Ortsteil Lichtenrade

In Lichtenrade gehen die Uhren etwas beschaulicher als im innerstädtischen Bereich. Ganz im Süden von Tempelhof-Schöneberg grenzt dieser Ortsteil an die Brandenburger Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald.

Mit Teltow-Fläming verbindet den Bezirk seit 1991 eine lebendige Partnerschaft, die sich nach der deutschen Wiedervereinigung gebildet hat.
Lichtenrade hat viel zu bieten, ist von seiner Historie her ländlicher und mit seinen großflächigen Einfamilienhausbebauungen ein beliebter Wohnort in Berlin. Moderner sind die Bauten in den Großsiedlungen Lichtenrade-Ost und -Mitte. Hier prägen Hochhauskomplexe das Stadtbild.

Lichtenrader Volkspark

Bildvergrößerung: Volkspark Lichtenrade
Volkspark Lichtenrade

Er wird auch heute noch von den Mitgliedern des „Trägervereins Lichtenrader Volkspark e. V.“ liebevoll gepflegt. Eine Initiative ganz besonderer Art. Im enger bebauten Lichtenrade-Ost entstand auf eine Bürgerinitiative hin 1979 der beliebte Lichtenrader Volkspark. Seit 1983 besteht eine Patenschaft des Landkreises Cham im Bayerischen Wald/Oberpfalz für den Volkspark Lichtenrade. Gerade in den Anfangsjahren wurde der Volkspark mit Sachspenden sehr stark unterstützt. Neben vielen Pflanzen stammen beinahe alle Bänke und Tische aus dem Patenschaftslandkreis.
Der lebendige Kontakt zwischen dem Verein und dem Landkreis Cham wird aber auch über Lichtenrade hinaus sichtbar. Zu Weihnachten spendet der Landkreis Cham seit über 30 Jahren den Weihnachtsbaum, der vor dem Rathaus Tempelhof aufgestellt wird. Auf dem Vorplatz des Rathauses Tempelhof wurde 2013 zum 30-jährigen Bestehen der Patenschaft feierlich eine Tafel enthüllt.

Der Giebelpfuhl

Bildvergrößerung: Dorfteich Giebelpfuhl
Dorfteich Giebelpfuhl

Das erste Mal wurde Lichtenrade anno 1375 im Landbuch Karls des IV. urkundlich erwähnt. Den ländlichen Charakter dieses Ortsteils erkennt man am besten, wenn man den alten Dorfkern besucht. Hier ist es ein wenig, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Die idyllische Dorfaue mit dem ovalen Dorfanger, der Dorfkirche, dem größten in Berlin erhaltenen Dorfteich „Giebelpfuhl“ und den Bauernhäusern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bieten ein stimmungsvolles Bild und dies zu jeder Jahreszeit. Es ist, als sei die Zeit ein wenig still gestanden. Ein wirkliches Kleinod und ein wunderschöner Ort zum Verweilen.

Dorfkirche Lichtenrade

Bildvergrößerung: Dorfkirche Lichtenrade
Dorfkirche Lichtenrade

Die Dorfkirche Lichtenrade entstand im 14. Jahrhundert und war ursprünglich ohne Chor und Turm errichtet worden. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche nach einem Bombentreffer völlig aus. Sie wurde bei der Wiederherstellung 1948-49 um knapp einen Meter erhöht und mit einem Satteldach versehen. Die idyllische Kirche ist auch heute noch sehr beliebt für Trauungen. Zweimal im Jahr finden rund um den Giebelpfuhl wunderschöne Feste statt. Im Herbst das weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte Wein- und Winzerfest sowie der „Lichtenrader Lichtermarkt“ am Ersten Advent, der zu den stimmungsvollsten Weihnachtsmärkten Berlins zählt.

Traditionslokal

Bildvergrößerung: Restaurant Reisel
Restaurant Reisel

Dass Lichtenrade auf eine lange Tradition zurückblicken kann und die Uhren etwas langsamer gehen, ist es bestimmt auch zu verdanken, dass es heute noch die Traditionslokale „Bohm`s Fliegerkneipe“ (gegründet 1891 seit 1911 in Lichtenrade) und das gutbürgerliche Restaurant Reisel (gegründet 1866) gibt.

Alte Feuerwache

Bildvergrößerung: Feuerwache Lichtenrade
Feuerwache Lichtenrade

Direkt in diesem Kiez in „Alt-Lichtenrade 94“ befindet sich auch die „Ehemalige Feuerwache Lichtenrade“. Sie wurde 1909 durch den Architekten Gustav Haufe, einem späteren Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, erbaut. Zur Feuerwache gehören ein ehemaliges Spritzenhaus, ein früheres Stallgebäude und der Steigeturm, der früher zum Trocknen der Schläuche gebraucht wurde. Alle drei Gebäude haben einen hohen Klinkersockel und sind im oberen Bereich mit Fachwerk versehen.

Alte Dorfschmiede

Bildvergrößerung: Alte Dorfschmiede
Alte Dorfschmiede

Ein weiteres gut erhaltenes Objekt ist die am Dorfanger gelegene alte Dorfschmiede, die anno 1866 erbaut wurde und 1890 um ein Wohnhaus erweitert wurde. Die tiefe Lage der Fenster ist das Ergebnis einer späteren Anhebung des Straßeniveaus. Das geschichtsträchtige, kleine Haus wird heute noch privat bewohnt und steht natürlich unter Denkmalschutz.

Bahnstation Lichtenrade und Alte Mälzerei

Bildvergrößerung: Bahnstation Lichtenrade
Bahnstation Lichtenrade

Die Bahnstation des Dorfes Lichtenrade wurde am 1. Juni 1883 eröffnet und an das damals noch eingleisige Streckennetz nach Dresden angeschlossen.

Neben dem Bahnhof befindet sich die historisch auch sehr interessante Alte Mälzerei der Schlossbrauerei Schöneberg Ag in der Steinstr. 41. Sie wurde von 1897-1899 nach den Plänen von Regierungsbaumeister Wilhelm Walter im Stil der Magazinbauten der alten Hansestädte erbaut.

Bildvergrößerung: Alte Mälzerei
Alte Mälzerei

Das rote Backsteingebäude ist monumental und überragt die gesamte Bebauung um den Lichtenrader Bahnhof.
Damals brauchte man die Mälzerei, um die steigende Nachfrage nach Bier in der damals unabhängigen Stadt Schöneberg zu befriedigen. Der Platz in Lichtenrade wurde ausgewählt, um die starken Gerüche, die beim Mälzen entstehen, von der Stadt Schöneberg fernzuhalten. Lichtenrade zählte damals gerade einmal 500 Einwohner_innen.

Bildvergrößerung: Hopfen und Malz
Hopfen und Malz

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb komplett eingestellt, wahrscheinlich weil die Gerste zum Bierbrauen rationiert war. Danach wurde das Gebäude hauptsächlich als Lagerraum genutzt. Zu Mauerzeiten wurden hier als Reaktion auf den Schock der „Berliner Blockade“ die berühmten „Senatsreserven“ gelagert. Seit 1987 steht das Gebäude unter Denkmalschutz und ist nur von außen zu besichtigen.

An der Frontseite kann man noch heute den Spruch
„Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s“ lesen.

Groß-Berlin

Ein entscheidender Zeitpunkt in der Geschichte Berlins spielt das Jahr 1920 als viele Orte und Städte nach Groß-Berlin eingemeindet wurden. So auch Lichtenrade, das damals dem Bezirk Tempelhof zugeordnet worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lichtenrade gerade einmal 4836 Einwohner_innen. Nach der Eingemeindung und dem Bau des unterirdischen Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammelkanals 1928/1929 wurden die Ackerflächen nach und nach bebaut. Im 20. Jahrhundert verlagerte sich das Ortszentrum von Lichtenrade vom Dorfanger zur Bahnhofsstraße hin. Die heutige Einkaufsstraße besticht durch die Vielzahl kleinerer Einzelhandelsgeschäfte. Hier ist es ein bisschen wie im Urlaub – es gibt alles, aber eben im kleineren Format. Eine wunderbare Alternative zu den großen Einkaufsmeilen der Metropole Berlin. In Lichtenrade ist der Langmut zuhause und ein Besuch lohnt sich zu allen Jahreszeiten. 2001 wurde Lichtenrade ein Stadtteil vom heutigen Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg.

Ein prominenter Sohn Lichtenrades ist der ehemalige Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, der von Juni 2001 bis Dezember 2014 die Geschicke der Stadt Berlin gelenkt hat.

Einwohner_innen: 49.721 (Stand: 31.12.2014)
Fläche: 10 km²