Dem Entwurf gelingt es in sehr schlüssiger Weise, durch die Gestaltung des Gebäudes B1.2 eine städtebauliche Leitidee zu formulieren. Die Gliederung der Baukörper ist eindeutig und erkennbar. Die Nutzungen lassen sich differenziert zuordnen.
Die horizontale Gliederung der Fassade des Langhauses (Gebäude B1.1) an der Grunerstraße ermöglicht die Adressbildung sowohl für die Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und die Büronutzung als auch für die darüberliegenden Wohnungen. Die Ausbildung des Laubengangs in den beiden Wohngeschossen ist elegant in die Fassadenkomposition integriert, erscheint aber noch zu offen. Die spätere Nutzung des Laubenganges auch als Abstellfläche, zum Beispiel für Fahrräder, ist zu erwarten und wird kritisch bewertet.
Das Eckhaus (Gebäude B1.2) ist mit den Proportionen der Arkade, der zurückhaltenden Gestaltung der Bürofassaden und dem Walmdach mit der überraschenden Betonung durch die Laterne in der Lage, die besondere städtebauliche Situation zu thematisieren und eine angemessene Identifikation der Nutzenden zu ermöglichen.
Das Wohnhaus (Gebäude B1.3) in der Jüdenstraße fügt sich in ruhiger Zurückhaltung in das Ensemble ein.
Für die unterschiedlichen Nutzungsformen werden jeweils gute bis sehr gute Grundrisslösungen angeboten, die eine wirtschaftliche Weiterentwicklung ermöglichen. Die Überlagerung der Wohneinheiten im Gebäude B1.1 über der Büronutzung ist geschickt gelöst. Die innere Zone der Bäder mit der intensiven TGA-Erschließung liegt passenderweise über der Dunkelzone der Büro-ebenen.
Die vorgeschlagene, gemischte Konstruktion bündelt die Stärken des jeweiligen Materials mit den Anforderungen der Nutzung. Die Stahlbetonskelettkonstruktion ist im Gebäude B1.1 auf die dar-über liegende Holzkonstruktion abgestimmt, auch wenn nicht eindeutig nachzuvollziehen ist, ob die tragenden Massivholzschotten die Anforderungen des Schallschutzes erfüllen. Nur jede zweite tragende Wohnungstrennwand liegt über einer tragenden Stahlbetonstützen-Achse. Die Konstruktionen in Haus B1.2 und B1.3 sind klar strukturiert.
Die von den Verfassenden angegebenen Baukosten liegen über dem gesetzten Ziel. Die starke Tiefengliederung der Fassaden wirkt sich auf die Wirtschaftlichkeit negativ aus, könnte jedoch dank der Optionen zur Vorfertigung ökonomischer umgesetzt werden. Die Geothermie und die Brauchwassernutzung belasten ebenfalls die Baukosten.
Es ist zu erwarten, dass sich der Entwurf charaktervoll, aber unaufgeregt in das Gesamtquartier positioniert und damit die Erwartungen an die städtebauliche und architektonische Qualität voll erfüllt.
Denkmalschutz
Die Einbindung des archäologischen Befundes im Untergeschoss scheint grundsätzlich gelungen, jedoch braucht es eine kritische Überprüfung der Lage der Aufzugskerne von Haus B1.1 im Untergeschoss (Unterfahrten) sowie eine Reduzierung der Technikflächen, da diese unnötig weit in den archäologischen Befund eingreifen. Die Sichtbarkeit im Erdgeschoss von der Grunerstraße ist eingeschränkt, hier könnte es einer klareren Adressierung geben.