Die Jury würdigt die bestechende Einfachheit der städtebaulichen Idee, die drei Nutzungen – Erweiterung des Bundestags, Wohnen und Verdi – in drei gleichwertigen Gebäudevolumina zu organisieren, die jeweils dem Prinzip des Berliner Blocks folgen.
Durch diese prägnante städtebauliche Setzung entsteht eine klar ablesbare und hierarchisierte Freiraumstruktur mit dem sehr gut proportionierten Platz an der Spree als zentrierendem Element, das allen drei Anrainern eine gemeinsame Adresse bietet. Dieser baumbestandene Platz mit Wasserelement komplementiert den Bertold-Brecht-Platz und Bundestagsplatz am LBO I, die als Öffnungen in der dicht bebauten Stadt willkommene Freiräume bieten und das Erleben der Spreepromenade rythmisieren. Durch die Adressierung des Bundestagsbaus mit seinem Sitzungssaal am Platz an der Spree wird die Bedeutung dieser zentralen Nutzung an diesem Ort noch einmal hervorgehoben, denn durch diese besondere Lage am Platz wird das Bundestagsgebäude gleichsam „nobilitiert“.
Der Bebauung vorgelagert ist eine neu gestaltete Spreepromenade, mit großzügigen Sitzstufen in Verlängerung des Platzes an der Spree (und weiter westlich auch des Bundestagsplatzes), die den Höhenunterschied zum Wasser vermitteln und die Spree so mit eigenen Füßen erlebbar machen. In der Darstellung wird der Schiffbauerdamm als ein Raum für Fußgänger vorgestellt, jedoch widerspricht dies der Darstellung eines klassischen Fahrbahnprofils im Lageplan. Auch die Räume zwischen den Gebäuden gleichen eher klassischen Straßenquerschnitten.
Durch die kluge städtebauliche Setzung ergibt sich im Stadtraumverlauf in Annäherung aus Richtung Ost die Möglichkeit, sowohl das Gebäude des Bundestags fast in Gänze wahrnehmen zu können, als auch einen freien Blick zu den denkmalgeschützten Stadtbahnbögen und dem Kesselhaus zu genießen. Im Norden wird ein kleinerer Viaduktplatz vorgeschlagen, der das Quartier zu den Stadtbahnbögen hin sanft öffnet.
Die Kubaturen der vorgeschlagenen Bauvolumina respektieren die vorgegebene Traufhöhe bis auf eine Überhöhung um ein Geschoß im nördlichen Teil des Bundestagsblocks. Die zur Spree hin durchgängige Traufhöhe unterstreicht mit ihrer Ruhe die Wirkung des Landschaftsraums der Spree. Durch die Integration der beiden Bestandsgebäude entsteht dennoch die Möglichkeit eines abwechslungsreichen Fassadenspiels.
Die Blockstruktur ermöglicht eine klassische Arrondierung öffentlicher und halbprivater Räume, die auch den jeweiligen Nutzungen dienlich sind. Der Spree, den Straßen und dem Platz sind weitgehend öffentlich zugängliche Nutzungen wie Café des Bundestages, Gastronomie und Gewerbe zugewandt. Im nördlichen Bereich sind im EG auch Büronutzungen des Bundestags vorgesehen, was kritisch gesehen werden kann. Der Umgang mit dem Bestandsgebäude ist an dieser Stelle nicht eindeutig nachgewiesen.
Alles in allem würdigt die Jury diesen Beitrag als ein robustes und schlüssig durchgearbeitetes städtebauliches Konzept mit viel Potential für die zukünftige Entwicklung.