Leitidee:
Der Entwurf überzeugt durch eine klar strukturierte städtebauliche Ordnung mit vier eigenständigen, identitätsstarken Nachbarschaften, die sich eng mit dem umgebenden Landschafts- und Stadtraum an den Rändern vernetzen.
Städtebau:
Die Straßenbahnachse – von den Verfassenden als Tramallee bezeichnet – bildet mit einer vierreihigen Baumreihe das zentrale Rückgrat des neuen Stadtquartiers und gewährleistet eine gute räumliche Durchwegung und Orientierung. Die Bebauung entlang dieses vegetativen Rückgrates wird als klare Raumkante ausgebildet, während sich die kompakten, offenen Hofstrukturen maßvoll zu den angrenzenden Landschaftsräumen abstaffeln. Im Süden, im Bereich des Produktionsdreiecks, verspringt die rahmende Gebäudekante nach Osten, sodass die beiden vorrangig der Produktion gewidmeten Bereiche über die Tramallee räumlich miteinander verbunden werden. Am Schlüsselknoten präsentiert sich das neue Quartier mit einem vegetativen Entree und schafft so einen angemessenen Übergang in die bestehenden Quartiere. Die Einbindung der lärmgeprägten Bereiche erscheint über die gewählten Gebäudetypen leistbar, müsste aber hinsichtlich der Anforderungen weiter ausdifferenziert werden. Die Setzung der Hochpunkte
über das gesamte Gebiet hinweg wirkt schlüssig. Insbesondere an den Übergängen, in der Mitte sowie im nördlichen Auftaktbereich markieren sie die wichtigen Stadträume.
Die Positionierung des Schulstandortes sowie der Gebäude der sozialen Infrastruktur folgt der Idee der Lichtung, die in ihrer Ausdehnung durch die angrenzenden Wald- und Waldsaumflächen begrenzt bleibt. Die Dimensionierung der Gebäude erscheint nicht ausreichend, auch erfüllt der gewählte Gebäudetypus nur unzureichend die funktionalen Anforderungen – insbesondere hinsichtlich Sicherheit, doch wird der identitätsstiftende und tragende Gedanke der Waldallmende seitens der Jury verstanden und ausdrücklich gewürdigt.
Grün- und Freiraum:
Die Freiraumstruktur sieht eine klare Erweiterung des bestehenden Waldes mit Naherholungsfunktionen vor. Dieser begrenzt am nördlichen Rand vorhandene Entwicklungen und rahmt im Osten die neuen Quartiere. In der Quartiersmitte wird der übergeordnete Bezug zum Landschaftsraum des Schmöckpfuhlgrabens und den angrenzenden Einfamilienhausquartieren über die Klimaallee sinnfällig gesucht. Kritisch eingeschätzt wird die Ausgestaltung des Quartiersplatzes, dessen Lage teils lateral zur Tramlinie noch zu wenig ausdifferenziert und räumlich gefasst erscheint. Der Bezug zum Landschafts- und Wasserraum, die funktionale Nähe zum neuen Schulstandort werden jedoch als Potenzial für die weitere Programmierung erkannt.
Erschließung und Mobilität:
Die Erschließung ist mit drei Quartiersgaragen entlang der Tram funktional gut gelöst. Allerdings wird die Ausbildung der Tramallee mit beidseitigem MIV im nördlichen Bereich kontrovers hinsichtlich der Frage bewertet, ob die Führung des Verkehrs über ein so zentrales Element mit dem Anspruch eines autoarmen Quartiers vereinbar ist.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz:
Aussagen zur wassersensiblen Planung, mikroklimatische Entwicklungspotenziale wie auch Ausgleichsmaßnahmen verbleiben stark konzeptuell und wären weiter auszuarbeiten.
Der Entwurf schafft eine robuste städtebauliche Grundordnung mit einem klaren Rückgrat, überzeugenden Hochpunkten und einer maßvollen Ausbildung der öffentlichen Räume. Der geringe Grünflächenanteil innerhalb der Wohnquartiere wird durch den gemeinschaftlichen Charakter der großzügigen Allmendeflächen sinnvoll ergänzt und im Umgang mit der Landressource als zukunftsweisend bewertet.