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Literatur des Schweigens

Pressemitteilung vom 17.09.2009

Maïssa Bey liest in der Stadtbibliothek Mitte

Am Freitag, 18.09.2009, um 20.00 Uhr liest die algerische Schriftstellerin Maïssa Bey in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek aus der Novelle „In allen Ehren“. Maïssa Bey , Jahrgang 1949, schreibt, weil sie mehr sein will als ein stumme, passive Zeugin eines Zeitgeschehens, dessen Gewaltsamkeit all ihre Sinne herausfordert. Dabei versteht sie sich nicht als politische Schriftstellerin, sondern als Beobachterin sozialer Geflechte, sozialer Missstände, an denen sie nicht vorbeischauen kann. Im Mittelpunkt vieler ihrer Romane und Erzählungen stehen Frauenschicksale, an den Rand der Gesellschaft gedrängte, misshandelte, zwangsverheiratete, verstoßene, um Liebe und Anerkennung suchen-de Frauen – einige fügen sich ihrem Schicksal, resignieren, gehen zugrunde, andere handeln, treten aus ihrem Schatten heraus, entwickeln ungeahnte Kräfte, um dem Unglück zu begegnen.
Maïssa Bey gibt all jenen Frauen eine Stimme, die angesichts einer gesetzlich verbrieften patriarchalischen Ordnung schweigen müssen.

In der Novelle „In allen Ehren“ erfahren wir den Schmerz einer Frau, ihren Ehemann mit einer Konkurrentin teilen zu müssen (noch heute erlaubt das algerische Familiengesetz einem Mann, vier Frauen zu ehelichen). Spannungsvoll stellt Bey den inneren Monolog gegen die eigene Ohnmacht. Die Ich-Erzählerin resigniert vor dieser patriarcha-lischen, vom Gesetz legitimierten Übermacht. Sie muss sich in die Bigamie fügen, sich arrangieren, um nicht verstoßen zu werden. Die weibliche Solidarität gerät in Gefahr. Nur ein kleiner Freiraum bleibt ihr, eine kleine List, um sich an ihrer Rivalin zu rächen…
Maïssa Bey ist Gast des internationalen literaturfestivals berlin2009.

In Kooperation mit dem deutsch-algerischen Kulturverein YEDD e.V.
Eintritt frei. Philipp-Schaeffer-Bibliothek 10119 Berlin, Brunnenstr. 181
Tel.: 9018 2 4411, E-Mail: schaeffer@stb-mitte.de
U-Bhf. Rosenthaler Platz; Tram M1, M8, 12; Bus 240