FAQ Kryptowährungen

Was ist unter dem Begriff „Kryptowährungen“ zu verstehen?

Als Kryptowährungen werden digitale Recheneinheiten bezeichnet, die genutzt werden können, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben oder Finanzmarktgeschäfte durchzuführen.

Im Gegensatz zu staatlichen Währungen gibt es hinter den Kryptowährungen kein Institutionengefüge (Staaten, Zentralbanken), das für deren Werthaltigkeit einsteht. Der Kurs von Kryptowährungen ist daher sehr schwankungsanfällig.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat Kryptowährungen als mit Devisen vergleichbare Rechnungseinheiten gemäß § 1 Abs. 11 Satz 1 Nr. 7 Kreditwesengesetz qualifiziert, die nicht auf gesetzliche Zahlungsmittel lauten.

Das erste öffentlich gehandelte und bekannteste Kryptogeld ist der in 2009 entwickelte Bitcoin. Einheiten dieser digitalen „Währung“ können durch das Lösen komplizierter Rechenfolgen mithilfe von spezieller Software hergestellt werden (sogenanntes „Mining“). Nach jedem erstellten Bitcoin wird die Rechenfolge komplizierter und es werden immer mehr Zeit, Strom und leistungsfähigere Computer benötigt, um einen Bitcoin zu erschaffen. Bitcoins können darüber hinaus auch auf Internet-Marktplätzen und Online-Börsen gegen staatliche Währungen wie Euro oder Dollar erworben werden.

Die Einheiten des Bitcoins werden auf Online-Plattformen (vergleichbar einem Depot) oder eigenen Speichervorrichtungen des Besitzers (Wallets) gehalten.

Nach dem Vorbild des Bitcoins existieren zwischenzeitlich zahlreiche weitere Kryptowährungen (wie z. B. Ethereum, Ripple, Dash oder Litecoin), die sich teilweise in ihren Eigenschaften (z. B. in der Ausgabeform oder der maximalen Menge) unterscheiden.

Kann durch das sogenannte "Mining" ein Gewerbetrieb begründet werden?

Das Mining und die Veräußerung der dadurch erzeugten digitalen Recheneinheiten können – je nach Umfang der Betätigung – einen nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerpflichtigen Gewerbebetrieb darstellen. Ab wann eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Von Bedeutung ist dabei insbesondere, ob die Tätigkeit mit einer gewissen Dauer und Professionalität betrieben wird.

Beim Bitcoin sind die Anforderungen an das Lösen der Rechenfolgen mittlerweile so kompliziert, dass das Mining nur noch mit erheblichem finanziellen Aufwand und professionellen Anlagen und Geräten (hochwertige Hard- und Software und hohe Stromkosten) möglich ist.

In diesen Fällen kann widerlegbar angenommen werden, dass das Mining den Umfang einer gewerblichen Tätigkeit erreicht hat.

Wie sind die im Rahmen des „Mining“ erhaltenen Transaktionsgebühren steuerlich zu behandeln?

Sofern die Mining-Tätigkeit als gewerblich einzustufen ist, zählen die erhaltenen Transaktionsgebühren zu den laufenden (steuerpflichtigen) Einnahmen aus Gewerbebetrieb.

Liegt keine gewerbliche Mining-Tätigkeit vor, unterfallen die eingenommenen Transaktionsgebühren den sonstigen Einkünften nach § 22 Nr. 3 EStG. Diese Einkünfte sind insgesamt einkommensteuerpflichtig, wenn sie im Kalenderjahr mindestens 256,- € betragen haben.

Unterliegen Erträge aus dem An- und Verkauf von Kryptowährungen der Abgeltungsteuer?

Kryptowährungen verkörpern keinen eigenen Wert (wie bspw. Aktien). Der Preis bestimmt sich allein aus Angebot und Nachfrage.

Aufgrund der fehlenden Eigenschaft als Wertpapier fallen Erträge aus der Veräuße-rung von Kryptowährungen nicht unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 2 EStG). Sie unterliegen somit auch nicht der Abgeltungsteuer (vgl. aber die Erläuterungen zur folgenden Frage).

Wie sind der Erwerb und die Veräußerung von Kryptowährungen durch Privatpersonen ertragsteuerlich zu behandeln?

Privatpersonen können durch den Verkauf von Kryptowährungen die Voraussetzungen für ein privates Veräußerungsgeschäft gemäß § 22 Nr. 2 EStG i. V. m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG erfüllen.

Die erzielten Gewinne (=positives Ergebnis aus Veräußerungspreis abzüglich der Anschaffungs- und Werbungskosten) sind einkommensteuerpflichtig, wenn

  • die Veräußerung der Kryptowährung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung erfolgt (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG)

und

  • der aus sämtlichen privaten Veräußerungsgeschäften eines Kalenderjahres erzielte Gesamtgewinn mindestens 600,- € beträgt (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG).

Dabei ist zu beachten, dass eine Veräußerung der Kryptowährung auch dann vor-liegt, wenn damit andere Kryptowährungen, Waren oder Dienstleistungen eingetauscht werden (etwa durch die Bezahlung mit Kryptowährung in einem Restaurant). Der Veräußerungspreis bemisst sich in diesem Fall nach dem gemeinen Wert (Marktpreis) der erhaltenen Ware / Dienstleistung bzw. dem in Euro lautenden Kurs der eingetauschten anderen Kryptowährung.

Werden mehrere Kryptowährungsbeträge zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft und zusammen in einem „Depot“ bzw. einer Wallet gehalten, ist für die Berechnung der einjährigen Veräußerungsfrist die sogenannte FIFO-Methode (First In – First Out) anzuwenden, d. h. die zuerst angeschafften Beträge gelten als zuerst veräußert.

Maßgebend für die Fristberechnung ist das Datum der jeweiligen schuldrechtlichen Vereinbarung (Vertragsabschluss) und nicht die Lieferung der Kryptowährung.

Auf welche Weise muss der Erwerb und die Veräußerung von Kryptowährungen durch Privatpersonen dem Finanzamt erklärt werden?

Sofern Privatpersonen nach den o. g. Grundsätzen steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte getätigt haben, sind sie verpflichtet, die Gewinne für jedes Kalenderjahr eigenständig zu ermitteln und im Rahmen der jährlichen Einkommen-steuererklärung (auf der Anlage SO) anzugeben.

Welche Belege müssen dem Finanzamt ggf. vorgelegt werden?

Bei der Offenlegung eines steuerlichen Sachverhaltes sind die beteiligten Personen zur Mitwirkung verpflichtet (§ 90 Abgabenordnung – AO). Hierzu zählt u. a. die Pflicht zur Vorlage von Beweismitteln, mit denen die Angaben in der Steuererklärung belegt werden. Können nach einer Aufforderung durch das Finanzamt keine entsprechenden Nachweise oder Aufzeichnungen erbracht werden, ist das Finanzamt berechtigt, die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen (§ 162 AO).

Es ist daher ratsam, sämtliche Erwerbs-, Veräußerungs- bzw. Tauschvorgänge im Zusammenhang mit Kryptowährungen einzeln und zeitnah aufzuzeichnen und – soweit möglich – geeignete Unterlagen (z. B. Kontoauszüge, Rechnungen, E-Mail-Verkehr, Bestätigungen der Online-Plattformen o. ä.) bereitzuhalten.

Wie werden Kryptowährungen im Rahmen der Gewinnermittlung eines Unternehmens erfasst?

Kryptowährungen, die im Rahmen einer gewerblichen oder selbständigen Tätigkeit erworben werden (z. B. durch Entgegennahme als Zahlungsmittel), gehören zum Betriebsvermögen (grundsätzlich Umlaufvermögen).

Sie sind mit den Anschaffungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG, § 255 Abs. 1 Handelsgesetzbuch) zu bewerten. Zu den Anschaffungskosten gehören – neben dem Kaufpreis – auch die Anschaffungsnebenkosten (z. B. Transaktionsgebühren). Bei Entgegennahme im Wege eines Tausches bemessen sich die Anschaffungskosten gemäß § 6 Abs. 6 Satz 1 EStG nach dem gemeinen Wert (Marktpreis) der hingegebenen Ware bzw. Dienstleistung.

Nach dem Erwerb eintretende Wertveränderungen bei der Kryptowährung werden (ohne zeitliche Beschränkung) grundsätzlich im Zeitpunkt des Abgangs aus dem Betriebsvermögen (insbesondere durch Veräußerung, Tausch oder Entnahme) gewinnwirksam.

Ist die Veräußerung, der Tausch oder das „Mining“ von Kryptowährungen umsatzsteuerpflichtig?

Mit Schreiben vom 27.02.2018 (BStBl I S. 316) hat das Bundesministerium der Finanzen zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Bitcoin und anderen virtuellen Währungen Stellung genommen.

Danach ist der Umtausch von Kryptowährungen in eine konventionelle (gesetzliche) Währung und umgekehrt nach § 4 Nr. 8 Buchst. b Umsatzsteuergesetz umsatzsteuerfrei.

Die Verwendung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel wird aus umsatzsteuerlicher Sicht der Verwendung von konventionellen Zahlungsmitteln gleichgesetzt, soweit sie keinem anderen Zweck dienen. Die Hingabe von Kryptowährungen zur bloßen Entgeltentrichtung ist damit nicht umsatzsteuerbar.

Beim „Mining“ handelt es sich ebenfalls um einen nicht umsatzsteuerbaren Vorgang. Das gilt sowohl für die hierdurch erhaltenen Kryptowährungseinheiten, als auch für die gutgeschriebenen Transaktionsgebühren.

Schenkung-/Erbschaftsteuer

Falls Kryptowährungen verschenkt oder geerbt werden, gehören diese beim Empfänger zum steuerpflichtigen Erwerb (§ 10 Erbschaftsteuergesetz – ErbStG). Der Wert dieses Erwerbs bemisst sich nach dem Marktpreis der Kryptowährung (gemeiner Wert, § 9 Bewertungsgesetz). Sie sind Finanzmittel im Sinne von § 13b ErbStG und gehören zum Verwaltungsvermögen.