Der Entwurf für den Erweiterungsbau des Brücke-Museums positioniert einen in fünf gegeneinander verschobene Kuben gegliederten Baukörper als Riegel im westlichen rückwärtigen Grundstücksbereich. Die städtebauliche Setzung überzeugt insbesondere durch ihre maßvolle Körnung, die angemessene Proportionierung und den vergleichsweisen geringen Fußabdruck des Neubaus.
Auch die innere Organisation des Neubaus wird in wesentlichen Punkten positiv beurteilt. Die klare strukturelle Gliederung sowie das frei zugängliche und offen gestaltete Erdgeschoss werden als besondere Qualitäten hervorgehoben. Die Anordnung von Café, Vermittlungsbereich und Bibliothek erscheint schlüssig und unterstützt die angestrebte Öffnung des Hauses zum öffentlichen Raum.
Kritisch diskutiert wird hingegen die Lage des Ausstellungsbereichs im Untergeschoss. Die Besuchenden werden über eine Treppenanlage aus dem Foyer des Bestandsgebäudes in ein als Aktionsraum nutzbares Foyer im Untergeschoss geführt. Angesichts der herausragenden Bedeutung der Ausstellung der zentralen und identitätsstiftenden Nutzung des Museums erscheint diese Verortung jedoch nicht angemessen. Die Jury sieht hierin eine wesentliche Schwäche des Entwurfs. Auch die teilweise Zweigeschossigkeit des Ausstellungsbereichs wird im Hinblick auf ihre räumliche und funktionale Angemessenheit kontrovers diskutiert.
Die vorgeschlagene Materialität mit tragenden monolithischen Stampflehmwänden im Erdgeschoss wird grundsätzlich als überzeugend und dem Ort angemessen eingeschätzt. Sie verleiht dem Neubau eine eigenständige architektonische Identität und unterstreicht dessen materielle Präsenz. Demgegenüber wird die großflächige Verglasung in Ost-West-Ausrichtung kritisch beurteilt. Insbesondere fehlt ein überzeugendes Konzept für den konstruktiven, baulichen Sonnenschutz.
Die denkmalfachlichen Belange werden – soweit im Verfahren möglich – grundsätzlich berücksichtigt. Ausnahme hiervon sind die hochkritischen Eingriffe ins Foyer, die den intimen Charakter gänzlich zerstören.
Der Entwurf berücksichtigt die Kriterien des nachhaltigen Bauens weniger. Der hohe Fensterflächenanteil in Ost/West-Richtung in Kombination mit einem mäßigen Sonnenschutzkonzept und einer ungünstigen Zonierung der hochkonditionierten Räume (Ausstellung/Bibliothek) wird zu einer hohen thermischen Last führen, was einen erhöhten Energiebedarf bedingt.
Das Freiraumkonzept respektiert den Bestand weitgehend. Die vorgeschlagene Verdichtung der Nutzung ist einfach und gut gelöst, Brücke Garten – Caféterrasse – Lesebereich; die Erschließung ist jedoch zu engmaschig.
In der Gesamtschau überzeugt der Entwurf durch seine städtebauliche Setzung und seine angemessene Maßstäblichkeit. Wesentliche Fragen hinsichtlich der räumlichen Bedeutung und Verortung der Ausstellungsflächen sowie des klimatischen und konstruktiven Umgangs mit der großflächigen Verglasung – auch zum Schutz der Kunst – bleiben jedoch offen.