Berlin wächst an Bevölkerung, wirtschaftlicher Stärke und Attraktivität für Talente aus der ganzen Welt. Neben den großen Chancen bringt dieses Wachstum aber auch besondere Herausforderungen für die Stadt mit sich, weil die soziale und die Verkehrsinfrastruktur ebenfalls mitwachsen müssen. Welchen besonderen Spagat die Stadtentwicklungspolitik angesichts der unverändert schwierigen Haushaltslage des Landes meistern muss, war Thema einer Podiumsdiskussion der Architektenkammer Berlin (AK) am Mittwochabend in der Urania.
Im Gespräch mit Christine Edmaier, der Präsidentin der AK, und Bärbel Winkler-Kühlken, AK-Vorstandsmitglied, ging Senator Matthias Kollatz-Ahnen auf eine Bandbreite von Themen ein. Die neue Liegenschaftspolitik Berlins wurde ebenso erörtert wie die Frage, wie künftig mit Liegenschaften des Bundes zu verfahren sei. Kollatz-Ahnen beschrieb am Beispiel des Dragoner-Areals die Verhandlungen mit dem Bund, hier insbesondere der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), und den anderen Bundesländern. Er kündigte an: “Wenn kein Ergebnis erzielt werden kann, wird das Land Berlin einen Änderungsantrag zum BImA-Gesetz einbringen. Denn hier geht die Liegenschaftspolitik des Bundes an der Notwendigkeit vieler Städte vorbei, preiswerten Wohnraum und soziale Infrastrukturen wie Krankenhäuser für neue Einwohnerinnen und Einwohner zu schaffen. Es ist Zeit, dies zu ändern, damit künftig nicht mehr nach dem Höchstpreisprinzip veräußert wird. Nur so kann der Gestaltungsspielraum für wachsende Kommunen gewahrt werden.”
Moderiert von Tagesspiegel-Redakteur Gerd Nowakowski widmete sich das Gespräch weiterhin Themen wie der Wohnraumförderung für Menschen mit geringem Einkommen und den dringend erforderlichen Investitionen in Neubau ebenso wie in andere zentrale Sektoren, nämlich Schulen, Kitas und öffentlicher Nahverkehr. Außerdem wurde über die Erfahrungen mit modularer Bauweise diskutiert und nach der Kosteneffizienz öffentlich-privater Partnerschaften gefragt.
Die Diskussion war Teil der Veranstaltungsreihe “Stadt im Gespräch”, einer Kooperation von Urania, Tagesspiegel und Architektenkammer Berlin.