Die Arbeit bringt das Haus für bildende und darstellende Künste zur Stralauer Straße hin mit einer Reihe von vier individuell gestalteten Fassaden zur Ansicht. Mit dieser Kleinteiligkeit sucht der Beitrag die Integration in das neue Quartier am Molkenmarkt, im Hinblick auf die geplanten Nutzungen werden diese Kleinteiligkeit und der hohe formale Aufwand allerdings auch kontrovers diskutiert. Unabhängig davon würdigt das Preisgericht die guten Proportionen und eine sorgfältige Durcharbeitung der Fassaden, die mit überhohen Fenstern und zwei geschlossenen Teilflächen recht selbstverständlich auf die kulturellen Nutzungen reagieren. Kritisch wird allerdings der Auftritt zum Stadtplatz gesehen: die großflächig verglasten nahezu quadratischen Fensteröffnungen einer kräftigen, nicht profilierten Gitterstruktur geben dem Gebäude am Stadtplatz einen unangemessen repräsentativen Ausdruck, der auch im Kontext der gegenüberliegenden, parzellierten Struktur überzogen wirkt; auch
bauphysikalisch ist der sehr hohe Glasanteil problematisch. Das betrifft auch das Obergeschoß der Kolonnade am Stadtplatz.
Der geschlossene Giebel als Gegenüber des Alten Stadthauses wird hinterfragt. Die anschließenden geschlossenen Wandflächen am Durchgang zum Stadtplatz sind gestalterisch gut, schränken aber mögliche Nutzungen der dahinterliegenden Räume ein.
Mit einem zentralen Foyer zwischen Platz und Stralauer Straße, das von einer jeweils einläufigen Treppe vom Keller bis ins oberste Geschoß charakterisiert wird, gelingt eine schöne, wenngleich aufwendige Erschließung, die mit Durchblicken zwischen den Ebenen sämtliche Nutzungen sehr gut zusammenführt. Dabei wird die Präsenz der archäologischen Funde an beiden Enden des Garderobengangs im Untergeschoß besonders gewürdigt. Sowohl vom Platz als auch vom Foyer aus werden die Funde sichtbar, so dass auf separate Zugänge zur Archäologie ggf. sogar verzichtet werden könnte. Eine Aufzugsunterfahrt im Bereich der Funde sollte vermieden werden, Stützen (im Entwurf nicht dargestellt) sollten auf ein Minimum reduziert werden.
Im Erdgeschoss wären Grundrisse beiden Kopfbauten A6 und A8 im Hinblick auf gewerbliche Nutzungen zu optimieren. Sehr gut ist im Hinblick auf mögliche Ateliers die Anordnung der Drittnutzer über die gesamte Gebäudelänge im 1.OG. Generell eröffnet die rationale Gebäudestruktur mit einem weitgehend gleichmäßigen, konstruktiven Raster gute Perspektiven auch für künftige Nutzungsanpassungen.
Für die Nutzungen im obersten Geschoß stellt die Integration notwendiger technischer Anlagen innerhalb der zulässigen Gesamthöhe eine Herausforderung, Technikflächen sind bisher nicht ausgewiesen. Der Veranstaltungsraum über den Ausstellungsräumen liegt im Grundriss gut; vollständig innerhalb der geschlossenen Dachflächen wird der Raum aber leider ausschließlich von oben belichtet.
Hinsichtlich der Baukosten liegt die Arbeit im mittleren Bereich. Die klare Geometrie des Tragwerks begünstigt die vorgeschlagene Tragwerkslösung mit Holz-Verbunddecken, auch wenn u.a. die Schiefwinkligkeit des Grundstücks dabei zu erhöhten Aufwendungen führen wird.
Der Beitrag ist vor allem nach außen zur Stralauer Straße hin in seiner Kleinteiligkeit im Rahmen der Leitlinien konsequent. Dennoch bleibt das hier gezeigte stringente Konzept für Konstruktion und Erschließung im Hinblick auf mögliche künftige Veränderungen des Nutzungsspektrums erfreulich robust. Dass die unterschiedlichen Nutzungen in der gemeinsamen Erschließung zusammenfinden, wird als eine besondere Qualität gewürdigt.
Hinweise der Sachverständigen:
Der Entwurf stellt eine flächeneffiziente Lösung dar. Die Fassadengestaltung lässt im Vergleich des Teilnehmendenfeldes (auf Grund hohen Putzanteils und der klaren Gliederung) unterdurchschnittliche Fassadenkosten erwarten, jedoch wird der Kostenrahmen ca. 28% überschritten.
Die Wirtschaftlichkeit einzelner Bauteile und Materialien ist (insbesondere im Zusammenhang mit brandschutzrechtlichen und bauphysikalischen Anforderungen) im Falle der Realisierung zu prüfen.