Die horizontal gelagerte Komposition des Brücke-Museums wird nicht im Duktus des Bestandes behutsam erweitert und fortgeschrieben, sondern im Südwesten um ein kompaktes, freistehendes quadratisches Volumen von stattlicher Größe und Höhe ergänzt. Der neue Museumsbaustein schafft damit ein neues Gravitätszentrum und ein Gegengewicht zu der kubischen Masse des monumentalen Kunsthauses.
Anstelle der Zergliederung des Raumprogramms in unterschiedliche Volumina gibt es die eine sehr dezidierte Geste. Statt Unterordnung unter das Baudenkmal wird das bestehende Museum um einen kraftvollen Baustein ergänzt, der die Beziehung zwischen dem Brücke-Museum und dem ehemaligen Breker Atelier neu definiert. Durch die Konzentration der Neubaumasse in einem Baukörper bleibt das historische Museum dreiseitig freigestellt und bleiben die für den Bau so wichtigen Ansichten und Beziehungen zum umgehenden Landschaftsraum unverstellt.
Die selbstbewusste Ergänzung wurde im Preisgericht intensiv und kontrovers diskutiert, doch dürfte insgesamt die Erweiterung in dieser Form zu einer Überprägung des Bestandes führen. Die gewählte dezidierte Museumstypologie und die Höhe und Massigkeit des Neubaus sind aus Sicht des Preisgerichts eine unpassende Antwort auf die spezifische Eigenheit des Ortes wie der Aufgabenstellung.
Mit der Eleganz seiner Durchbildung und der sorgfältigen Proportionierung ist der Neubau dennoch ein bemerkenswertes Architekturstück der Gegenwart. In seiner Typologie, den Materialen und Motiven nimmt er reflektiert Bezug auf die (Museums-) Architektur der 1960er Jahre. Insbesondere verweist der schwebend anmutende abstrakte Körper über einem verglasten Erdgeschoss auf Werner Düttmanns Akademie der Künste am Hanseatenweg.
Das anspruchsvolle Raumprogramm wird selbstverständlich und schlüssig organisiert. Im Erdgeschoss sind das Café und die Vermittlung in einem offenen Raumkontinuum leicht zugänglich angeordnet und auf den Zwischenraum zwischen Brücke-Museum und Kunsthaus orientiert. Auf der Westseite zum Teich hin ist die Verwaltung in zweiter Reihe aber dennoch zentral angeordnet. Eine repräsentative Treppe führt vom Foyer in den Wechselausstellungsbereich im Obergeschoss. Um einen zentralen offenen Skulpturenhof sind gut proportionierte Galerien in einem geschlossenen Rundgang angeordnet, die nach den jeweiligen Erfordernissen als fließender Raum, als klassische Galerien oder Kompartimente freier Wahl gegliedert werden können. Vollflächige Lichtdecken ohne Tageslichtanteile sind eine gleichermaßen wirtschaftliche wie technisch flexible Lösung. Zwei großformatige Fenster inszenieren Ausblicke nach Norden und Süden.
Im Untergeschoss sind die Bibliothek, Besucher-WCs, das Depot und weitere Funktionsräume des „Back of house“ über den zentralen Erschließungskern gut angebunden.
Der Übergang zum Bestand erfolgt im Erdgeschoss auf kurzem Weg und lapidar vom historischen Foyer aus. Das Materialkonzept folgt in seinen Grundzügen mit Beton und geputzten weißen Wänden dem historischen Bau und setzt dennoch punktuell mit schwarzen Ziegeln, Holzdielen und Streckmetalldecken eigene Akzente.
Denkmalfachlich wird der Beitrag als nicht adäquate Antwort auf das Ensemble von Brücke-Museum und Kunsthaus Dahlem bewertet. Größe als auch Ausdruck zerstören die Charakteristika des Ortes.
Dieser Entwurf berücksichtigt die Aspekte des nachhaltigen Bauens. Der Baukörper ist kompakt und setzt mit einem geringen Fensterflächenanteil in Ost/West-Richtung gezielt Öffnungen für einen Außenbezug. Eine formale Gebäudeintegration der Photovoltaik-Flächen ist nicht vorhanden. Die potenzielle PV-Fläche ist mäßig, daraus ergibt sich eine mittlere Energiebedarfsdeckung.
Der reduzierte, also zurückhaltend gestaltete Umgang mit dem Freiraum wird positiv bewertet. Die Neupflanzung von Bäumen wird dezidiert ausgewiesen. Der Zwischenraum zum Kunsthaus wird durch Plattenbeläge und wassergebundene Flächen im Sinne der aktiveren Nutzbarkeit ausgestaltet. Die vorgesehenen Neupflanzungen könnten mehr Identität entwickeln.
Insgesamt wird der Entwurf kontrovers diskutiert. Denn auch wenn es einerseits gelingt, die funktionalen Anforderungen sehr gut zu erfüllen, so wird die Wirkmächtigkeit des Neubaus als Teil des Ensembles als entschieden zu dominant empfunden und der Sensibilität des Ortes schlussendlich nicht hinreichend gerecht.