Friedenau

17.01.2015

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Angelika Schöttler begrüßt die Teilnehmer_innen zum 20. Kiezspaziergang

Liebe Kiezspaziergängerinnen/Liebe Kiezspaziergänger,

Ich freue mich, dass ich Sie zu unserem ersten Spaziergang im gerade erst begonnenen Jahr 2015 begrüßen kann. Und natürlich will ich nicht versäumen, Ihnen für 2015 alles Gute zu wünschen.Wie ich sehe, sind Sie alle „gut reingerutscht“ und haben auch in diesem Jahr nicht weniger Elan und Interesse für unsere Spaziergänge mitgebracht.Ich hoffe, dass wir auch im Jahr 2015 viel gemeinsam erleben werden.

Nachdem wir beim letzten Mal einen über die Bezirks- und Landesgrenzen hinausgehenden Kiezspaziergang gemeinsam mit dem Landkreis Teltow-Fläming hatten, werden wir uns beim heutigen Spaziergang wieder in „vertrautem Gebiet“, nämlich dem Ortsteil Friedenau des großen Bezirks Tempelhof-Schöneberg, bewegen.

Vor allem die vielen Orte, an denen sehr bekannte Künstler gelebt und gewirkt haben, gilt es zu besuchen.

Zur Einstimmung einiges zur Entstehung und Entwicklung Friedenaus:

Die Landgemeinde Friedenau wurde im Jahre 1874 gebildet. Sie entstand aus einer Landhauskolonie, die drei Jahre zuvor gegründet worden war.

Den Namen erhielt Friedenau nachdem 1871 abgeschlossenen Frankfurter Friedensvertrag nach dem Sieg der deutschen Staaten über das französische Kaiserreich.

Wie alle anderen Gemeinden und Dörfer des heutigen Bezirks Tempelhof-Schöneberg gehörte Friedenau zum Landkreis Teltow und wurde 1920 in das Stadtgebiet Berlins eingegliedert. Von da an war es Teil des neugeschaffenen Groß-Berlin und Teil des Bezirkes Schöneberg.

Der Unternehmer und Stadtentwickler Johann Anton Wilhelm von Carsten erkannte das Potential dieser Gegend. Er erwarb das Gebiet und ab 1871 entstand – damals weit vor den Toren Berlins – eine Landhauskolonie im englischen Stil.

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Angelika Schöttler und die Kiezspaziergänger_innen

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Nähe zu den etwa zeitgleich entstehenden Bahnlinien, der Potsdamer Chausee, die das Berliner Stadtschloss mit Potsdam verband, und der damaligen Kaiserallee (heute Bundesallee) als Verbindung zum Kurfürstendamm.

Zunächst waren die Grundbesitzer verpflichtet, keine Mietshäuser, sondern nur Stadtvillen zu errichten. Ab 1887 ließ dann aber eine neue Bauordnung auch den Bau von Mietshäusern mit einer Höhe bis zu fünf Stockwerken zu. Aufgrund der stark steigenden Bevölkerungszahlen in Berlin und seinen Vororten war dies notwendig. In der Folge wurden viele Villen abgerissen und profitablere Mietshäuser gebaut.

Heute kann man diese Entwicklung am Häuserbestand ablesen:
Wir sehen noch einige der alten Landhausvillen, um die Jahrhundertwende entstandene Mietshäuser und – aufgrund der Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges – Neubauten oder unbebaute Grundstücke, die in der Regel als Spielplätze genutzt werden.

Die natürlich parallel verlaufende Entwicklung der Bevölkerung wird an folgenden Zahlen deutlich:

  • 1875 hatte Friedenau 1.104 Einwohner
  • 1912 waren es bereits rund 43.000 Einwohner.

Durch den rasanten Bevölkerungsanstieg wurde auch die Einrichtung diverser kommunaler Einrichtungen nötig.

So entstanden die noch heute vorhandenen Schulen (am Perelsplatz, an der Offenbacher Straße und an der Schwalbacher Straße, zwei Kirchen, ein Rathaus (am Breslauer Platz) und ein Postamt (am Renee Sintenis Platz).

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass der Stadtentwickler Carstenn für Friedenau eine ganz bestimmte Struktur an Straßen und Plätzen vorgesehen hat – die sogenannte Carstenn-Figur.
Schaut man sich Friedenau auf dem Stadtplan an, so stellt der Friedrich-Wilhelm-Platz, der vor uns liegt, den Mittelpunkt Friedenaus dar. Hufeisenförmig führen westlich und östlich des Platzes zwei Straßen Richtung Norden (die Stubenrauchstraße und die Handjerystraße).

An den oberen Enden des Hufeisens befinden sich westlich der Stubenrauchfriedhof und östlich der Perelsplatz. Ebenso symmetrisch angeordnet sind der Schillerplatz und der Renee-Sintenis-Platz.

Die friedliche Idylle und das besondere Flair des Ortsteiles machte Friedenau von Beginn an zu einem begehrten Wohngebiet. Pensionäre, Beamte, Lehrer und auch Künstler bauten hier zunächst ihre kleinen Villen oder bezogen die repräsentativen Mietwohnungen.

Vor allem wegen der vielen Künstler und Intelektuellen, die hier wohnten, wird Friedenau auch gern als „Künstlerviertel“ bezeichnet.
Es fällt allerdings auch schwer, Namen wie Günter Grass, Uwe Johnson, Theodor Heuss, Hanna Höch, Kurt Tucholsky, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Erich Kästner nicht als Besonderheit herauszustellen.

Wir gehen jetzt in die Schmargendorfer Straße zum Renee-Sintenis-Platz.

Renee-Sintenis-Platz

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Der Renee-Sintenis-Platz

Der Platz ist seit 1967 nach Renee Sintenis benannt.
Renée Sintenis (1888 – 1965) war eine der bedeutendsten Bildhauerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie schuf vor allem kleinformatige Tierplastiken.
In ihren letzten Lebensjahren lebte die Künstlerin mit ihrer Lebensgefährtin zusammen in der Innsbrucker Straße 23. Dort erinnert eine Gedenktafel an die Künstlerin.
Ihre berühmteste Skulptur ist der Berlinale Bär, der seit über 60 Jahren als symbolträchtige Ikone auf den Internationalen Filmfestspielen (Berlinale) verliehen wird.

Als lebensgroße Plastik ist diese Darstellung des Berliner Bären seit 1957 auf dem Mittelstreifen der Autobahn zwischen Dreilinden und dem Autobahnkreuz Zehlendorf zu sehen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man als West-Berliner nach einer langen Autofahrt über die Transitstrecke durch die DDR froh war, diesen Berliner Bären zu sehen.
Fast in der Mitte des Platzes steht eine von Renee Sintenis geschaffene Skulptur – ein grasendes Fohlen.

Beherrscht wird der Platz vom ehemaligen Kaiserlichen Postamt. Das imposante Gebäude wurde 1918 eröffnet (Architekt Ludwig Meyer). Ein Zeugnis für das aufstrebende Friedenau.

Rathaus Friedenau / Breslauer Platz

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Das Rathaus Friedenau

Nun befinden wir uns auf dem Breslauer Platz direkt vor dem des Rathaus Friedenau.

Wie wir gerade gehört haben, wuchs die Landgemeinde, so dass ein Verwaltungsbau notwendig war.
Das Rathaus Friedenau wurde von dem Architekten Hans Altmann entworfen. Altmann, der 1904 zum Friedenauer Gemeindebaurat ernannt worden war, entwarf viele Gebäude in Berlin, die noch heute das Stadtbild prägen. Auch in Friedenau hinterließ er mit den Schulbauten für das Rheingau-Gymnasium, die Paul-Natorp-Oberschule und die Schulgebäude in der Offenbacher Straße (ehemals Bobertal-Oberschule und Ruppin-Grundschule heute nur noch Ruppin-Grundschule) deutliche Spuren.
Mit einer Porträtbüste am Rathaus hat er sich selbst verewigt. Sie befindet sich an der Fassade zur Hauptstraße und ist von hier aus nicht zu sehen.

Ursprünglich sollte das Rathaus am Renee-Sintenis-Platz, den wir gerade passiert haben, gebaut werden. Nach langer Diskussion erhielt dann aber das Gelände am damaligen Lauterplatz, den Zuschlag. Der Lauterplatz wurde 1964 in Breslauer Platz umbenannt.
Die Grundsteinlegung für das von Hans Altmann entworfene Gebäude erfolgte am 13. Oktober 1913, im Kriegsjahr 1916 wurde es fertiggestellt und offiziell 1917 eröffnet.

Bei der Planung des Rathauses wurde in der Lauterstraße die damals neue Friedenauer Feuerwache vorgesehen. Bis heute sind die Zufahrten der Löschfahrzeuge noch vorhanden. Der Fassadenschmuck an ihren Bögen besteht aus vier Halbreliefs, die Motive aus dem Feuerwehralltag zeigen. Die Feuerwache ist heute nicht mehr in Betrieb.

Mit der Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin 1920 verlor Friedenau seine kommunale Selbstständigkeit und wurde zu einem Ortsteil Schönebergs.
Das Rathaus diente nunmehr Verwaltungszwecken innerhalb des neuen Bezirksamtes. Heute sind hier große Teile des Jugendamtes Tempelhof-Schönebergs untergebracht.
Seit dem 01.10.2013 gehört das Rathaus zum Vermögen der BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH).

Das Bezirksamt ist seit dem nur „Mieter“. Zum Ende des Jahres 2015 ist beabsichtigt, alle bezirklichen Verwaltungsaufgaben aus dem Rathaus Friedenau in andere Bürodienstgebäude des Bezirkes zu verlagern. Der Bezirk wird dadurch einen erheblichen Betrag an Infrastrukturkosten sparen.
In das Rathaus Friedenau wird dann wahrscheinlich ein Finanzamt einziehen.

Der historistische Baustil greift vor allem Elemente aus dem Neobarock auf. Einige Fassadenelemente sind noch vorhanden. Allerdings wurde das Rathaus im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt. Beim Wiederaufbau in den Jahren ab 1950 wurde insbesondere die Fassade zum Breslauer Platz hin stark vereinfacht. Man verzichtete auf aufwändigen Schmuck.

Eine gleichförmige Fassade mit Doppelfenstern wurde anstelle der einstmals sehr lebendigen und plastischen Platzfront errichtet. In der ursprünglichen Gestaltung erhalten geblieben sind die zur Hauptstraße und zur Lauterstraße hin gelegenen Fassaden der Seitenflügel sowie der 71 Meter hohe Turm, der eine weithin sichtbare städtebauliche Landmarke bildet.

Im Inneren des Gebäudes sind der Schlesiensaal und der Spiegelsaal besonders bemerkenswert. Zwei repräsentative Veranstaltungsräume, die unter Denkmalschutz stehen.

Auf dem Breslauer Platz findet seit 1881- also schon vor dem Rathausbau – regelmäßig ein Wochenmarkt statt. Er ist damit einer der ältesten Wochenmärkte Berlins.

Wie man sieht, wird der Platz gerade umgebaut. Die Bauarbeiten zur Umgestaltung sind weit fortgeschritten. Ziel ist es, mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen, um für die Friedenauer und Friedenauerinnen einen attraktiven Platz zu schaffen, der zum Verweilen einlädt.
Noch nicht endgültig geklärt ist, ob die Lauterstraße für den KFZ-Verkehr völlig gesperrt wird oder ob Anliegerverkehr zugelassen wird. In dieser Frage gibt es in der Bezirksverordnetenversammlung starke Meinungsunterschiede.

Zum Platz gehören seit 1929 das BVG-Wartehäuschen und der Kiosk. Dieses Ensemble wurde nach Entwürfen von Heinrich Lassen entworfen. Es steht unter Denkmalschutz.
Heinrich Lassen war in den zwanziger Jahren Stadtbaurat in Schöneberg. Nach seinen Entwürfen entstand auch 1922 bis 1927 die hochmoderne Wohnsiedlung Ceciliengärten. Ebenso entwarf er das Stadtbad Schöneberg.

Max Frisch

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Max Frisch lebte in der Sarazinstraße 8

Max Frisch lebte ab 1973 in Friedenau in der Sarazinstraße 8.Mit dem Einzug in die Friedenauer Wohnung begann er wieder ein Tagebuch zu schreiben. Er nannte es „Berliner Journal“.Er belegte das Tagebuch mit einer Sperrfrist von zwanzig Jahren nach seinem Tod (er starb 1991).

Anfang 2014 sind erstmals Auszüge aus dem „Berliner Journal“ als Buch erschienen.

Er schreibt unter anderem:

13.2.1973
„Unsere Wohnung liegt in der Flugschneise zu Tempelhof, was ich aber gewusst habe; sie kommen von Westen und starten nach Westen. Dazwischen Stille, Friedenau, viele Rentner. Das schrille Dröhnen ist weniger störend als aufregend.“

Und zum Breslauer Platz schreibt er:

18.2.1973
„Neulich am Breslauer Platz knallt es auf dem Boden, ein Brocken von einem alten Gesimse ist heruntergefallen; drei Meter neben mir. Ein Unfall, ohne Beschädigung andrer, ein natürlicher und nicht herausgeforderter Unfall wäre das Beste.“

Max Frisch ist auch der richtige Übergang, um Sie nun in die Niedstraße zu geleiten, die nicht umsonst auch die Straße der Dichter heißt:

In der Niedstraße lebten unter anderem die Schriftsteller

  • Erich Kästner (Niedstraße Nr. 5)
  • Uwe Johnson (Niedstraße Nr. 13)
  • Günter Grasss (Niedstraße Nr. 14)

und die etwas weniger bekannten Schriftsteller

  • Max Halbe (Niedstraße Nr. 10) und
  • Günther Weisenborn (Niedstraße 25).

Gehen wir jetzt in die Niedstraße.

Niedstraße Nr. 5 – Erich Kästner

Bildvergrößerung: In der Niedstraße Nr. 5 wohnte Erich Kästner
In der Niedstraße Nr. 5 wohnte Erich Kästner

Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München.

Die Jahre von 1927 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lebte er in Berlin und zwar in den Bezirken Wilmersdorf und Charlottenburg. Zwischenzeitlich hatte er aber hier im Haus Nummer 5 in den Büroräumen seiner Sekretärin eine Zweitwohnung.Seine Berliner Jahre gelten als die Schaffensstärksten.
Es erschienen die Kinderbücher

  • Emil und die Detektive
  • Pünktchen und Anton und
  • Das Fliegende Klassenzimmer.

Für diese Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Auch wurden diese Bücher zum Teil mehrfach verfilmt.
Ebenso entstanden in dieser Zeit viele humoristische Gedichte.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gehörten auch die Werke von Kästner zu denen, die bei der Bücherverbrennung (10. Mai 1933 / Opernplatz) als „Werke wider den deutschen Geist“ verbrannt wurden. Er wurde mehrfach von der Gestapo verhört und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.
Kästner emigrierte jedoch nicht, sondern blieb in Berlin. Er wollte vor Ort Zeuge und Chronist der Ereignisse sein, auch wollte er seine Mutter nicht allein zurücklassen.

Hier ein typisches mit sehr viel Humor geschriebenes zivilisationskritisches Gedicht:

Die Entwicklung der Menschheit
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.

Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.
Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.
Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.
So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Wir gehen weiter zu den Häusern Niedstraße Nummer 13 und 14

Niedstraße 13 und 14 - Karl Schmidt-Rottluff - Uwe Johnson – Günter Grass

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Gedenktafel von Karl Schmidt-Rottluff und Uwe Johnson

Im Haus Niedstraße Nummer 13 wohnten Karl Schmidt-Rottluff und Uwe Johnson.
Die beiden Gedenktafeln erinnern daran.

Karl Schmidt-Rottluff lebte von 1884 bis 1976. Er war expressionistischer Maler und Grafiker. Heute gilt er als einer der Klassiker der Moderne.
Im Jahr 1905 gründete er – damals noch Student mit den nicht minder berühmten Malern der damaligen Zeit – Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Erich Heckel – in Dresden die Künstlergruppe „Die Brücke“.
Die Nazis beschlagnahmten seine Werke als „entartete Kunst“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er viele Jahre Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin.

Hier wohnte er von 1911 bis 1933. Sein Grab liegt auf dem Waldfriedhof in Dahlem.

Uwe Johnson lebte von 1934 bis 1984.
Er gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Dabei steht thematisch die deutsche Geschichte im Mittelpunkt seiner Werke
Uwe Johnson verbrachte Kindheit und Studienzeit in der DDR. An der Universität Rostock hatte er aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber den Organen der Staatssicherheit und aufgrund seines Eintretens für Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit erste Konflikte.
1959 verließ er die DDR und zog hier nach Friedenau unter das Dach des Hauses wo er bis 1968 wohnte. In der Wohnung Johnsons hatte Karl-Schmidt-Rottluff ehemals sein Atelier.

In den Jahren 1966 bis 1968 hielt sich Johnson mit seiner Familie in New York auf.
Johnson war gut mit Hans Magnus Enzensberger befreundet, der damals der Herausgeber des „Kursbuches“ war. Das Kursbuch war damals eine Zeitschrift, die zu den wichtigsten Publikations-Organen der Studentenbewegung (Außerparlamentarische Opposition – APO) zählte.
Der Sohn Hans Magnus Enzensberger – Ulrich Enzensberger – war im Jahr 1966 nach Berlin gezogen, um dem Wehrdienst bei der Bundeswehr zu entgehen. Die leerstehende Wohnung Johnsons durfte er als Untermieter nutzen.
Am 19. Februar 1967 gründete Ulrich Enzensberger und seine Freunde Dieter Kunzelmann , Fritz Teufel, Rainer Langhans und weitere 6 Mitglieder hier in diesem Haus die berühmt gewordene Kommune I.

Die Kommune I, die freie Liebe und neue Formen des Zusammenleben propagierte, war von Beginn an Ziel einer „entrüsteten“ Berichterstattung der Boulevard-Medien. Mit vielen, als Provokation gedachten Happenings, wurde das Bedürfnis nach Sensations-Berichterstattung bedient.

Höhepunkt war der Plan, den amerikanischen Vizepräsidenten Humphrey während seines Berlin-Besuches auf der Martin-Luther-Straße mit einer „Pudding-Bombe“ zu attackieren. Der Plan des Bombenbaus wurde bekannt. Bei einer Hausdurchsuchung wurde jedoch kein Sprengstoff gefunden – lediglich eine aus Pudding-Pulver gebastelte Attrappe.
Von dieser Aktion erfuhr Uwe Johnson in Amerika und veranlasste seinen Freund Günter Grass, der im Nebenhaus wohnte, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Günter Grass begleitete die Wohnungsbesetzer mit Hilfe der Polizei persönlich aus der Wohnung.
Das ist dann auch die Überleitung zum Nachbarhaus Niedstraße 13 und Günther Grass.

Günter Grass ist 1927 in Danzig geboren.
Eigentlich muss man über ihn nicht viel sagen, da er als der wichtigste noch lebende deutschsprachige Schriftsteller gilt.
Seine Werke, u.a.

  • Die Blechtrommel
  • Katz und Maus
  • Hundejahre
  • Der Butt
  • Die Rättin
    sind in viele Sprachen übersetzt.
    1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Aber auch als Bildhauer und Grafiker hat er sich einen Namen gemacht.

In den letzten Jahren gab es auch öffentliche Kritik.
Erstens wegen seiner erst spät bekanntgewordenen Zugehörigkeit zur Waffen-SS und wegen eines im Jahr 2012 veröffentlichten Israel-kritischen Gedichts.
Von 1963 bis 1996 wohnte er hier in Friedenau.
Heute lebt heute 87jährig in der Nähe von Ratzeburg.

Ein Sohn von Günter Grass lebt noch heute in dem Haus.

Niedstraße 25 – Günther Weisenborn

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Gedenktafel von Günther Weisenborn

Hier wohnte von 1964 bis zu seinem Tod 1969 ein weiterer Literat.
Günther Weisenborn war in den zwanziger Jahren zunächst Schauspieler und wurde dann 1928 Dramaturg an der Berliner Volksbühne. Hier wurde auch sein erstes selbstverfasstes Theaterstück „U-Boot S4“ uraufgeführt. Ein Antikriegsstück als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten fielen auch seine Werke der Bücherverbrennung zum Opfer. Er emigrierte nach Argentinien und Amerika, kehrte aber nach Deutschland zurück.

Als unter einem Pseudonym arbeitender Mitarbeiter des „Grossdeutschen Rundfunks“ und als Dramaturg am Berliner Schillertheater führte er ein Doppelleben, da er gleichzeitig Mitglied der Widerstandgruppe „Die Rote Kapelle“ war.
1942 wurde er verhaftet und saß bis Kriegsende im Zuchthaus.

1945 und 1946 wurde er Mitbegründer des Berliner Hebbel-Theaters und der satirischen Zeitschrift „Ulenspiegel“.

Bundesallee 75 / „Bundeseck“

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Das Restaurant „Paulily“

Hier, wo heute sich das Restaurant „Paulily“ befindet, befand sich in den 60er und 70er Jahre das legendäre „Bundeseck“.
Im „Bundeseck trafen sich junge Autoren und Schriftsteller, tranken und diskutierten die Nächte durch. Auch Günther Grass und Max Frisch verkehrten hier.
Nicht ganz ernst gemeint wurde hier der „ARSCH“ gegründet, der Arbeitskreis Revolutionärer Schriftsteller.
Rund um das „Bundeseck“ hatten sich einige Buchhandlungen und Antiquariate niedergelassen.

Gleich um die Ecke, in der Görresstraße 8, wir werden gleich daran vorbeigehen, lag der damals in der Literatenszene weithin bekannte „Buchhändlerkeller“. Der 1951 gegründete „Arbeitskreis Berliner Jungbuchhändler e.V.“ hatte seinen Sitz zunächst in der Schöneberger Winterfeldtstraße, residierte dann aber seit Anfang der 60ger Jahre bis 1979 in der Görresstraße. Namhafte Autoren, so auch Uwe Johnson und Max Frisch lasen hier aus ihren Werken und diskutierten mit Interessierten, vor allem aus der damaligen Studentenbewegung.

In dem Eckhaus Bundesallee 75 hat sich seit knapp zwei Jahren ein Designhotel etabliert, das Hotel Klee. Es nimmt in seiner Innenausstattung Bezug auf den Maler Paul Klee.

Das Restaurant im ehemaligen Bundeseck leitet seinen Namen „PauLily“ als Wortspiel von den Vornamen Paul Klees und seiner Ehefrau Lily ab.

Wir werden jetzt dir Görresstraße entlang zum Stubenrauch-Friedhof gehen. Achten Sie auf die Hausnummer 8 (auf der rechten Seite) dort befand sich der „Buchhändlerkeller“.

Friedrich Wilhelm Platz

Bevor wir losgehen, lassen Sie uns kurz in Richtung Friedrich-Wilhelm-Platz gucken. Er stellt – wie bereits erwähnt – den Mittelpunkt Friedenaus dar und wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Im Laufe der Jahrzehnte änderte er seine Gestaltung und auch seinen Charakter.

Der Platz wurde vor allem den Prämissen des Autoverkehrs angepasst.
Seit einigen Jahren setzt sich eine Bürgerinitiative – die Bürgerinitiative Friedrich-Wilhelm-Platz für eine Veränderung ein.
Dabei geht es unter anderem um den Rückbau der vom Autoverkehr dominierten Platzflächen. Die Bürgerinitiative möchte den Platz wieder zu einem Treffpunkt machen, der von allen gerne genutzt wird.

Ich werde, da Friedenau so viel bietet, wahrscheinlich noch in diesem Jahr einen weiteren Kiezspaziergang durch Friedenau anbieten. Dann werden wir mehr über den Friedrich-Wilhelm-Platz und auch über die Ziele der Bürgerinitiative hören.

Lassen Sie uns weitergehen.

Stubenrauch-Friedhof

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Das Grabdenkmal für Ferruccio Busoni

Aus Gründen der Pietät werde ich auf dem Friedhof nicht über Lautsprecher reden. Deshalb hier das wichtigste zu diesem Friedhof.

Weil hier viele künstlerisch gestaltete Gräber zu finden sind, aber auch weil hier viele Künstler begraben sind, gilt er als „Künstler-Friedhof“.
Bei unserem Rundgang über den Friedhof werden zunächst gleich hinter dem Eingangstor zwei große Gräberfelder für gefallene Soldaten des Zweiten Weltkrieges sehen.

Dann fällt einem rechts schon das Grabdenkmal für Ferruccio Busoni auf.
Der Berliner Bildhauer Georg Kolbe entwarf die nach oben breiter werdende Stele, auf der eine Bronzeplastik thront, die den Genius darstellt.

Der Genius galt in der römischen Religion als der persönliche Schutzgeist eines Mannes
Busoni wurde am 1. April 1866 in der Nähe von Florenz geboren. Seine Mutter hatte deutsche Wurzeln. Er war ein hochbegabter Musiker. Bereits mit 10 Jahren gab er sein Debüt als Pianist und Komponist in Wien.
Von 1920 bis zu seinem Tod 1924 unterrichtet er an der Berliner Akademie der Künste.
Er wohnte am Viktoria Luise-Platz 11. Dort hängt auch Gedenktafel.

Anschließend werden wir im hinteren Teil an den Gräbern von Marlene Dietrich und Helmut Newton vorbeilaufen.

Marlene Dietrich

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Das Grab von Marlene Dietrich

Marlene Dietrich, geboren 1901, begann ihre Karriere als Schauspielerin am Theater und in Stummfilmen in den „goldenen Zwanzigern“ in Berlin.

Der Aufstieg zur international bekannten Künstlerin gelang ihr 1930 durch die Hauptrolle in dem Film „Der Blaue Engel“. Anfang der 1930er Jahren ging sie in die USA, wo sie an der Seite von Gary Cooper das Drama „Marokko“ (1930) drehte.

Für diese Rolle erhielt sie eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin.

Damit war und ist sie ist eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen, die auch international Ruhm erlangten.
Typisch für sie waren ihre langen Beine, ihre tiefe und rauchige Stimme. Nicht zu vergessen die von ihr getragenen Hosenanzüge, wodurch dieses Kleidungsstück in den 1930er Jahren für Frauen salonfähig wurde.

Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland weigerte sich die Schauspielerin, die NS-Propaganda zu unterstützen.

Stattdessen engagierte sie sich während des Zweiten Weltkrieges bei der amerikanischen Truppenbetreuung, indem sie für die amerikanischen Soldaten sang und Verwundete in Lazaretten besuchte.

Im Jahr 1947 verlieh ihr der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Harry S. Truman die Freiheitsmedaille.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges war Paris ihre Wahlheimat. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie in völliger Abgeschiedenheit in ihrer Pariser Wohnung. Lediglich über das Telefon kommunizierte sie vor allem mit ihrer Tochter.
Marlene Dietrich starb am 06. Mai 1992 in Paris.
Sie wollte in der Nähe ihrer Mutter – Josefine von Losch – begraben werden. Auch dieses Grab werden wir beim Vorbeigehen sehen.

In der Schöneberger Leberstraße 65 – dem Geburtshaus Marlene Dietrichs – hängen heute 2 Gedenktafeln, die an die große deutsche Schauspielerin erinnern.

Helmut Newton

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Das Grab von Helmut Newton

In unmittelbarer Nähe zum Grab Marlene Dietrichs befindet sich das Grab Helmut Newtons.

Helmut Newton (1920 – 2004) wurde 1920 als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie, die in Schöneberg in der Innsbrucker Straße wohnte, als Helmut Neustädter geboren.
1938 floh er vor den Nazis aus Deutschland. In Amerika wurde er zu einem weltberühmten Fotografen. Vor allem seine provokanten Aktaufnahmen machten ihn zu einem der gefragtesten Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unter anderem arbeitete er für die Vogue.

Er starb 2004. Seine Witwe June wählte den Städtischen Friedhof in der Stubenrauchstraße in Friedenau als seine letzte Ruhestätte.
In der Jebensstraße, unweit des Bahnhofes Zoo, befindet sich heute ein Museum für seine Werke.
Am Haus Innsbrucker Straße 24 erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Nach dem Rundgang über den Friedhof

Der Friedhof wurde 1881 für die Landgemeinde Friedenau angelegt. Der Platz hieß damals Hamburger Platz und war von Carstenn als Schmuckplatz vorgesehen. Mit dem weiter östlich gelegenen Perelsplatz wäre die symmetrische Carsten-Figur erhalten geblieben.
Die Pläne eines Schmuckplatzes wurden jedoch nicht umgesetzt. Das wachsende Friedenau brauchte einen Friedhof.
Der Friedhof wurde immer wieder – zuletzt 1912 – bis zu seiner heutigen Größe erweitert. Heute ist er ein städtischer Friedhof.

Stubenrauchstraße 47 – Comedian Harmonists

Bildvergrößerung: Gedenktafel der Comedian Harmonists
Gedenktafel der Comedian Harmonists

Lied „Mein kleiner grüner Kaktus“

An dem Lied und natürlich auch an der Gedenktafel haben Sie schon erkannt, um wen es geht.
Wir stehen vor einem zunächst unscheinbaren Wohnhaus, in dem in den
20er Jahren Musikgeschichte geschrieben wurde.
Wer kennt sie nicht, die legendären Comedian Harmonists? Man muss diesen Namen nur hören und es fallen einem nicht nur Titel wie „Mein kleiner, grüner Kaktus“ ein.
Auch „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „In der Bar zum Krokodil“ und viele andere Lieder sind fest im Gedächtnis verankert.
Die Comedian Harmonists waren ein international bekanntes Berliner Vokalensemble der Jahre 1927 bis 1935.
Das Sextett wurde in diesem Haus in der Wohnung von Harry Frommermann, einem deutschen Sänger gegründet.
Sie waren die berühmteste „Boy-Group“ ihrer Zeit, viele ihrer Lieder sind zu Klassikern geworden. Mal melancholisch, mal sprühend vor Witz spiegelten sie mit Text und Musik den Zeitgeist wider.

Die Karriere der Comedian Harmonists begann mit einer fast unbedeutend erscheinenden kleinen Zeitungsannonce 1927.

Inspiriert von den Aufnahmen der US-amerikanischen Gruppe „The Revelers“ erschien im Dezember 1927 im Berliner Lokal-Anzeiger eine Anzeige, in der Harry Frommermann Sänger für eine neue Gruppe suchte:

„Achtung. Selten. Tenor, Bass (Berufssänger, nicht über 25), sehr musikalisch, schönklingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble unter Angabe der täglich verfügbaren Zeit gesucht.“

Obwohl sich fast hundert Männer meldeten und vorsangen, konnte nur Robert Biberti überzeugen. Wenige Tage später konnte er zwei Kollegen aus dem Chor des Großen Schauspielhauses zum Mitmachen gewinnen. Zwei Freunde ließen die Gruppe auf sechs Mitglieder anwachsen.

Sie nannten sich zunächst “ Melody Makers“. Erst später gaben sie sich den Namen „Comedian Harmonists“.
Die erste Probe fand im Januar 1928 noch in der Wohnung Stubenrauchstraße 47 statt. Frommermann hatte aber nur eine kleine Mansardenwohnung, so dass ihm die Filmschauspielerin Asta Nielsen erlaubte, im Musiksalon ihrer Wohnung in der damaligen Kaiserallee (heute Bundesallee) zu proben.
Der Erfolg stellte sich aber erst nach etlichen Misserfolgen und Rückschlägen ein.
Dann aber war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten und sie erreichten eine enorme Popularität.
Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens wurde es ihnen 1934 von der Reichsmusikkammer verboten, öffentlich aufzutreten. Drei der Mitglieder waren „nichtarisch“ ! Die Gruppe trennte sich und die drei Mitglieder mit jüdischen Wurzeln verließen Deutschland.
Alle sechs Musiker überlebten den 2. Weltkrieg, standen aber nie wieder gemeinsam auf einer Bühne.

Schillerplatz

Der Schillerplatz ist innerhalb der städtebaulichen Figur Carstenns das Pendant zum Renee-Sintenis-Platz. Dabei hat er seine Platzstruktur im Laufe der Zeit durch Umbauten und Straßenerweiterungen weitgehend verloren. Auch hier wurde vor allem in den 60ger Jahre dem Autoverkehr der Vorrang gegeben. Ursprünglich war der Schmuck-Platz als Rondell angelegt. Dies kann man heute nur noch erahnen.
Anlässlich des 100. Todestages des Dichters Friedrich Schiller erhielt er im Mai 1905 seinen heutigen Namen.
Nur einen Steinwurf von hier lebte in der Rheingaustraße Nummer 8 in den Jahren 1878 bis 1879 der Lyriker Rainer Maria Rilke (geb. 1874 gest. 1926).

Wir gehen nun zur letzen Station zum Friedrich-Wilhelm-Platz zurück, den wir ja schon sehen !

Friedrich-Wilhelm-Platz - Verabschiedung

An dieser Stelle will ich mich von Ihnen verabschieden.
Wenn Sie sich wundern, dass wir nur wenig über Max Frisch und den Friedrich-Wilhelm-Platz gehört haben und gar nichts über Hannah Höch und den Perelsplatz, so ist dies der knappen Zeit geschuldet.
Friedenau bietet so viel, dass ein Kiezspaziergang nicht reicht. Wir werden deshalb zum Ende des Jahres erneut durch Friedenau spazieren. Ich freue mich schon jetzt darauf.

Abschließend will ich aber heute noch ein Zitat von Franz Hessel loswerden.
Sie wissen, dass ich gern Franz Hessel zitiere, der insbesondere durch sein Buch „Ein Flaneur in Berlin“ bekannt geworden ist, und für den in der Lindauer Straße 8 in Schöneberg eine Gedenktafel hängt.

Er schreibt 1929 zu Friedenau:

„Durch Wilmersdorf und Friedenau führt die lange Kaiserallee (heute Bundesallee), umgeben von Wohnvierteln, die sich aus den Dörfern und Villenkolonien gebildet haben.

Von Friedenau wird behauptet, dass es, wie auch Teile von Steglitz und Lichterfelde, Zufluchtsstätte vieler ehemaliger königlicher Beamter und rentenlos gewordener Rentner alten Schlages sei. Gestalten mit chronisch entrüstetem Gesichtsausdruck über Bärten, die etwas Pensioniertes, etwas von Restbestand haben, sollen Geheimräte und Kanzleisekretäre sein; es begleiten sie Gattinnen, die oft richtige Federn auf dem Hut haben, wie in entschwundenen Zeiten die Damen von Welt hatten. Diese würdigen Matronen wohnen in freundlichen, etwas unmodernen Gartenhäusern. Man sollte glauben, dass sie in ihrem traulichen Heim lieblicher werden müssten, als sie es sind. Nun, wir wollen für ihre Kinder hoffen …“

Soweit Franz Hessel.

Ich hoffe, wir sehen uns – kommen Sie gut nach Hause.