Los 4

1. Preis / 4. Rang Los 5: 56.000 Euro

Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbH, Berlin
Verfassende: Sölvi Ledererer, Jórunn Ragnarsdóttir

Baumschlager Eberle Architekten, Berlin
Verfassende: Prof. Gerd Jäger
Mitarbeitende: Edoardo Stefano Comotti, Sameh Zayed,
Wolfram Belz, Miroslav Gaydarksi

  • Beurteilung durch die Jury

    Die Arbeit bringt das Haus für bildende und darstellende Künste zur Stralauer Straße hin mit einer Reihe von vier individuell gestalteten Fassaden zur Ansicht. Mit dieser Kleinteiligkeit sucht der Beitrag die Integration in das neue Quartier am Molkenmarkt, im Hinblick auf die geplanten Nutzungen werden diese Kleinteiligkeit und der hohe formale Aufwand allerdings auch kontrovers diskutiert. Unabhängig davon würdigt das Preisgericht die guten Proportionen und eine sorgfältige Durcharbeitung der Fassaden, die mit überhohen Fenstern und zwei geschlossenen Teilflächen recht selbstverständlich auf die kulturellen Nutzungen reagieren. Kritisch wird allerdings der Auftritt zum Stadtplatz gesehen: die großflächig verglasten nahezu quadratischen Fensteröffnungen einer kräftigen, nicht profilierten Gitterstruktur geben dem Gebäude am Stadtplatz einen unangemessen repräsentativen Ausdruck, der auch im Kontext der gegenüberliegenden, parzellierten Struktur überzogen wirkt; auch bauphysikalisch ist der sehr hohe Glasanteil problematisch. Das betrifft auch das Obergeschoß der Kolonnade am Stadtplatz.

    Der geschlossene Giebel als Gegenüber des Alten Stadthauses wird hinterfragt. Die anschließenden geschlossenen Wandflächen am Durchgang zum Stadtplatz sind gestalterisch gut, schränken aber mögliche Nutzungen der dahinterliegenden Räume ein.

    Mit einem zentralen Foyer zwischen Platz und Stralauer Straße, das von einer jeweils einläufigen Treppe vom Keller bis ins oberste Geschoß charakterisiert wird, gelingt eine schöne, wenngleich aufwendige Erschließung, die mit Durchblicken zwischen den Ebenen sämtliche Nutzungen sehr gut zusammenführt. Dabei wird die Präsenz der archäologischen Funde an beiden Enden des Garderobengangs im Untergeschoß besonders gewürdigt. Sowohl vom Platz als auch vom Foyer aus werden die Funde sichtbar, so dass auf separate Zugänge zur Archäologie ggf. sogar verzichtet werden könnte. Eine Aufzugsunterfahrt im Bereich der Funde sollte vermieden werden, Stützen (im Entwurf nicht dargestellt) sollten auf ein Minimum reduziert werden.

    Im Erdgeschoss wären Grundrisse beiden Kopfbauten A6 und A8 im Hinblick auf gewerbliche Nutzungen zu optimieren. Sehr gut ist im Hinblick auf mögliche Ateliers die Anordnung der Drittnutzer über die gesamte Gebäudelänge im 1.OG. Generell eröffnet die rationale Gebäudestruktur mit einem weitgehend gleichmäßigen, konstruktiven Raster gute Perspektiven auch für künftige Nutzungsanpassungen.

    Für die Nutzungen im obersten Geschoß stellt die Integration notwendiger technischer Anlagen innerhalb der zulässigen Gesamthöhe eine Herausforderung, Technikflächen sind bisher nicht ausgewiesen. Der Veranstaltungsraum über den Ausstellungsräumen liegt im Grundriss gut; vollständig innerhalb der geschlossenen Dachflächen wird der Raum aber leider ausschließlich von oben belichtet.

    Hinsichtlich der Baukosten liegt die Arbeit im mittleren Bereich. Die klare Geometrie des Tragwerks begünstigt die vorgeschlagene Tragwerkslösung mit Holz-Verbunddecken, auch wenn u.a. die Schiefwinkligkeit des Grundstücks dabei zu erhöhten Aufwendungen führen wird.

    Der Beitrag ist vor allem nach außen zur Stralauer Straße hin in seiner Kleinteiligkeit im Rahmen der Leitlinien konsequent. Dennoch bleibt das hier gezeigte stringente Konzept für Konstruktion und Erschließung im Hinblick auf mögliche künftige Veränderungen des Nutzungsspektrums erfreulich robust. Dass die unterschiedlichen Nutzungen in der gemeinsamen Erschließung zusammenfinden, wird als eine besondere Qualität gewürdigt.

    Hinweise der Sachverständigen:
    Der Entwurf stellt eine flächeneffiziente Lösung dar. Die Fassadengestaltung lässt im Vergleich des Teilnehmendenfeldes (auf Grund hohen Putzanteils und der klaren Gliederung) unterdurchschnittliche Fassadenkosten erwarten, jedoch wird der Kostenrahmen ca. 28% überschritten.
    Die Wirtschaftlichkeit einzelner Bauteile und Materialien ist (insbesondere im Zusammenhang mit brandschutzrechtlichen und bauphysikalischen Anforderungen) im Falle der Realisierung zu prüfen.

  • Los 4 1. Preis Lageplan

    Lageplan

  • Los 4 1. Preis Perspektive

    Perspektive

  • Los 4 1. Preis EG

    Grundriss EG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis RG

    Grundriss Regelgeschoss Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis OG1

    Grundriss OG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis Ansicht Nord Stadtplatz

    Ansichten Nord Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis Ansicht Ost

    Ansichten Ost Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis Ansicht Sued

    Ansichten Süd Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 1. Preis Ansicht West

    Ansichten West Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

2. Preis: 34.000 Euro

Caruso St John Architects, Berlin
Verfassende: Peter St John
Mitarbeitende: Simon Höbel, Ben Speltz, Gabe Brown

Fachberatende:
wh-p Ingenieure / Martin Stumpf (Tragwerksplanung)
Drees & Sommer / David Schenke, Sandra Beindressler, Lea Peglow, Ralph Valtinke
(Energiedesign, Haustechnik, Fassadenplanung, Brandschutz, Nachhaltigkeit)

  • Beurteilung durch die Jury

    Die Verfasser:innen interpretieren gelungen den historischen Stadtgrundriss als Ensemble dreier Häuser. Daraus entsteht ein eigenwilliger wie eigenständiger Entwurf, der sich als klares Haupthaus mit zwei Flügelbauten ausformuliert. Dabei wird die Traufhöhe an der Stralauer Straße gegenüber den städtebaulichen Vorgaben tiefer gesetzt, dies – ebenso wie die Ausbildung der Köpfe und die Ausformulierung von lediglich drei statt vier Fassaden – widerspricht den Leitlinien.
    Die Fassaden der beiden das Haupthaus flankierenden Eckgebäude sind gleich gestaltet, dies minimiert die gewünschte Vielfalt am Ort. Die lediglich sich in der Ausformulierung unterscheidenden Gauben bieten zu wenig Gegengewicht in der Differenzierung. Die Geschossigkeit der kleinen Brücke in der West-Ost-AchseWest-Ost-Achse ist zu hoch und fügt sich nicht entsprechend ein.
    Über die Farbgebung als blaues Haus zur Stadtseite und einer gelben Farbwahl zum Stadtplatz schafft der Beitrag sehr gute Identifikationsmerkmale. Zum Stadtplatz zeigt sich eine stringente, wohl gestaltete Fassade in Kombination mit den stimmig formulierten Kolonnaden. Die an der Jüdenstrasse ausgebildete Loggia fügt sich positiv als Gegenüber zum Bestand ein. Grundsätzlich bieten die umlaufend ruhigen, gut proportionierten Fassaden zum öffentlichen Raum städtische selbstverständlich wirkende Motive, welche jeweils mit den Raumsituationen gut kommunizieren. Mit der Ausformulierung des kraftvollen Haupthauses schaffen die Verfassenden eine für den Ort gute Anmutung. Die Säulen der 2-geschossigen Gebäudekolonnade sind wenig ausformuliert. Die darüber befindlichen geschlossenen Flächen, die sich aus der Nutzung abzeichnen, sind funktional nachvollziehbar, werden als Antwort jedoch kritisch diskutiert.

    Das Haupthaus aus Sockelgeschoss und klar gegliederter Lochfassade mit doppelter Gaubenanordnung artikuliert über einen Durchgangsbogen zum Stadtplatz eine deutliche Eingangssituation. Die Entscheidung diesen Bogen außermittig zu legen, nimmt dem Gebäude die Monumentalität, dies wird positiv gewertet. Die gewünschte Akzentuierung führt jedoch zu einer Teilung des Erdgeschosses, es entsteht keine adäquate zusammenhängende Eingangssituation für beide Gebäude. Das Foyer wie auch das mittlere Treppenhaus bietet kein Potential eines verbindenden Elementes und charakteristischen Raumes.

    Insgesamt zeigen die Grundrisse Schwächen: der Veranstaltungsraum ist von der Ausstellungsfläche abgeschnitten, die Ausstellungsflächen sind zerklüftet und werden untereinander von einem Verwaltungsgeschoss getrennt, ebenso fehlen Funktionsräume im Erdgeschoss und Vorfoyers für die Bühnenflächen.
    Grundsätzlich bieten die Grundrisse gute Möglichkeiten zur natürlichen Belichtung und Belüftung, jedoch im Theaterraum wird dieses Potential vermisst. Die Integration der Technik erscheint schlüssig, kritisch bewertet werden die ressourcenintensive Bauweise sowie die flächendeckende Abkopplung der Speichermassen durch Abhangdecken. Die Wahl der Materialien in der Konstruktion und den vielen Verkleidungen ist nicht zeitgemäß.
    Bezogen auf die archäologischen Ausgrabungen zur Zorn’sche Apotheke im UG sind die Stützen nicht umsetzbar.
    Das Brandschutzkonzept ist nachvollziehbar.

    Insgesamt zeigt das Projekt einen herausragenden, charmanten Vorschlag eines neuen Stadtbausteins am Molkenmarkt, der jedoch in der inneren Organisation, der Erschließung und Ausgestaltung nur bedingt überzeugen kann.

    Hinweise der Sachverständigen:
    Der Entwurf stellt eine im Vergleich zu den anderen Beiträgen flächeneffiziente Lösung dar.
    Die Fassadengestaltung lässt im Vergleich unterdurchschnittliche Fassaden- und Rohbaukosten erwarten. Dies ist auf unterdurchschnittliche Fensteranteile, einen hohen Putzanteil der Fassade sowie einen effizienten Rohbau zurückzuführen. Der Kostenrahmen wird um ca. 22% überschritten.
    Die Lösung eines offenen Durchgangs im EG vom Stadtplatz zur Stralauer Straße wäre im Hinblick auf Betriebskosten und den Einfluss auf die EG-Nutzbarkeit zu überdenken.

  • Los 4 2. Preis Lageplan

    Lageplan

  • Los 4 2. Preis Perspektive

    Perspektive

  • Los 4 2. Preis EG

    Grundriss EG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 2. Preis OG1

    Grundriss OG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 2. Preis Ansicht Nord Stadtplatz

    Ansichten Nord Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 2. Preis Ansicht Ost

    Ansichten Ost Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 2. Preis Ansicht Sued

    Ansichten Süd Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 2. Preis Ansicht West

    Ansichten West Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

3. Preis: 22.200 Euro

Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Verfassende: Torsten Glasenapp
Mitarbeitende: Tobias Bloh, Henning Glock, Tomke Oswald,
Simon Reichenheim, Adrian Rüdiger, Nico Tillein

Fachberatende:
GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner /
Dr.-Ing. Jorg Enseleit (Tragwerk, Brandschutz, Bauphysik)

  • Beurteilung durch die Jury

    Der Entwurf zeigt sich sehr selbstverständlich mit drei klar ablesbaren Stadtbausteinen zur Stralauer Straße hin und vermag so das neue Stadtquartier am Molkenmarkt gut zu einem identitätsstiftenden Abschluss zu bringen. Durch die Gliederung in einzelne Bausteine fügt es sich – trotz der Abweichung von der Bauleitlinie mit einer vierteiligen Gliederung – harmonisch in seine Umgebung ein.

    Die einzelnen Bausteine, die durch die unterschiedlichen Sockelhöhen und Traufkanten sowie die Differenzierung in ihrer Fassadengliederung und den gewählten Fensterproportionen artikuliert werden, finden ihre Entsprechung in der stringenten Grundrissstruktur. So gliedert sich der Baukörper in einen hauptsächlich der vertikalen und horizontalen Erschließung dienenden Mittelteil. Die Ausstellungsräume, Veranstaltungsbereiche und Theatersäle befinden sich in den Kopfbauten, die sich zum Stadthaus und dem Molkenmarkt hin orientieren. Durch die geschickt positionierten Kerne im Mittelteil können die kleinteiligeren Nutzungen entlang des Stadtplatzes organisiert werden.

    Die räumlich in ihrer Qualität schwer nachvollziehbare zweigeschossige Eingangshalle, die sich zur Stralauer Straße hin orientiert, ist grundsätzlich gut positioniert. Hier hätte sich das Preisgericht aller- dings eine der Nutzung angemessene offene vertikale Verbindung in die oberen Geschosse ge- wünscht, um mit einer verbindenden Geste der Vernetzung der unterschiedlichen Nutzungen miteinander mehr Ausdruck zu verleihen. Zusätzlich findet die Eingangshalle keine Entsprechung in der Ausbildung der Fassade an dieser Stelle. Insgesamt werden die überproportional ausgebildeten Verkehrsflächen als kritisch hinterfragt. Die dadurch entstehende schlechte Flächeneffizienz kann auch durch eine große BGF und Nutzungsfläche nicht ausgeglichen werden.

    Die einzelnen Häuser sind gut proportioniert und in ihrer jeweiligen Zonierung stimmig ausformuliert, erinnern in ihrem spezifischen Ausdruck aber an Typologien anderer städtischer Nutzungen. Die kulturelle Nutzung ist durch den gewählten Habitus nicht eindeutig ablesbar.

    Die Fassaden sind plastisch durchformt und für den Ort angemessen materialisiert. Die leichte Differenzierung in der Farbwahl unterstützt die Ablesbarkeit der einzelnen Baukörper und fügt diese gut in das Umfeld ein. Allerdings ist die Artikulation des Eingangs in der Gesamtabwicklung schwer lesbar.

    Die Details sind sorgfältig und stimmig ausgearbeitet und zeigen die hohe Qualität des Beitrags. Auch werden die Aspekte der Nachhaltigkeit und des einfachen Bauens berücksichtigt.

    Der Übergang von der Zugangskolonnade zur Stadtplatzkolonnade ist architektonisch gut gelungen. Die Arbeit reagiert mit einer zweigeschossigen durch Säulen gefassten Kolonnade, die eindeutig als Teil des Hauses gelesen werden kann. Hingegen dazu wird die eingeschossige Kolonnade am Stadtplatz mit eckigen Pfeilern gefasst. Zusammen mit dem darüberliegenden Obergeschoss strahlt die Stadtplatzkolonnade Ruhe und Gelassenheit aus, was vom Preisgericht positiv gewürdigt wird. Teils kritisch wird die Ausbildung eines Mittelrisalites diskutiert.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen Stadtbaustein dar, der sich in seiner Maßstäblichkeit gut in den städtischen Kontext einfügt. Jedoch findet die gewünschte kulturelle Nutzung in der Anmutung zu wenig Entsprechung.

    Hinweise der Sachverständigen:
    Der Entwurf stellt eine im Vergleich hohe Bruttogrundfläche zur Verfügung. Durch einen hohen Verkehrsflächenanteil ist die Flächeneffizienz eher im unteren Bereich des Teilnehmendenfeldes. Der Kostenrahmen wird ca. 29% überschritten. Insgesamt sind unterdurchschnittliche Rohbaukosten durch ein effizientes Tragsystem und überdurchschnittliche Kosten für die Fassaden (Fensterkonstruktion, Tiefe, Materialität) zu erwarten.

  • Los 4 3. Preis Lageplan

    Lageplan

  • Los 4 3. Preis Perspektive

    Perspektive

  • Los 4 3. Preis EG

    Grundriss EG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 3. Preis OG1

    Grundriss OG Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 3. Preis Ansicht Nord Stadtplatz

    Ansichten Nord Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 3. Preis Ansicht Ost

    Ansichten Ost Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 3. Preis Ansicht Sued

    Ansichten Süd Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

  • Los 4 3. Preis Ansicht West

    Ansichten West Haus A8-A7-A6 Stralauer Straße

Kontakt

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe