Bei der Arbeit 1009 handelt es sich um einen ausgewogenen Beitrag, der mit großer Flächeneffizienz und nachvollziehbarer Typologie für alle Häuser ein stimmiges Angebot unterbreitet. Die städtebaulich bereits vordefinierten Bausteine finden in der gewählten Proportionierung, Gliederung und architektonischen Anmutung eine Umsetzung, die gewürdigt wird, wenngleich – abgesehen von B7– eine individuellere architektonische Ausgestaltung etwas vermisst wird. So zeigen die Häuser am Molkenmarkt zwar in den Obergeschossen und dem Dachbereich Modifikationen, im Erdgeschoss hingegen wird aber mit gleicher Materialität und Gliederung eine einheitliche Fassade gewählt, die der Ablesbarkeit der Einheiten wenig zuträglich ist. Die Gebäudeeingänge sind in ihrer flurartigen Ausbildung wenig attraktiv und zu eng, sie können den Fassaden keine Prägnanz verleihen. So fehlt der Adresse am Molkenmarkt etwas der Ausdruck, den der prominente Standort eigentlich verlangt. Die Grundrisse von A1 und A2
bieten mit zwei kompakten zusammenschaltbaren Treppenräumen einen brandschutztechnisch funktionierenden und kompakten Erschließungskern in den Regelgeschossen, sowohl gute Bürogrundrisse als auch jeweils fünf gut geschnittene Wohnungen – bis auf eine Ausnahme in der Blockinnenecke.
Einen kraftvolleren Ausdruck als am Molkenmarkt zeigen die Fassaden von B7. Durch die zusätzlich eingefügten großen Rundbogenfenster in EG und OG entsteht eine gestalterische Eigenständigkeit, die gewürdigt aber auch hinsichtlich der Fensteranordnung gleichzeitig kontrovers diskutiert wird. Die Gewerbeflächen und Wohnungen von B7 zeigen plausible Grundrisse und gut belichtete Raumproportionen. Das Wohnungsangebot ist gut, die Erschließung funktional und effizient.
Die Häuser B9 und 11 folgen der städtebaulichen Maßgabe und werden nach dem Prinzip von Corbusiers Unité erschlossen: Vom Mittelflur im 3.OG gelangt man jeweils in den Wohnraum einer Maisonette-Wohnung, um über eine in der Dunkelzone gelegene interne Treppe in die Schlafgeschosse nach oben oder unten zu kommen. Dies ist eine stimmige Anordnung, mit dem Ziel, wegen der Enge der Gasse auf eventuell erforderliche Lufträume zur Belichtung verzichten zu können. Die angebotenen zweiachsigen Fassaden zeigen eine hohe Qualität: Sowohl zur Gasse als auch zum Gartenhof. Ihre ruhige, aber ausdruckstarke Gestalt findet in den Balkonen zum Garten, die das Thema des Laubengangs aufgreifen, eine konsequente Fortsetzung.
Vom Preisgericht kritisch gesehen wird, dass für ein nachhaltiges und einfaches Bauen, das ausdrücklich in der Auslobung gefordert war, in diesem Beitrag kein nennenswertes Angebot unterbreitet wird. Die Stahlbetonkonstruktionen bei Decken und Wänden, die von einem Wärmdämmverbundsystem umhüllt werden, versprechen außer Wirtschaftlichkeit wenig. Eine vermeintliche Wirtschaftlichkeit, die gleichzeitig aber an vielen Stellen durch tapetenartig aufgesetzte Natursteinlaibungen wieder konterkariert wird. Eine nachhaltige konstruktive Fügung kann auch bei den EG-Fassaden und der Kolonnade nur bedingt erkannt werden: Die zunächst, wie dünne Betonfertigteilstützen mit aufgelegtem Architrav anmutenden Elemente stellen sich bei genauer Betrachtung als mit Natursteinplatten verkleidete Strukturen dar, deren Gliederung und Fügung nicht überzeugen.
Insgesamt ist die Arbeit 1009 aber ein herausragender Beitrag, der für viele Herausforderungen nachvollziehbare und gute Lösungen aufzeigt, die lediglich in ihrer architektonischen Ausformulierung und im konstruktiven Detail zu überprüfen und zu präzisieren wären.
Hinweise der Sachverständigen:
Der Beitrag zeigt eine hohe Flächeneffizienz bei im Vergleich des Teilnehmendenfeldes geringen Kosten. Der in der Auslobung genannte Kostenrahmen wird dennoch überschritten. Der Einsatz einzelner vorgeschlagener Materialien und Bauteile muss im Falle einer Realisierung im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit geprüft werden.
• Der Zielkonflikt zwischen Schallschutz und auskömmlicher Belichtung bei der Frage der Verglasung von Loggien ist im weiteren Verfahren, auch in Abhängigkeit zu den Raumtiefen, bei den Gebäuden A1/A2 vertieft zu prüfen.
• Beim Gebäuden A2 ist die Qualität der Wohnküche der Wohnung in der Kolonnadenecke hinsichtlich der Belichtung zu prüfen.
• Bei den Gebäuden B09 und B11 ist die dargestellte Anordnung eines weiteren Wohnzimmers zusätzlich zu einer Wohnküche zu prüfen. Weiterhin ist die Ausrichtung der Mehrzahl der Schlafzimmer zu lärmzugewandten Fassaden zu prüfen