Die Arbeit überzeugt durch ihre gewisse Gelassenheit und Klarheit in Ausdruck und Proportion. Sie nimmt sich der Anforderung der Bebauungsleitlinien an und findet an- gemessene und differenzierte Antworten auf die unterschiedlichen Aufgaben, ohne sich im Detail zu verlieren.
Die Grundrisse von Baustein A3+A4 sind äußerst geschickt angelegt. Man betritt das Gebäude wahlweise über die Parochialgasse oder über die Passage. Beide Eingänge funktionieren, gleichwohl könnte einer der Zugänge entfallen. Die Geschlossenheit der Fassade der Passage wird kritisch angemerkt.
Es besteht die Möglichkeit, das Gewerbe im Obergeschoss und Erdgeschoss zusammenzuschließen. Diese erscheint hier etwas überinstrumentalisiert dargestellt, was jedoch durch Wegfall oder Verkleinerung der beiden Treppen leicht heilbar ist. Das Gewerbe im 1. Obergeschoss lässt sich gut in unterschiedlichen Größen und Nutzungen denken.
Das Wohnhaus wird durch einen richtig positionierten zentralen und von oben belichteten Treppenraum barrierefrei erschlossen. Den Verfassenden gelingt eine gleichzeitig ökonomische wie räumlich wertige Erschießung, die eine Nachbarschaftsbildung mitdenkt. Insgesamt acht Wohnungen betritt man von zwei, vom Treppenraum abgehenden, Fluren.
Die Wohnungen sind so simpel wie schlüssig und qualitätvoll zoniert und entworfen. Sie sind zwar einseitig orientiert, dafür mit glaubhaft proportionierten Loggien ausgestattet. Insgesamt vermittelt der Entwurf für Baustein A3+A4, dass man hier gerne wohnen möchte.
Die Parochialgasse
Die Proportionen der Fassade zeigen eine gewisse Ruhe und Lässigkeit. Die Öffnungen der Loggien, die im Inneren eine hohe Wohnqualität versprechen, wirken zur Parochialgasse etwas großmaßstäblich, was in Teilen kritisch angemerkt wurde. Eine feinere Differenzierung wäre hier wünschenswert. Insgesamt überzeugt jedoch das angemessene Bild, welches hier erzeugt wird.
Zum Stadtplatz
Hier zeigt das Projekt seine Schwäche in der Ausbildung der Fassade. Die gewünschte Zweiteiligkeit, die das Projekt im Grundriss so gelungen beantwortet, wird in der Fassade nicht glaubhaft umgesetzt. Die kleinen farblichen Akzente können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier dem Grunde nach ein und dieselbe Fassade geplant wurde.
Die Arkade / Kolonnade
Auch die Ausbildung der Kolonnade wirkt in ihren Proportionen zwar solide, aber auch sehr nüchtern. Zusammen mit den darüber liegenden Fassaden bildet sie eine wenig gegliederte Einheit und steht damit im Kontrast zu dem stimmigen und in Teilen sehr feinsinnigen Bild, das in der Parochialgasse gezeichnet wird.
Baustein B10 und B13
Baustein B10 erschließt über ein schön geformtes ökonomisches Treppenhaus den Mittelflur im 3. Obergeschoss. Als 2. Rettungsweg dient eine Treppenskulptur, dem Laubengang vorgelagert.
Haus Nr. 13 ist als Zweispänner kompakt und geschickt organisiert. Freisitze zum Hof, angrenzend zu den Wohnküchen, zeigen eine hohe Wohnqualität auf.
Die Fassaden der beiden kleinen Bausteine sind zu Hof und Gasse differenziert gestaltet und erscheinen angemessen. Sie gliedern und differenzieren sich durch Gesimsbänder.
Die Materialität wird bestimmt durch Putz, Naturstein im Sockel und Fliesen. Insgesamt sehr positiv wird die angemessene Materialwahl bewertet. Kostengünstig und angemessene Mittel.
- Materialität der Fassade aus Kratzputz und Glattputz
- Gedämmte, geschliffene Hochlochziegel
- Erdgeschoss/ Sockel aus Naturstein
Hinweise der Sachverständigen
Der Beitrag zeigt im Vergleich des Teilnehmendenfeldes die niedrigsten Kostenkennwerte, die den in der Auslobung genannten Kostenrahmen dennoch überschreiten. Gründe für die günstigsten Kennwerte sind eine kostengünstige Fassade durch einen hohen Putzanteil und der hohe Wiederholungsanteil.
Das Erfordernis von Lärmschutzmaßnahmen (Hafen-City-Fenster) oder Alternativlösungen sollten aus wirtschaftlichen Gründen untersucht werden
Die Nutzflächeneffizienz und Mietflächeneffizienz sind zu optimieren
Geprüft werden sollen zudem die Erweiterung der Eckgewerbeeinheit am kleinen Platz sowie die Belichtung der Räume in Haus A3/4 über Loggien.
Der Durchgang B10 soll durch ein Tor geschlossen werden können.