Die Verfasser schlagen eine fast klassisch wirkende städtebauliche Figur vor mit vier klar definierten öffentlichen Räumen als Grundgerüst: Stadtplatz mit Stadtbalkon, Schiffbauerdamm als Spreepromenade, Quartiersplatz für das Wohnen und den nördlich gelegenen Platz der Bögen.
Auftakt für die neue Bebauung bildet der an der Schnittstelle zum LBO I liegende Stadtplatz, an dem folgerichtig die Erweiterung des Bundestages mit Ausschusssitzungssaal angeordnet ist. Die kammförmige Struktur endet – unter Einbindung des Gebäudebestandes Schiffbauerdamm 19 – mit einem kopfartigen Abschluss zum Platz und scheint hinsichtlich der gewählten Typologie sinnvoll für die Nutzung. Sehr kritisch betrachtet wird die teilweise starke Überbauung des unterirdischen Tunnelsystems an der Grenze zu LBO I.
An die Flächen des Bundestags angrenzend, aber nicht direkt anbauend liegt an einem großzügig dimensionierten Garten die Wohnnutzung. Es entsteht eine gut vorstellbare Nachbarschaft, die hohe Qualitäten für das Wohnen verspricht, räumlich eine selbstverständliche Grenze definiert und verhältnismäßig wenig Konfliktpotential im Hinblick auf sicherheitsrelevante Aspekte erwarten lässt.
Die Wohnbebauung bildet gleichermaßen die Platzwand des östlich anschließenden Quartiersplatzes, an dem auch Verdi verortet ist. Dieser sich zum Schiffbauerdamm öffnende Platz wird an Nord-und Südseite künstlich verengt, was fast etwas überinstrumentiert und im Norden sehr beengt wirkt. Die bogenförmige Öffnung am nördlichen Abschluss sind dieser Enge geschuldet und scheinen überzogen.
Begrüßt wird die einheitliche Traufhöhe entlang der Spreepromenade, die einen ruhigen Prospekt von der gegenüberliegenden Seite verspricht. Insgesamt erscheint die Höhenentwicklung etwas zu hoch und wird durchaus kontrovers diskutiert.
Die kleine platzartige Ausweitung entlang der Stadtbahnbögen erscheint in Kombination mit der Höhenentwicklung der Gebäude als zu knapp bemessen um hier Aufenthaltsqualitäten entstehen zu lassen.
Kritisch hinterfragt wird die sehr starke Topographie, die der Entwurf zum Schiffbauerdamm aufbaut. Zwar wird über die vorgeschlagene Schnittlösung eine ebenerdig zugängliche große Fahrradgarage im Hof erreicht, allerdings scheint der fast sechs Meter höher liegende Wohnhof doch etwas abgehoben. Die so entstehende Fuge zum BT wird hinsichtlich der Dimension durchaus kontrovers diskutiert.
Bezüglich der Freiflächen wird die Umgestaltung der Uferkante am Schiffbauerdamm im Bereich des Stadtbalkons hinsichtlich der Angemessenheit kritisch hinterfragt.
Insgesamt stellt die vorgeschlagene Lesart des Quartiers ein sehr robustes Grundkonzept dar, das die genannten Schwächen allerdings nur unzureichend über architektonische Kunstgriffe zu lösen versucht.