geburtstag bezeichnen könnte. Die Gründung des „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“ im Jahr 1871 machte den Ankauf der Ländereien von Johann von Carstenn- Lichterfelde möglich, auf denen Friedenau errichtet wurde. Nur drei Jahre später wurde die junge Kolonie bereits zur eigenständigen Landgemeinde erhoben.

Bildvergrößerung: Ein altes schwarz-weiß Bild von einer Landhausvilla. Im Vorgarten und auf dem Balkon stehen Menschen.
Bild: edition Friedenauer Brücke

Der Geist der frühen Landhausvillen hat über Jahrzehnte Literat_innen und Künstler_innen angezogen und als Keimzelle den Ortsteil zu etwas Besonderem gemacht. Als Jugendstadträtin habe ich fast 10 Jahre lang im Rathaus Friedenau gearbeitet und habe schon damals den besonderen Zusammenhalt im Kiez miterlebt. Die Bürgerschaft organisiert sich mit viel Engagement und ist gut vernetzt. Eine ganz wichtige Komponente, um Ortsteile dauerhaft lebens- und liebenswert zu gestalten.

Schon in diesem Jahr möchten wir Sie einladen, mit uns gemeinsam die frühe Entstehungsgeschichte dieses faszinierenden Berliner Ortsteils zu würdigen, die vor
150 Jahren ihren Anfang nahm und in der offiziellen Namensanerkennung und Erhebung zur eigenständigen Gemeinde gipfelte. Dazu möchte ich Sie herzlich zu einem gemeinsamen Spaziergang durch Friedenau im August einladen. Mehr Informationen dazu unter der Überschrift “Einladung zum Friedenauer Jubiläumsspaziergang”.
Schauen Sie auch auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei. Hier präsentieren wir die Entstehungsgeschichte mit Beiträgen und Fotos. Auf YouTube wird zusätzlich ein digitaler Kiezspaziergang zu sehen sein!
Den „großen Geburtstag“ werden wir dann 2024 so richtig mit gemeinsamen Spaziergängen, Lesungen und einem Kiezfest auf dem Breslauer Platz feiern!

An dieser Stelle möchte ich Evelyn Weissberg vom Verlag „edition Friedenauer Brücke“ ein herzliches Dankeschön aussprechen. Mit ihrer Friedenau-Expertise und den bereitgestellten Bildern und Texten war sie eine große Hilfe bei der angemessenen Würdigung der Geschichte von Friedenau.

Wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst

Angelika Schöttler
Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg

Entstehungsgeschichte von Friedenau

Schon vor 150 Jahren war es in Berlin nicht einfach, eine Wohnung zu finden! Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Kriegs trat in Berlin eine große Wohnungsnot ein, die zu Bauvorhaben führten, die weit über das Kerngebiet Berlins hinaus reichten.

Bildvergrößerung: Ein altes Bild von zweistöckigen Villen an einer Straße. Die Vorgärten und der Gehweg sind bepflanzt.
Bild: edition Friedenauer Brücke

Am 9. Juli 1871 wurde mit der Gründung des „Landerwerb-und Bauverein auf Aktien“ der Grundstein für die Entstehung des heutigen Stadtteils Friedenau gelegt. Der Visionär Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde hatte das Gebiet zunächst als Villenvorort für Literat_innen, Künstler_innen, Autor_innen aber auch für Pensionäre geplant. Die Stadtvillen durften zunächst nicht mehr als zwei Stockwerke aufweisen und hatten alle einen Vorgarten sowie einen größeren Garten hinter dem Haus.

Durch den weiterhin großen Wohnraummangel in Berlin wurde 1887 jedoch eine neue Bauordnung von der preußischen Regierung erlassen und anstelle von weiteren Villen wurden nun Mietshäuser mit bis zu fünf Stockwerken errichtet. Auch heutzutage ist das Bild von Friedenau durch den Mix dieser zwei Bauarten geprägt und in fast allen Straßen ist auch heute noch die Anlage von Vorgärten verpflichtend.

In der Zeitung rief David Born am 21. Mai 1871 zur Beteiligung am „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“ auf.

Bildvergrößerung: Eine Seite von einer alten Zeitung in altdeutscher Schrift.
Bild: edition Friedenauer Brücke

“Zur Wohnungsfrage

Durch die projektirten Pferdebahnen sind die Bestrebungen, welche die Bebauung der Umgegend Berlins seit Jahren bezwecken, ungemein erleichtert worden; daher ist es mir möglich, den vielen an mich ergangenen Aufforderungen, endlich mit der Gründung eines Bauvereins vorzugehen, jetzt nachkommen zu können.

Es ist mir nämlich infolge meiner seit Jahren in der Presse und in öffentlichen Versammlungen fortgesetzten Bemühungen gelungen, für Bestrebungen die nöthigen Unterstützungen zu finden. Ein Großgrundbesitzer, der sich für die Sache interessirt, hat mir ein Areal von 40 Morgen zum Zwecke der Parzellierung und Bebauung — aber nur für eine Baugesellschaft — zu einem sehr billigen Preise zur Verfügung gestellt. Das Areal, eine Stunde vom Mittelpunkt der Stadt, jetzt schon günstig an Eisenbahn und Chaussee im Westen von Berlin gelegen, wird von einer der projektirten Pferdebahnen durchzogen werden und eignet sich für Bebauung und für Gärten ganz vorzüglich. Aber nur einer Baugesellschaft will der Besitzer den billigen Preis und außerdem günstige Bedingungen stellen, dagegen aber stellt er seinerseits die Anforderung, daß keine Fabriken, keine hochstöckigen Miethsäuser und Proletarier-Wohnungen dort gebaut werden dürfen.

Demnach ersuche ich Diejenigen, welche sich bei einer solchen Baugesellschaft betheiligen wollen, um gemeinschaftlich Wohnhäuser und die dazu passenden Gärten vermittelst einer Summe, welche die jetzt zu zahlende jährliche Miethe nicht übersteigt, zu erwerben, mir dies recht bald mitzutheilen, es soll dann eine Versammlung der Angemeldeten einberufen werden. Beamten, Pensionirten, Lehrern, Künstlern, Literaten und allen Denen, deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiethe steigt, kann ich das Unternehmen auf das Angelegentlichste empfehlen.”

Historische Orte, die Friedenau noch heute prägen:

Die (alte) Bahnhofshalle wurde 1874 das erst Mal von auf die Wannseebahn wartenden Gästen genutzt und bietet heute noch einen tollen Raum für Veranstaltungen.

Die Grundsteinlegung zur Kirche zum Guten Hirten fand im Jahr 1891 statt. Die unter Denkmalschutz stehende Kirche auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, der als Mittelpunkt Friedenaus angelegt wurde, ist für viele Friedenauer_innen damals wie heute ein bedeutender Ort der Begegnung.

Ein weiterer wichtiger Orientierungspunkt ist das Rathaus Friedenau. Das Rathaus wurde 1917 offiziell eröffnet. Seit 2016 wird das Rathaus als Unterkunft für geflüchtete Frauen und Kinder aus verschiedenen Nationen genutzt. Vor dem Rathaus befindet sich der Breslauer Platz, auf dem seit 1881 regelmäßig ein sehr beliebter Wochenmarkt stattfindet und damit als einer der ältesten Berlins gilt.

Kiezspaziergang digital: 150 Jahre Friedenau

Ein altes Haus, Textfeld "Kiezspaziergang digital 150 Jahre Friedenau"

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Formate: video/youtube

Beim 9. "Kiezspaziergang digital" entdeckte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler Spuren, die bis in die Zeit der Gründung Friedenaus zurückreichen – bis in die 1870er Jahre.

Einblick in Friedenau

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Vergangene Kiezspaziergänge durch Friedenau

Schauen Sie sich doch auch die vergangenen Kiezspaziergänge durch Friedenau an und lernen Sie die verschiedenen Plätze des Ortsteils und die Persönlichkeiten, die in Friedenau lebten, kennen. Gerne können Sie diese Kiezspaziergänge auch nachgehen und Friedenau selbst entdecken.

„Kiezspaziergang digital“: Der Westen von Friedenau

17.10.2020 - Begleiten Sie Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und die Stadtführerin Gudrun Blankenburg durch das westliche Friedenau entlang der Bezirksgrenze zum Friedrich-Wilhelm-Platz. Weitere Informationen

Vom Grazer Platz über den Dürerplatz zum Breslauer Platz

20.08.2020 - Der Breslauer Platz stellt den Mittelpunkt von Friedenau dar. Vielleicht nicht in geografischer Hinsicht, aber doch von der Bedeutung für das Viertel. Weitere Informationen

Hinter Friedenauer Türen

20.02.2016 - Kiezspaziergang mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und der der Friedenau-Kennerin Gudrun Blankenburg. Weitere Informationen

Friedenau

17.01.2015 - Ausgangspunkt des Spazierganges ist der Friedrich-Wilhelm-Platz inmitten des Künstlerviertels Friedenau. Der Breslauer Platz mit dem Rathaus Friedenau und die Niedstraße, in der viele Künstler zu Hause waren, sind weitere Stationen. Weitere Informationen

Vom Leuthener Platz bis zur Saarstraße

16.03.2013 - Eingebettet in den "Frauenmärz" werden in diesem Kiezspaziergang einige "Lebenslinien" von Frauen aus dem Bezirk vorgestellt. Weitere Informationen

Eindrücke aus den einzelnen Kiezspaziergängen

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