Preisgruppe

Preis: 24.166,67 €

Stadtplaner*in: De Zwarte Hond GmbH, Berlin
Verfasser*innen: Johannes langer, Jeroen de Willigen, Matthias Rottmann
Mitarbeiter*innen: Maria Savignano, Anna Szczepaniak, Hanie NorouzzadehMahboob

Landschaftsarchitekt*in: Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten PartGmbB, Berlin
Verfasser*innen: Stefan Grieger, Norman Harzer, Nina Dvorak

  • Beurteilung der Arbeit 1121 durch die Jury

    Die Strategien „Geben und Nehmen“, um das Tempelhofer Feld „größer“ zu machen, scheinen gut gewählt. Leitidee des Vorschlags ist es, das Tempelhofer Feld im Rahmen dieser Strategie besser mit seiner Umgebung zu verbinden. Es entsteht eine neue S-Bahn-Station THF, die zusammen mit einer Fußgänger- und Fahrradbrücke eine ergänzende und dringend benötigte Verbindung nach Süden schafft. Die geplante Vergrößerung und Annäherung der Station an das Feld werden grundsätzlich begrüßt, das architektonische Design der Station wird jedoch kritisch hinterfragt. Die verkehrliche Erschließung des Tempelhofer Damms ist bereits vorhanden und wird als wesentlicher Vorteil des Standorts hervorgehoben.

    Bei den anderen Eingängen fehlt es jedoch an einer vertieften Bearbeitung. Die historischen Landebahnen fügen sich unterschiedlich gut in die hier vorgeschlagene Bebauung ein. Dies ist bei der südlichen Landebahn gut gelungen, bei der nördlichen hingegen nicht. Die Auseinandersetzung mit dem Flughafenvorfeld (Landseite) wird als sehr gelungen bewertet. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass sich der Entwurf mit der Luftseite des Feldes beschäftigt.

    Die Ergebnisse aus den Dialogwerkstätten wurden nur teilweise umgesetzt. Positiv ist, dass der Innenring weitestgehend unangetastet bleibt und dieser Teil des Feldes – wie von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Dialogwerkstätten empfohlen – erhalten wird. Die Empfehlung, auf eine Bebauung des Feldes zu verzichten, wird hingegen nicht berücksichtigt. Der geplante Kleingartentausch, bei dem Flächen im Süden des Geländes für Wohnnutzung freigemacht und die Kleingärten auf das Feld verlagert werden, wird als differenzierter und nachvollziehbarer Beitrag bewertet. Die vorgeschlagene Bebauung außerhalb des Feldes erscheint insgesamt positiv.

    Es wird eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) als Struktur für die Realisierung beschrieben, was auf ein gutes Verständnis der Rahmenbedingungen des Projekts sowie des zukünftigen Planungsprozesses hinweist. Unklar bleibt jedoch, wie diese Struktur konkret ausgestaltet werden soll. Insbesondere ist offen, wer die Verantwortung für die Weiterentwicklung sowohl der öffentlichen Räume als auch der Siedlungsbereiche übernehmen wird. Ein Konzept zur Weiterentwicklung des Feldes durch bürgerschaftliches Engagement fehlt.
    Das Tempelhofer Feld selbst bleibt in seiner Funktion als Wiesenmeer, Frischluftschneise und Biodiversitätsraum weitgehend erhalten. In der Mitte des Feldes wird ein biologischer Hotspot vorgeschlagen, allerdings fehlt es an einem umsetzbaren Konzept. Die Ränder des Feldes werden weiterentwickelt, indem bestehende Funktionen – wie Sportanlagen, Kleingärten und eine neue Gärtnerei als Bildungs- und Forschungsort für klimaangepasstes Stadtgrün – gestärkt werden. Der Entwurf verzichtet auf eine grundlegende Neustrukturierung der Ränder und setzt auf eine schrittweise Weiterentwicklung. Dies wird als sachgerecht, wenn auch wenig innovativ bewertet. Gleichzeitig fehlen deutliche Impulse für neue Nutzungen, die unter Einbeziehung der Besucherinnen und Besucher sowie der Anwohnerinnen und Anwohner entstehen könnten.

    Die Arbeit ist insgesamt gut konzipiert und wird als realisierbar eingeschätzt. Sie weist ein hohes professionelles Niveau auf. Obwohl in dieser Arbeit formuliert ist, dass eher ein dynamischer Prozess als ein statischer Masterplan angestrebt wird, erscheinen sowohl Anzahl als auch Lage der Neubauten als gut gewählt. Die Ergänzungen im Bereich Wohnen sind schlüssig und sorgfältig platziert. Positiv bewertet wird, dass auf der Neuköllner Seite keine Gebäude vorgesehen sind, sodass die Anbindung an den dahinterliegenden Stadtteil über Treppen und Tribüne erhalten bleibt. Die Gebäude im Süden des Feldes beherbergen gewerbliche Nutzungen, um den Lärmverhältnissen gerecht zu werden, und fügen sich gut in die bestehende Umgebung ein. Die Entscheidung, die topografisch schwierigen Hanglagen im Projektgebiet von Bebauung freizuhalten, wird als städtebaulich umsichtig bewertet. Die städtebaulichen Qualitäten des Entwurfs sind insgesamt hervorzuheben.

    Positiv, aber im Preisgericht auch kontrovers diskutiert, ist zudem, dass der Entwurf zeigt, wie die Parkflächen nördlich des Flughafenterminals bebaut werden können. Dadurch wird eine angemessene Urbanisierung um den Platz der Luftbrücke gefördert. Die Bebauung auf der Landseite nördlich des Flughafengebäudes muss jedoch mit großer gestalterischer und denkmalpflegerischer Sensibilität erfolgen. Es finden sich Aussagen zur Bebauung in denkmalgeschützten Bereichen, jedoch ohne erkennbaren produktiven Dialog mit der Denkmalpflege. Ein solcher Dialog ist dringend erforderlich, insbesondere um der Bedeutung des Flughafens als Denkmal gerecht zu werden.

    Am Tempelhofer Damm ist ein gemischtes Quartier geplant mit ca. 5.000 Wohneinheiten und ergänzender sozialer Infrastruktur (Kitas, Schulen, Bibliotheken etc.). Die Gebäude weisen verschiedene klimarelevante Eigenschaften auf, wie begrünte Höfe, Dächer und Fassaden, ein Schwammstadtkonzept zur Regenwassernutzung, Pflanzungen hitzetoleranter Bäume und einen hohen Biotopflächenfaktor. Diese Elemente tragen positiv zur notwendigen Klimaanpassung bei. Unklar bleibt jedoch, wie die im Entwurf formulierte Vision zur Stärkung der Berliner Handwerkstradition konkret umgesetzt werden soll.

    Die vorgeschlagene Gebäudestruktur mit den großmaßstäblichen, dreieckigen Baukörpern wirkt unkonventionell, bietet aber das Potenzial für eine weiterführende Entwicklung. Der Standort am Tempelhofer Damm wird insgesamt als ein geeigneter Ort für eine neue Bebauung, insbesondere für das Wohnen, gewertet, da dieser die vorhandene Infrastruktur nutzt und zur städtebaulichen Aufwertung des Tempelhofer Damms beiträgt.

  • Preisgruppe 1121 Perspektive 1

    Perspektive

  • Preisgruppe 1121 Perspektive 2

    Perspektive

  • Preisgruppe 1121 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1121 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Preis: 24.166,67 €

Stadtplaner*in/Architekt*in/Landschaftsarchitekt*in: Schønherr, Kopenhagen
Verfasser*innen: Rikke Juul Gram, Rasmus Stougaard
Mitarbeiter*innen: Sofie Yde, Line Stybe Vestergaard, Andrew Place, lda Tøttrup Brennum

Sonderfachleute:
Morten Stæde (Bildhauer)
Thomas Tram (PlanScape, Historiker und strategischer Stadtplaner)
Dipl.­Ing. FH Andreas Avril (Arup, Associate Director, Civil Engineer)
Jeremy Karl Anterola (Arup, Landschaftsarchitekt)
Rudi Scheuermann (Arup, Architekt)
Brian Twohig (Arup, Chartered Engineer CEng MIEI)
Mirko Kabel (Arup, Diplom-Ingenieur)

  • Beurteilung der Arbeit 1124 durch die Jury

    Der Beitrag „Tempelhofer Atem“ versteht das Tempelhofer Feld als einen atmosphärischen, durchlüfteten Erfahrungsraum. Die zentrale Raumgeste besteht in der Rahmung des Feldes, das dabei in seiner Offenheit und Weite erhalten bleibt. Die Fassung des Feldes erfolgt im Norden und Osten durch savannenhafte Baumpflanzungen, die sich zum Rand hin verdichten. Dabei wird der Bereich des Volksparks Hasenheide im Rahmen der Freiraumkonzeption in den Tempelhofer Landschaftsraum integriert und durch die aktuell durch die Unterkünfte für Geflüchtete genutzten Bereiche erweitert. Die Weiterentwicklung der mit Bäumen bestandenen Flächen ermöglicht gerade in den heißer werdenden Sommern eine stärkere Beschattung der Randzone des Feldes. Im Süden und Westen erfolgt die Fassung des Areals durch die „Tempelhöfe“, die den Bogen des Flughafengebäudes aufgreifen und differenziert weiterführen.

    Die baulichen Ergänzungen im südwestlichen Bereichs ermöglichen die Schaffung eines gefassten Straßenraumes am Tempelhofer Damm sowie einen stärkeren räumlichen Schutz vor den Emissionen der südlich gelegenen Bahn- und Autobahntrassen.

    Ergänzt werden diese zentralen Elemente durch ausgedehnte Blumenwiesen im Norden sowie ein Landschaftsmosaik zur Naturentwicklung im Zentrum des Tempelhofer Feldes, was in der Jury auch kontrovers diskutiert wird. Sie sollen teils gemähte und damit nutzbare Bereiche und teils naturbelassene Bereiche enthalten.

    Das Konzept beinhaltet dabei die 3 Hauptprinzipien „Öffnung, Rahmung und Zusammenhang“.

    Die Öffnungen werden über vier klar definierte barrierearme und inklusive Zugänge sichergestellt. Sie liegen dabei folgerichtig an der bestehenden U- und S-Bahnstation im Westen, an einer neu vorgeschlagenen Station im Süden sowie als Fortführung von bestehenden Erschließungsachsen im Osten und Norden. Die Rahmung wird wie beschrieben über landschaftliche und bauliche Einfassungen erreicht, die ökologische und soziale Qualitäten in den Vordergrund stellen.

    Der Zusammenhang wird dabei über ein weiterentwickeltes Wegesystem aus dem ergänzten Bestandsnetz hergestellt. Dabei werden geschickt visuelle Bezüge und Landmarken herausgearbeitet und verortet.
    Das ergänzte Wegenetz sowie die vorgeschlagene Erschließung südlich der Bebauung im Nordwesten, die den Taxiway als Freiraum respektiert, werden ausdrücklich positiv gewertet.

    Das Nutzungsspektrum bietet in hohem Maß vielfältige Potentiale für soziale und gemeinschaftliche Wohnformen, urbane Landwirtschaft, Gemeinschaftsgärten, Bildungsangebote, Kulturbauten wie modulare Bühnen, Werkstätten, Re-Use-Architektur, Sport- und Bewegungsflächen, Gastronomie, Spiel- und Aufenthaltsflächen.

    Die Arbeit beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Regenwassermanagement, Biodiversität und Mikroklima. Die Entwässerung erfolgt über neue Regenwasserläufe, ergänzt durch Feuchtbiotope.

    Die Pflanzenauswahl folgt klimarobusten Kriterien, unterstützt durch partizipative Maßnahmen wie Bürgerbäume.

    Kritisch anzumerken ist die in Teilen fehlende Nachvollziehbarkeit der räumlichen Sortierung. Mehrere Nutzungen wirken unzusammenhängend verortet. Die gridartige Strukturierung führt zu einem massiven Eingriff in die offenen Feldräume und schwächt den Landschaftscharakter.

    Die Verortung der jeweiligen Bereiche erscheint nicht ganz folgerichtig. Die topografische Ausgangslage sollte genauer betrachtet werden, da der für die Blumenwiesen vorgesehene Bereich im Anschluss an das Flughafengebäude als tiefster Punkt des Areals deutlich geeigneter für Feuchtbiotope erscheint als der gewählte zentrale, höher gelegene Bereich.

    Die Wiederherstellung historischer Gartenstrukturen im östlichen Bereich wird ebenfalls kontrovers gesehen. Eine stärkere Bezugnahme auf die aktuellen Gegebenheiten wäre wünschenswert gewesen.

    Die vorgeschlagene Erschließung und Mobilität aus dem Plankonzept ist in sich schlüssig und überzeugend. Das ergänzte Wegenetz verbindet Brücken, Eingänge und Aktionsbereiche. Die Rollbahn fungiert dabei weiterhin als Rückgrat. Der alte Taxiway fungiert als Grenze zwischen heterogeneren Randbereichen und innerem Feld mit Stegen zum Ausblick auf den inneren Wiesenbereich. An seinem Verlauf sind Mobilitätsstationen, Fahrradverleih, Kaffeestände, Sharing-Modelle, Sport- und Kulturangebote verortet. Die Erschließung der Tempelhöfe erfolgt an den lärmvorbelasteten Seiten direkt in integrierte Parkbereiche. Die ansonsten autofreien Höfe werden durch ein Netzwerk von Gärten, Platzräumen und Wegen verknüpft, die die Nachbarschaft stärken und Bereiche für Passanten öffnen. Die Bebauung entlang des Flughafengebäudes wird hinsichtlich Maßstab und städtebaulicher Figur diesem nicht gerecht.

    Seitens der Entwurfsverfasser:innen wird vorgeschlagen ausgehend von Bürgerbeteiligungen die gesamte neue Bebauung als Wohnlabor auszuweisen. So sollen beispielhafte Bauvorhaben mit öffentlichen und privaten Nutzungen entstehen.

    Die vorgeschlagene Verlagerung der Geflüchtetenunterkünfte in den Westen bedarf aus Sicht des Preisgerichts einer besonders sensiblen Betrachtung.
    Abschließend werden die Größenordnung der Baumergänzung sowie die grundsätzliche Frage der südlichen Bebauung mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen kontrovers diskutiert.

    Einige Empfehlungen aus den Dialogwerkstätten, wie zum Thema Möglichkeiten und Freiräume, wurden bereits aufgegriffen, während andere nicht in der Konzeptionierung berücksichtigt wurden.

    Insgesamt weist der Entwurf interessante Einzelbausteine auf, die sich in Teilen zwar zu widersprechen scheinen, jedoch als innovative Ansätze im Rahmen des Gesamtkonzepts als Beitrag zum Ideenwettbewerb überzeugen.

  • Preisgruppe 1124 Perspektiven

    Perspektiven

  • Preisgruppe 1124 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1124 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Preis: 24.166,67 €

Architekt*in: Some Place Studio, Berlin
Verfasser*innen: Bika Rebek
Mitarbeiter*innen: Sophie Schaffer

Landschaftsarchitekt*in: FWD Landscape Architecture lnc., Kalifornien
Verfasser*innen: Devon Miller
Mitarbeiter*innen: Ellen Garrett, Nayab Malik

Sonderfachleute:
Shalini Vimal (Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagerin, Berlin)

  • Beurteilung der Arbeit 1131 durch die Jury

    Alle bestehenden Gebäude auf dem Tempelhofer Feld und dem ehemaligen Flughafen mit bereits vorhandenen und neuen Nutzungen weiterdenken, das große Feld als öffentlichen Raum mit seinen naturräumlichen Qualitäten von Flora und Fauna als besonderen Wert verstehen und weiterentwickeln sowie das Zusammenspiel mit und die Zugänglichkeit von allen Nachbarschaften stärken – das ist die konzeptionelle Idee dieser Arbeit.

    Für 32 Bestandsgebäude auf dem Feld, aber auch für das denkmalgeschützte große Flughafengebäude werden konkrete Nutzungsprogramme vorgeschlagen und diese sollen mit einem partizipativen Angebot verknüpft werden. Das breite Spektrum der Ideen wird in den beiden Vertiefungsbereichen gut nachvollziehbar genauer dargestellt: So wird z.B. das Ballonhaus als ein Klassenzimmer mit einem Aussichtspunkt konzipiert. Die ehemalige Müllverbrennungsanlage soll in Verbindung mit der Alten Gärtnerei durch ein Gewächshaus und eine Samenbank eine Perspektive bekommen. Für das große Flughafengebäude wird über temporäre Nutzungen hinaus eine öffentlich nutzbare Wegeführung vom Feld durch das Gebäude zum Platz der Luftbrücke vorgeschlagen.

    Die Ideen für die Weiternutzung der bestehenden baulichen Anlagen korrespondieren in gut nachvollziehbarer Weise mit den Vorschlägen für die Weiterentwicklung des Feldes als Natur- und Landschaftsraum in seiner Bedeutung für die benachbarten Stadtteile, aber auch in Bezug auf ganz Berlin. Das betrifft die Idee für eine Nachverdichtung des vorhandenen Baumbestandes auf dem großen Areal. Hier setzen die Verfassenden auf einen bewussten Umgang mit Sukzessionsprozessen, aber auch die verschiedenen Ideen für das Gärtnern und Ernten im Sinne der essbaren Stadt, wie beispielsweise Permakulturen und Obstgehölze.

    Neben einem konzeptionellen Bekenntnis zu den vorhandenen Qualitäten des Feldes am Übergang zu Neukölln im Osten und einer Anreicherung von Sport- und Spielangeboten am Tempelhofer Damm im Westen schlagen die Verfassenden eine deutliche Verbesserung der Erreichbarkeit und Zugänglichkeit von Süden – einschließlich zwei neuer Brücken vor (Anmerkung: Die Anzahl von insgesamt 4 neuen Brücken wird im Preisgericht durchaus kontrovers diskutiert).

    Die Strategie zum Bestandserhalt und zur Weiterentwicklung von Gebäude und Feld ist ein sympathischer, einfühlsamer und optimistischer Umgang mit dem durchaus schwierigen Erbe des Flughafens Tempelhof.

    Zugleich ist im Hinblick auf den Natur- und Landschaftsraum und einer vorgeschlagenen weitergehenden Entsiegelung ein nachvollziehbarer Beitrag zur ökologischen Situation und Klimaanpassung gelungen.

    Das Konzept ist engagiert im Programm und realistisch in Bezug auf eine Umsetzung auch in Teilbereichen und einzelnen Schritten. Gleichwohl hat die Jury Kritik an der fehlenden Bearbeitungstiefe und der wenig vertieft bearbeiteten Konzeptaussagen geäußert.

    Einige der in der Dialogwerkstatt formulierten Empfehlungen, insbesondere in Bezug auf die Freiräume und nachbarschaftlichen Verbindungen, wurden in diesem Beitrag aufgegriffen.

    Insgesamt ein Ideenkonzept, das in seinem Bekenntnis zur Weiterentwicklung des Bestandes einen wichtigen konzeptionellen Beitrag im Rahmen des Wettbewerbs leistet.

  • Preisgruppe 1131 Perspektive 1

    Perspektive

  • Preisgruppe 1131 Perspektive 2

    Perspektive

  • Preisgruppe 1131 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1131 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Preis: 24.166,67 €

Landschaftsarchitekt*in: bbz landschaftsarchitekten berlin gmbh, Berlin
Verfasser*innen: Timo Herrmann
Mitarbeiter*innen: Lea Warneke, Malte Stellmann, Findus Reinkober, Marc Leppin

Sonderfachleute:
Sophie Jahnke (Grafik, Studio Sophie Jahnke, Berlin)
Frau Prof. Dr. Galina Churkina (Stadtökologie, TU Berlin)
Dr. Birgit Seit (Pflanzenökologie, TU Berlin)
Sarah Ginski-Thiele (Zebralog, Berlin)
Julia Kattinger (Perspektiven)

  • Beurteilung der Arbeit 1134 durch die Jury

    Mit „Build it Green!“ liegt ein ambitionierter Entwurf vor, der das Tempelhofer Feld als Zukunftslabor für urbane Entwicklung versteht, nicht als abgeschlossenes Gestaltungsvorhaben, sondern als prozesshafte Vision für einen zukunftsfähigen innerstädtischen Park des 21. Jahrhunderts. In seiner Grundhaltung lehnt er jede bauliche Entwicklung innerhalb des Feldes ab und plädiert stattdessen für einen langfristig lernenden und dynamischen Entwicklungsprozess. Diese Entscheidung beruht auf dem Verständnis des Feldes als Gemeingut, das nicht nur ökologisch, sondern auch sozial, kulturell und klimapolitisch bedeutsam ist.

    Das Konzept gliedert sich räumlich in zwei Hauptbestandteile: das zentrale, weitgehend offene Wiesenfeld als soziale und ökologische Mitte sowie die „Waldmembran“, die das Feld rahmt und zoniert. Das Wiesenfeld wird als Resonanzraum begriffen – ein nutzungsoffener Ort der kollektiven Aneignung, der Erholung, Bewegung und spontanen Nutzung. Die extensive Pflege und Förderung einer artenreichen Pflanzenstruktur unterstreichen den ökologischen Anspruch. Zugleich steht das Feld den Menschen in vielfältiger Form zur Verfügung: für Freizeit, Sport, Veranstaltungen und Begegnung.

    Die „Waldmembran“ übernimmt darüber hinaus eine Vielzahl an weiteren Aufgaben: Sie dient als gestalterischer Übergang zur umgebenden Stadt, als klimatischer Puffer, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und vor allem als nutzungsbestimmter sozialer Bewegungsraum. Die drei Landschaftstypen – Savanne, Lichtwald und Urwald – sind Ausdruck eines mosaikartigen, anpassungsfähigen Landschaftsverständnisses, das auf Biodiversität, Widerstandsfähigkeit und klimatische Relevanz zielt.

    Hervorzuheben ist das starke partizipative Fundament des Entwurfs. Die Strukturierung über ein dauerhaft tagendes Feldforum, zyklische Evaluationsprozesse sowie Testflächen für neue Nutzungsideen machen das Tempelhofer Feld zu einem offenen Labor für demokratische Stadtentwicklung. Statt eines einmal festgelegten Plans verfolgt der Entwurf ein iteratives Modell: Beteiligung, Erprobung, Bewertung und Anpassung sind zentrale Prinzipien, die dem Park dauerhaft Lebendigkeit und soziale Legitimität verleihen sollen. Ob das durchaus konflikthafte Nebeneinander der Ansprüche an den Ort über die Weite des Feldes oder aber über konkrete Maßnahmen zum Schutz der sensiblen Strukturen erfolgt, wird nicht weiter ausgeführt.

    In Bezug auf die Funktion, Wirkung und Realisierbarkeit der Waldmembran wurde die Arbeit kontrovers diskutiert. Neben der positiv bewerteten Pufferwirkung führte die überwiegende Gleichförmigkeit der Baumstellungen zu einem monotonen Rahmen, der den Bezug zur Stadt negiert und somit das Feld um diese Dimension reduziert. Wie stark die tatsächliche Wirksamkeit der Waldmembran als Lärm- oder Klimapuffer wirkt, konnte abschließend nicht geklärt werden.

    Auch soziale Aspekte geraten in den Fokus: In den dichten Aufforstungen fehlt es möglicherweise an sozialer Kontrolle. Gleichzeitig bietet die offene innere Mitte bei Hitzemonaten keinerlei Schatten, was die Nutzungsvielfalt in den Sommermonaten weiterhin einschränken wird.

    Hinsichtlich der Erschließung und Vernetzung benennt der Entwurf die heute bereits vorhandenen und aufgewerteten Zugänge zum Gelände, bei der Weiterentwicklung hinsichtlich Gestaltung, Barrierefreiheit und Anbindung an angrenzende Quartiere bleiben die Verfassenden vage.

    Einige Empfehlungen aus den Dialogwerkstätten wurden in dieser Arbeit aufgegriffen, insbesondere in Bezug auf Klima, Freiräume und Biodiversität.

    Trotz der kritischen Anmerkungen würdigt die Jury die übergeordnete Vision des Entwurfs. In „Build it Green!“ erkennt sie einen wegweisenden Beitrag zur Zukunft des Tempelhofer Feldes – kraftvoll in seiner Haltung, reflektiert im Prozessverständnis, mit hohem Anspruch an soziale und ökologische Verantwortung.

  • Preisgruppe 1134 Perspektive 1

    Perspektive

  • Preisgruppe 1134 Perspektive 2

    Perspektive

  • Preisgruppe 1134 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1134 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Preis: 24.166,67 €

Landschaftsarchitekt*in: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
Verfasser*innen: Dipl.-Ing. Franz Reschke
Mitarbeiter*innen: Johanna König, Max Erdmann, Katharina Müller, Jacob Mayer

Sonderfachleute:
Paul Trakies (Illustration)

  • Beurteilung der Arbeit 1135 durch die Jury

    Leitidee der Arbeit „Stadtlichtung“ ist es, mit fünf Baumhainen mit jeweils unterschiedlichen „Charakteren“, die offene Weite des Tempelhofer Feldes an seinen Rändern stärker zu gliedern. Eine Bebauung ist nicht vorgesehen.

    Die Haine beginnen jeweils an den Rändern des Feldes und schieben sich keilförmig und kontextabhängig unterschiedlich weit über den Taxiway hinaus in Richtung Feldmitte. Gleichwohl lassen sie dabei einen großen Teil des Wiesenmeers frei. Von der Feldmitte aus gesehen, gliedern sich damit stärker die bislang eher gleichmäßig und weit entfernt wahrzunehmenden Raumkanten des Felder. D.h. von Bäumen überstellte und schattige Bereiche sind schneller von der Feldmitte aus erreichbar.

    Zwischen den Hainen liegen die sogenannten „Wiesenfenster“, die bis zu den Rändern des Feldes führen und dort Eingänge und Sichtbeziehungen Richtungen Stadt bilden. Die breiten Fenster im Norden und Süden können für einen Fluss von Kaltluft sorgen, insgesamt können aber die Lage der Fenster, die Dimension und konkrete Ausgestaltung nicht vollständig von der Jury nachvollzogen werden.

    Die den Ort prägenden Start- und Landebahnen werden am Ende bzw. Beginn unterschiedlich in die Haine eingebunden: Auf der Neuköllner Seite bleiben sie unverändert freigestellt, der neue Hain spannt sich dazwischen auf. Auf der Tempelhofer Seite dagegen ragen die Bahnen in die Haine hinein, so dass die Bäume direkt bis an die befestigten Flächen reichen und so Orte mit neuer Qualität für Aufenthalt und Raumerlebnis schaffen. Die Vegetation der Haine soll von Leitarten geprägt sein, passend zu den jeweiligen Nutzungen bzw. deren Lage auf dem Feld.

    Die unterschiedlichen Nutzungen in den Hainen sind jeweils gerahmt durch die Baumsetzungen und daher mit einem sinnvollen Puffer zum offenen Wiesenmeer bzw. den angrenzenden Kontexten umgeben. Diese jeweils gleiche Gestaltidee in allen Hainen sichert zwar einerseits die Ablesbarkeit der Leitidee und eine große Einheitlichkeit. Dies wurde aber auch als zu monoton und unspezifisch diskutiert.

    Die Funktionen in den Hainen sind abgeleitet aus den bestehenden Nutzungen und können diese Angebote gut ergänzen. Lediglich beim Sporthain im Südosten wird das kritisch gesehen: Es werden wertvolle Biotopflächen bzw. die Bereiche des Nabu durch Baumsetzungen und Sportflächen überformt. Gleichzeitig sind die bestehenden Sportanlagen am Columbiadamm als Teil eines offenen „Wiesenfensters“ definiert und nicht auf ähnliche Art als Teil eines Hains gestaltet. Diese Entscheidung scheint nicht nachvollziehbar.

    Die gute Erreichbarkeit der Nutzungsangebote innerhalb der Haine, ist mit neuen Erschließungen und einem engmaschigen Wegenetz sichergestellt. Zur besseren Erschließung des gesamten Feldes werden an der Ringbahn zwei neue S-Bahnhöfe vorgesehen. Die am südlichen Wiesenfenster liegende Station ist sinnvoll gesetzt, aber mit nur einem Weg nicht ausreichend prominent und gut auffindbar angebunden. Die Station an der Oderstraße scheint verzichtbar.

    Das Rückhaltebecken nahe dem Vorfeld des Flughafengebäudes ist eine sinnvolle Ergänzung der grünen Infrastruktur.

    Einige der in der Dialogwerkstatt formulierten Empfehlungen, insbesondere in Bezug auf die Freiräume und nachbarschaftliche Verbindungen wurden in diesem Beitrag aufgegriffen.

    Insgesamt ist die Arbeit ein interessanter Beitrag, der das Feld von den Rändern ausgehend mit freiräumlichen Setzungen moderat überformt, dabei viele neue, auch partizipativ zu entwickelnde Nutzungen integriert, diese Nutzungen werden aber gebündelt angeboten. Damit kann das Wiesenmeer in seiner Offenheit erhalten und mit seinen ökologisch sensiblen Bereichen geschützt bleiben. Dies ist im Spektrum der Ideen ein gut nachvollziehbarer Vorschlag.

  • Preisgruppe 1135 Perspektive 1

    Perspektive

  • Preisgruppe 1135 Perspektive 2

    Perspektive

  • Preisgruppe 1135 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1135 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Preis: 24.166,67 €

Architekt*in: raumlabor, Berlin
Verfasser*innen: Christoph Mayer
Mitarbeiter*innen: Benjamin Foerster-Baldenius, Markus Bader, Mariana Malhó,
Jana Köhle, Corinna Studier, Moritz Pfister, Jule Jungblut

Landschaftsarchitekt*in: urban catalyst, Berlin
Verfasser*innen: Klaus Overmeyer, Julian Hees

Sonderfachleute:
Christopher Dell

  • Beurteilung der Arbeit 1140 durch die Jury

    Die Verfassenden würdigen das THF ausdrücklich als gemeinschaftlichen Freiraum mit überregionaler Bedeutung und Wertschätzung. Vor diesem Hintergrund empfehlen sie, auf eine definierte und dauerhafte Bebauung zu verzichten und den Ort als eine Möglichkeit für Experimente zu verstehen. Der Vorschlag zielt auf ein prozesshaftes und partizipatorisches Vorgehen. Hierbei geht es dezidiert nicht um ein hartes Festhalten am derzeitigen Bestand, sondern um ein gemeinschaftliches und öffentliches „Ausprobieren“ und Weiterentwickeln, welche Ansatzpunkte für die künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen relevant sind. Zentraler Fokus wird auf die Themen Klimaresilienz, gesellschaftlichen Zusammenhalt und resiliente Infrastrukturen gelegt.

    Wenige feste planerische und gestalterische Vorschläge werden durch eine große Anzahl an vielfältigen Ansatzpunkten ergänzt, deren Umsetzung durch ein Regelwerk definiert ist.

    Die Fläche wird grundsätzlich in zwei Bereiche geteilt. Innerhalb des Taxiways soll das bestehende Wiesenmeer vor einer allzu intensiven Nutzung bewahrt werden um dort im Sinne der Biodiversität auch geschützten Arten einen Ort zu geben. Angelehnt an den Taxiway wird ein sog. „Aha-Graben“ vorgeschlagen, eine niedrige Mauer mit anschließendem Wassergraben, der einen direkten Zugang deutlich erschwert und auf wenige Zugänge wie die Start- und Landebahnen sowie das Hauptwegenetz beschränkt ist. Mit dieser Maßnahme wird eine durchaus wirksame aber auch hinterfragungswürdige Barriere eingeführt, ohne dabei die erfahrbare Weite des Feldes einzuschränken. Im Preisgericht wird kontrovers diskutiert, inwieweit eine solch aufwändige und in den Bestand eingreifende bauliche Veränderung zur Erreichung des sinnvollen Zieles notwendig ist.

    Im Gegenzug sollen die außen begrenzenden Zäune vollständig abgebaut werden um im äußeren Ring eine ganztägige Zugänglichkeit zu ermöglichen. Ob der genannte Ausgleich durch ordnungspolitische Überwachung für die Gewährung der nächtlichen Sicherheit und Ordnung ausreicht wird offengelassen.

    Im äußeren Ring entsteht der sog. Think-Belt, in dem unterschiedliche Entwicklungen ausprobiert werden sollen. Dezidiert wird das Flughafengebäude und das Vorfeld miteinbezogen, da es einen relevanten Bestandteil des Belts darstellt.

    Im diesem umlaufenden Belt werden umfangreiche Vorschläge für Entwicklungen aufgezeigt, wie die fokussierten Themen auf der Fläche angegangen werden können. Sport- und Freizeiteinrichtungen, Einrichtungen für gemeinschaftliche Aktivitäten wie eine „Montage City“, Orte für Austausch, politische und kulturelle Bildung, Flächen für experimentelles Bauen im Sinne der Zirkularität bilden den bunten Strauß an Möglichkeiten.

    Die Zugänglichkeit der Fläche soll von allen Seiten verbessert werden. Eine Entfernung des Zauns ermöglicht einen niederschwelligen Zugang von allen Seiten. Eine Öffnung des ehemaligen Flughafengebäudes verbunden mit einer Nutzung des zentral gelegenen Bauteils der mittleren Fläche als neue Zentralbibliothek und der Vorfläche als Potenzialfläche für „angewandte Baukultur“ bindet das monumentale Gebäude in die Entwicklung ein. Auf der Neuköllner Seite werden die ankommenden Straßen durch sogenannte „Sunset-Brücken“ auf das Feld verlängert, um mit großen Treppenanlagen diesem dichtesten angrenzenden Stadtteil attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten zu geben.

    Im Sinne der Klimawandelanpassung soll in diesem Bereich in Anlehnung an den historischen Sportpark ein Wald mit Lichtungen auch für die künftig heißeren Tage eine Aufenthaltsmöglichkeit auf dem Feld entstehen.

    Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen, den Feldrand zum Tempelhofer Damm zu qualifizieren, wird von der Jury in Frage gestellt.

  • Preisgruppe 1140 Perspektive 1

    Perspektive

  • Preisgruppe 1140 Perspektive 2

    Perspektive

  • Preisgruppe 1140 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Preisgruppe 1140 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

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Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe