Die Arbeit 1064 interpretiert den Checkpoint Charlie als „Referenzraum“ und offene Bühne der Stadtgeschichte, der an die frühere von Leere, Kontrolle und Konfrontation geprägte Atmosphäre des Raumes anknüpft und Elemente der historischen Grenzinfrastruktur zitiert und neu interpretiert. Die Stärke des Entwurfs sieht das Preisgericht in der Idee, den Entwurf auf die Dimension des Lichtes zu gründen und hohe Lichtmasten als raumbildendes Element zur Strukturierung des leeren, offen gehaltenen Platzraumes zu nutzen. Dies lässt ein eindrucksvolles immersives Raumerlebnis erwarten, das den Besucher:innen einen räumlichen und leiblichen Zugang zum historischen Ort eröffnet und so – wohl abhängig von der Tageslichtsituation – seine Kraft entfaltet. Die Evokation von Leere und Kälte wird also in ihrer Wirkung als reizvoll angesehen. Gleichzeitig wird befürchtet, dass der Platz so keine Aufenthaltsqualität entfalten wird. Kritisch wird auch die Wirkung des Lichtes auf die Anwohner:innen
gesehen.
Insgesamt erscheinen die Ausstellungselemente noch als wenig ausformuliert und bleiben meistens allgemein. Die unterschiedlichen Funktionen der Lichtmasten mit Vernebelung, Träger von Audio- und Videoelementen und Projektionen werden kaum ausformuliert. Dies gilt ebenso für die Bespielung der Brandwände. Der mit den geplanten Projektionen verbundene jahreszeitliche sowie der Tag- und Nachtbetrieb wird vom PG als herausfordernd bewertet. Die Lichtmasten enthalten gleichzeitig technische Ungereimtheiten, wie etwa die Unterbringung von Nebeldüsen, die nur eingeschränkt möglich erscheinen.
Allgemein ist auch die Bespielung des Infopavillons gehalten, nämlich als digital bespielbarer Vermittlungsort mit wechselnden Videoausstellungen zur Einordnung des Kalten Krieges in den globalen Kontext. Der Ansatz, weitere inhaltliche Dimensionen in Form eines „Parcour der ikonischen Bilder“ verbunden mit Audioelementen entlang der Zimmerstraße anzuordnen, um so den Platz zu entlasten und seinen installativen Charakter zu betonen, wird grundsätzlich positiv gewürdigt, wenngleich der Entwurf nicht nachweisen kann, dass sich die Rezeption von Großfotos und Audioformaten mit dem zu erwartenden Fuß- und Fahrradverkehr und Fahrradabstellplätzen in der Zimmerstraße verträgt. Es ist offensichtlich, dass die Fläche in der Zimmerstraße anders belegt ist. Dass also dieser Raum als zentrale Informationsfläche ausgewiesen wird, provoziert erhebliche Probleme für den Verkehr. Auch die Kombination aus Sitzbänken und darüber angeordneten Ausstellungsflächen wird als problematisch angesehen.
Der Pavillon überzeugt in seiner Ausformulierung, sowohl in der Platzierung als auch in der Gestaltung, nicht vollumfänglich. Gleichwohl wurden die Begehbarkeit und die entstehende Treppensituation als positiv für die Aufenthaltsqualität gewertet.
Das Begrünungskonzept, das sich lediglich auf die Ränder und auf wenige Flächen konzentriert, wird als sehr zurückhaltend angesehen, wenngleich dies in Hinsicht auf die Betonung der Leere konzeptuell nachvollziehbar ist. Es ist gerade in den Sommermonaten mit einer hohen Wärmebelastung zu rechnen.
Die Planung erscheint aus wirtschaftlicher Perspektive im Bereich der Freianlagen abbildbar. Die Pflegekosten der Grünstrukturen werden als eher gering eingestuft und die Unterhaltungskosten befinden sich in einem tendenziell mäßigen Rahmen. Die Kosten für das Regenwassermanagement werden als eher gering aber nicht aussagekräftig bewertet. Die ausschlaggebenden Kosten für den großvolumigen Bodenaustausch für Dränbeton sind in der Kostenschätzung nicht nachvollziehbar dargestellt. Versickerung und Entwässerungskonzeption sind sehr durchdacht und leistungsfähig, gleichzeitig sehr technisch und lassen einen hohen Wartungsbedarf erwarten.
Insgesamt wird die Arbeit als ein sehr wertvoller, im konzeptuellen Ansatz präziser und klarer Beitrag, dessen Stärke in der atmosphärischen Verdichtung und der multisensorischen Erfahrbarkeit des Raumes liegt, bewertet. Das Platzieren der Ausstellungselemente an den Rändern inklusive der Grünflächen hingegen wirft hingegen verschiedene Probleme auf, die der Entwurf nicht immer gelöst hat.