Die Arbeit „Eine Zukunft, die aus Freiräumen wächst“ verfolgt einen sehr zurückhaltenden, landschaftsorientierten Ansatz, der das Tempelhofer Feld in seiner Offenheit und Unbebautheit als zentrales städtisches Potenzial begreift. Die Verfasserinnen und Verfasser verzichten bewusst auf dauerhafte bauliche Eingriffe und schlagen stattdessen eine Entwicklung aus der Leere heraus vor: als Kaltluftentstehungsraum, Wasserspeicher, Biodiversitätsfläche, Energiespeicher sowie als Raum für zukünftige Nutzungen durch Initiativen.
Im Bereich innerhalb des Taxiways bleiben große Flächen offen. Kleinräumige Interventionen, wie eine Wasserretentionsfläche, eine Hundefreilauffläche und vereinzelte Aussichtspunkte, ergänzen den landschaftlichen Charakter zurückhaltend. Der äußere Ring wird punktuell aktiviert: Im Süden soll ein dichter bepflanzter Parkstreifen Schallimmissionen durch Verkehr abmildern. In Ost und West, an den Enden der ehemaligen Start- und Landebahnen, sind experimentelle und demonstrative Nutzungen vorgesehen. Ein großmaßstäbliches temporäres Dach bietet wetterunabhängige Aktionsflächen. Im Norden entstehen kombinierte Angebote aus Marktplatz, urbaner Landwirtschaft, Sport- und Bewegungsflächen.
Die infrastrukturelle Erschließung wird weiterentwickelt. Eine neue S-Bahn-Station im Südosten, zusätzliche Eingänge sowie ein verdichtetes Wegenetz sollen die Zugänglichkeit erhöhen. Versiegelte Flächen sollen im Zeitverlauf erodieren und von der Natur zurückerobert werden.
Die Jury würdigt den Entwurf als inhaltlich breit aufgestelltes und gut begründetes Konzept, das vielfältige Themen integriert: Geschichte, Energie, Ernährung, Ökologie, Biodiversität, Wasserhaushalt, Partizipation und Innovation. Die Ergebnisse der Dialogwerkstätten wurden sichtbar aufgenommen – insbesondere die Themen Grünräume, Klima, Freiraumqualitäten, Nachbarschaften und Vernetzung. Der bewusste Verzicht auf Bebauung wird als klare Haltung verstanden.
Die vorgeschlagene Verdichtung des Wegenetzes sowie neue Eingangssituationen werden als positiv wahrgenommen. Es fehlt jedoch an einer präzisen Ausgestaltung und Hierarchisierung der einzelnen Zugänge, insbesondere im Hinblick auf ihre jeweilige Funktion und Identität.
Als innovativ wird die Idee eines unterirdischen Aquifer-Thermal-Energy-Systems gewertet, das als dezentrale Energiequelle für ein umliegendes Niedertemperatur-Fernwärmenetz dienen könnte. Die Nutzung des Flughafengebäudes als Standort für Photovoltaik wird angesprochen. Ebenso gibt es Verweise auf das Thema Grundwassernutzung. Diese Ideen stellen das Potenzial des Feldes als Energiespeicher heraus. Die technische und organisatorische Umsetzbarkeit – insbesondere im Hinblick auf die Erschließung der angrenzenden Quartiere – erscheint jedoch herausfordernd. Insgesamt wird das Thema Energie zwar gesetzt, aber nicht konkretisiert.
Die Entwicklung landschaftlicher Retentionsräume wird grundsätzlich positiv bewertet. Angesichts des trocken-heißen Stadtklimas erscheint die Realisierbarkeit dauerhafter Wasserflächen jedoch eingeschränkt.
Die Lärmschutzfunktion des südlichen Parkstreifens wird anerkannt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch die starke Rahmung des Feldes dessen inselartige Isolierung verstärkt und sozial wenig aktive Räume geschaffen werden.
Insgesamt wird der Entwurf als in Teilen widersprüchlich wahrgenommen: Textliche Aussagen, zeichnerische Darstellungen und konzeptionelle Schaubilder sind nicht immer konsistent. Die Gliederung des zentralen Feldes in drei Teilräume – Flughafen, Wiesenmeer und Biotop – erscheint schematisch und ohne erkennbare ökologische Begründung. Der experimentelle Charakter, der in der textlichen Beschreibung deutlich wird, findet in den Plänen und Visualisierungen nur eingeschränkt Ausdruck. Die Vertiefungen bleiben unkonkret in Bezug auf räumliche Ambitionen, neue Elemente und Bestandsbereiche. Die Setzung einzelner Baumpflanzungen entlang der Rollbahnen wird zudem kritisch hinterfragt, da sie die Freiraumwirkung punktuell stören und den landschaftlichen Charakter schwächen könnten.
Die Jury bewertet den Entwurf als zugleich ambitioniert und zurückhaltend: In Bezug auf Klimaresilienz und Energie zeigt die Arbeit klare und zukunftsweisende Ansätze. Hinsichtlich der Programmierung und räumlichen Konfiguration des äußeren Rings bleibt sie jedoch vage und unentschieden, wodurch eine verlässliche Orientierung für die Weiterentwicklung des Tempelhofer Feldes nur bedingt gegeben ist.