3. Preis im Wettbewerb

3. Preis: 12.000,00 €

Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
Verfasser: Prof. Jürgen Weidinger

Mitarbeitende: Dipl. Ing. Gouhou Li, Pauline Matzinger

Wandel Lorch Götze Wach GmbH, Frankfurt am Main
Verfasser: Prof. Andrea Wandel, Prof. Wolfgang Lorch,
Florian Götze, Thomas Wach
Mitarbeitende: Cansu Rueß, Quang Anh Bui

Sonderfachleute/Berater*innen:
Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin – Verkehrsplanung,
Dipl.-Ing. Ralf Baumann

  • Beurteilung durch die Jury

    Die Arbeit 1056 setzt auf die Spannung zwischen Leere und Dichte, Transit und Aufenthalt, Offenheit und Geschlossenheit und setzt diese konsequent räumlich in Form eines zentralen, offenen Transitraums und zweier flankierender Baumhaine um.

    Der Baumhain als qualitativer Aufenthalts- und Rückzugsort findet sehr großen Anklang. Er leistet einen reellen Beitrag zum Stadtklima, wird aber in seiner genauen Ausformulierung als nicht ganz klar kritisiert, vor allem in der Art wie Spuren teilweise integriert und teilweise außen vorgelassen werden.

    Der Transitraum als helle, leere Fläche im Kontrast vermittelt die Historische Leerstelle und wird neuer Treff- und Referenzpunkt des Checkpoint Charlie. Das Relief als Stacheldraht im Boden des Transitraums findet nicht allgemeines Verständnis – die Geste eines Reliefs im Belag als vermittelndes Element wird jedoch begrüßt.

    Den hohen Glaswänden mit den großflächigen Fotografien, die den Transitraum flankieren, wird eine Kraft zugesprochen, ihre Transparenz und damit Überlagerung der Baumstämme und Silhouetten im Baumhain erzeugen vielfältige Bilder und ein sinnliches Erleben, das Erinnerung und Geschichte spannungsvoll vermitteln. Gleichzeitig wird Glas als Trägermaterial als negativ und nicht barrierefrei (behindertengerecht) hervor- gehoben. Auch die Idee, die Fotos als Rasterprints auf das Glas zu bringen wird als schwer lesbar und kaum umsetzbar gewertet.

    Die Silhouetten werden kritisch diskutiert und nicht einheitlich positiv gesehen. Einerseits seien sie als direkte Übersetzung aus den Photographien schwer zu verstehen andererseits kann die Überlagerung mit den Fotos der Glaswände Erkenntnis und Aha-Effekt herbeiführen.

    Das Versteckte der Silhouetten im Baumhain, die Darstellung von Menschen und die Geschichte dahinter bringen interessante Aspekte in das Ausstellungskonzept. Insgesamt wird das Ausstellungskonzept jedoch als zu starr und festgelegt kritisiert. Es lässt zu wenig Anpassung und Einarbeitung von neuen Erkenntnissen zu.

    Der Pavillon wird typologisch als runder Kiosk beschrieben und in dem Baumhain positioniert. Lage und Form werden kritisch bewertet. Soll er als Kiosk funktionieren, dann wird er eher zentral auf dem Platz gesehen und nicht im Baumhain. Seine Medien-Zeitungsfassade wird als spannendes und andersartiges Element gewürdigt, dessen Umsetzung aber auch bezweifelt. Der Pavillon erscheint nicht zu Ende gedacht, auch weil das Erleben von Innen nicht überzeugt und die Flexibilität der Fassade für die Ausstellung nicht gegeben ist.

    Das Baumkonzept, welches auf die globale West-Ost Dimension des Kalten Krieges anspielt, wird als positiv gewürdigt. Die einzelnen vorgeschlagenen Baumarten überzeugen innerhalb des Konzeptes nicht ganz.

    Der Checkpoint Charlie war eine riesige Leerstelle in der Friedrichstadt. Die heutigen Brandwände der Mauerstraße und Schützenstraße definieren heute noch einen Teil dieser Leere, nicht ihre gesamte Dimension. Es wird von Seiten des Denkmalschutzes bemängelt, dass die Baumhaine, diese Leere auffüllen und weder die Brandwände noch die Leere erfahrbar machen.

    Eine barrierefreie Führung in den Straßenräumen fehlt. So ist die Laufrichtung aus der Zimmerstraße nicht definiert. Sehbehinderte Menschen laufen Gefahr mit den Glaswänden zu kollidieren, welche hier bis in den Gehweg hinein platziert sind und als Glaswände schwer erkennbar. Das Relief des Stacheldrahts birgt Schwierigkeiten in der Überlagerung mit den Fahrbahnen der Friedrichstraße.

    Die Planung erscheint aus wirtschaftlicher Perspektive im Bereich der Freianlagen abbildbar. Die Pflegekosten der Grünstrukturen werden als eher gering eingestuft und die Unterhaltungskosten befinden sich in einem tendenziell aufwändigeren Rahmen. Die Unterhaltung der großflächigen wassergebundenen Decke wird als sehr schwierig erachtet. Die Kombination aus wassergebundener Decke und technischer Versickerung wird wartungstechnisch als zu aufwendig eingeschätzt, wobei eine Versickerung bei dem zu erwartenden Nutzungsdruck und der damit einhergehenden Verdichtung des Belags generell angezweifelt wird. Die Kosten für das Regenwassermanagement werden als eher hoch und nicht vollständig dargestellt bewertet.

    Die Realisierung der Ausstellung mit Informationspavillon innerhalb der Kostenobergrenze erscheint gut realisierbar.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen absolut wertvollen Beitrag dar und überzeugt durch einen eigenen, starken Ansatz, der räumlich und in seiner Umsetzung realistisch ist. Die Geste der Überspitzung des Kontrastes zwischen Leere und Dichte überzeugt das Preisgericht städtebaulich, landschaftsarchitektonisch und historisch erzählend wie auch Ausstellungskonzeptionell und hebt ihn deutlich von den anderen Arbeiten ab. In diesem Kontrast, dieser Dualität wird ein Potential gesehen, das die historische Dimension und den Auftrag der Bildung eines Erinnerungsortes mit dem Bedürfnis eines Stadtraumes zusammenzubringen.

  • 3. Preis Perspektive

    Perspektive

  • 3. Preis Lageplan

    Lageplan

  • 3. Preis Plan 1

    Präsentationsplan 1

  • 3. Preis Plan 2

    Präsentationsplan 2

  • 3. Preis Plan 3

    Präsentationsplan 3

  • 3. Preis Plan 4

    Präsentationsplan 4

Kontakt

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe