Anerkennungen

Anerkennung: 7.500 €

Architekt*in: von Ey Architektur GmbH in ARGE mit PHR Planung und Stadtentwicklung GmbH, Berlin
Verfasser*innen: Dipl.-Ing. Ulrich von Ey, Dipl.-Ing. Moritz Henkel, Dipl.-Ing. Philipp Rentschler
Mitarbeiter*innen: Olga Epova, Sofia Liakhovetckaia

Landschaftsarchitekt*in: mahl gebhard konzepte, München
Verfasser*innen: Andrea Gebhard
Mitarbeiter*innen: Paul Grosser, Anni Zhao, Maria Portugal, Tong Wu

  • Beurteilung der Arbeit 1132 durch die Jury

    Der Entwurf fokussiert die Schaffung eines großen Bauvolumens in Form einer Randbebauung bei gleichzeitig minimaler Inanspruchnahme des Tempelhofer Feldes. Dabei wird das Feld innerhalb des Bearbeitungsgebiets an zwei Orten – im Osten und im Norden – in Anspruch genommen. Darüber hinaus werden innerhalb des Betrachtungsgebiets Entwicklungspotenziale im direkt südlich angrenzenden Gebiet entlang der Verkehrstrassen von Bahn und Autobahn, sowie untergeordnet nordwestlich des Flughafengebäudes und nördlich des Columbiadamms identifiziert. Die Randbebauung wird somit weitestmöglich „an den Rand gedrückt“. Typologisch wird sie in den Kontext der jeweils anschließenden Quartiere gesetzt und vernetzt diese zugleich mit dem Feld.
    Im Osten wird die gründerzeitliche Struktur des Schillerkiezes in der Tiefe eines Baublocks mit einer 6- bis 8-geschossigen Bebauung in Richtung Feld erweitert, welche sich in der Höhe zum Feld hin abtreppt und im Grundriss zum Feld hin aufweitet, um so von den anschließenden Straßenräumen des Schillerkiezes den Blickwinkel auf das Feld zu erweitern.

    Für die Freiflächen im Norden entlang des Columbiadamms werden insgesamt sechs Hochhäuser vorgeschlagen, von denen drei im Bereich des Bearbeitungsgebiets liegen; weitere drei werden nördlich des Columbiadamms gesetzt. Mit dem Überspringen des Dammes und seiner beidseitigen Rahmung wird hier ebenfalls versucht, im Sinne der Vernetzung eine Klammer zum nördlich anschließenden Quartier zu schaffen.

    Im Nordwesten sieht der Entwurf eine Bebauung der Flächen zwischen Flughafengebäude und Tempelhofer Damm und Columbiadamm vor.
    Der Hauptteil der Baupotenzialflächen wird am Südrand des Feldes gesehen. Hier wird vorgeschlagen, mit aufgelockerten Baublöcken an die Trassen der S-Bahn und der Autobahn heranzubauen und diese im Wesentlichen auch zu überbauen. Bestandsgebäude werden in die Baublöcke aufgenommen und durch im Schnitt einen Hochpunkt pro Baublock ergänzt. Es entsteht eine lineare Stadtstruktur, welche sich nach Westen über den Tempelhofer Damm hinaus fortsetzt.

    Gewürdigt wird grundsätzlich die Idee einer das Feld möglichst gering beanspruchenden Bebauung unter Einbeziehung des angrenzenden Betrachtungsraums, welche wichtige Blickachsen und Biotope erhält und eine Vernetzung in die umliegenden und insbesondere südlich angrenzenden Quartiere ermöglicht. Ebenso wird die Schaffung einer geordneten und klaren Raumkante am Südrand des Feldes positiv bewertet.

    Die Überbauung der Bahn- und Autobahntrassen ist ein Vorschlag im Geiste der Moderne, der finanziell wie technisch herausfordernd gesehen wird. Hier ist auch das Thema einer späteren Sanierung des Tunnels mitzudenken. Die sich in Fahrtrichtung verändernde Höhenlage insbesondere der S-Bahn scheint nicht berücksichtigt; hier fehlen Schnitte oder sonstige Aussagen zur topographischen Einbettung.

    Die Hochhäuser am Columbiadamm erscheinen aufgrund ihres geringen räumlichen Fußabdruckes und der weiten umliegenden Grünräume als logisch schlüssige Typologie, sind aber als Solitäre in ihrer dann doch isolierten Lage wenig nachhaltig und auch in der Stadtsilhouette an diesem Ort wenig überzeugend.

    Das eingereichte Konzept steht überwiegend nicht im Einklang mit den formulierten Empfehlungen, der Dialogwerkstätten.

    Die westlich an den Schillerkiez anschließende Bebauung wird vom Preisgericht in Teilen kritisch gesehen; hier sind neben der Bedeutung dieses Teil des Feldes für die angrenzenden Nachbarschaften die Aspekte der Vegetation und des Denkmalschutzes zu berücksichtigen.

    Insgesamt erscheint eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung des Entwurfs aufgrund der erforderlichen hohen öffentlichen Investitionen nicht realistisch; gleichwohl zeigen bereits gebaute Beispiele, dass entsprechende Überbauungen bei zukünftig steigenden Bodenpreisen durchaus wirtschaftlich werden können. Als langfristige Vision und als Beitrag im Spannungsfeld zwischen Wohnraumschaffung und Freiraumerhalt leistet der Entwurf in diesem Sinne einen eigenständigen Beitrag.

  • Anerkennung 1132 Perspektive 1

    Perspektive

  • Anerkennung 1132 Perspektive 2

    Perspektive

  • Anerkennung 1132 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Anerkennung 1132 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Anerkennung: 7.500 €

Architekt*in: Neele Müller, Berlin
Verfasser*innen: Neele Müller

  • Beurteilung der Arbeit 1133 durch die Jury

    Bei der Arbeit handelt es sich um einen stark konzeptionellen Vorschlag ohne planerische Darstellungen. Sie wendet sich gegen eine dauerhafte Bebauung des Areals und legt Ihren Schwerpunkt auf die Platzierung von möglichen temporären Aktivitäten im inneren wie äußeren Ring des Tempelhofer Feldes. Sie entzieht sich bewusst einer konkreteren planerischen Darstellung und Ausformulierung, um einer Ausgestaltung in einem zukünftigen Aushandlungsprozess nicht vorzugreifen. Somit reduziert sich die planerische Darstellung auf Piktogramme, die sich als Katalog der Aktivitätspotentiale verstehen lassen und möglichen Interessenten erste Hinweise geben können. Sie schlägt behutsame Nutzungen vor, die von selbst initiativ werdenden Akteurinnen und Akteuren ausgeht.

    Bauliche Angebote sollen reduziert, rückbaubar und zurückhaltend ermöglicht werden oder sich in der Umnutzung bestehender Gebäude wiederfinden.

    Die Nutzungspotentiale werden in Relation zum Bestand sowie zu den topographischen und ökologischen Beeinträchtigungen (Frischluft und Biodiversität) sorgfältig ausgewählt. Für bestehende Gebäude werden zum Teil konkrete Nutzungen vorgeschlagen.

    Die außerhalb des Wettbewerbsgebietes liegenden Flächen und Gebäude des ehemaligen Flughafens werden als hohes ergänzendes Nutzungspotential gesehen. Die dort bestehenden und potentiellen Nutzungen werden innerhalb des gesamten Potentials als integraler Bestandteil gewertet.

    Die vorgeschlagenen Angebote zeigen eine hohe Vielfalt im kulturellen, Bildungs-, sozialen und ökologischem Interessensbereich.

    Gleichzeitig baut die Arbeit stark auf den schon vorhandenen Prozessen und Qualitäten des Feldes auf.

    Die Arbeit geht respektvoll mit dem historischen Erbe um.

    Sie weist darauf hin, dass eine bessere Vernetzung mit dem Wohnumfeld erforderlich ist und schlägt eine hohe Zugänglichkeit an vielen Anknüpfungspunkten vor. Leider verbleibt sie dabei planerisch sehr unkonkret. Sie begrüßt einen südlichen gelegenen neuen S-Bahnhaltepunkt.

    Die Arbeit versteht sich als Möglichkeitsraum ohne Setzungen, auch um hier einen Kontrapunkt zur baulichen Verdichtung der Stadt zu setzen.
    Sie macht das Unprogrammierte zum Programm, setzt temporäre Nutzung als dauerhafte Bedingung und will das Areal als dauerhafte Ressource im Sinne eines Zukunftssicherungsgebietes verstehen. In ihrem Sinne versteht sie das Areal als fertig beplant.

    Dieser konzeptionelle Beitrag berücksichtigt die Ergebnisse der Dialogwerkstatt zu einem sehr großen Teil, insbesondere in den Bereichen Klima, Freiräume, nachbarschaftliche Vernetzungen, Gemeinwohl und gesamtstädtische Bedarfe.

    Der Vorschlag ist ein interessanter, deutlicher Kontrapunkt zu der Idee einer baulichen oder freiraumplanerischen geländegestaltenden Überformung des Feldes. Ziel ist die zu modellierende ständige Wandelbarkeit, die als dauerhafter Lernprozess verstanden wird.

    Für die weitere Bearbeitung braucht dieser Vorschlag planerische Leitplanken und den planerischen Dialog.

  • Anerkennung 1133 Perspektive 1

    Perspektive

  • Anerkennung 1133 Perspektive 2

    Perspektive

  • Anerkennung 1133 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Anerkennung 1133 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Anerkennung: 7.500 €

Architekt*in: PYSALL Architekten, Berlin
Verfasser*innen: Justus Pysall
Mitarbeiter*innen: Yu Chen, Jonathan Avar, Altagracia Spannring, Frida Hofmann

Sonderfachleute:
Prof. Karen Eisenloffel (EiSat GmbH, Berlin, Tragwerksplanung)
Michael Viernickel (eZeit Analytics GmbH, Berlin, Gebäude- und Energietechnik)

  • Beurteilung der Arbeit 1137 durch die Jury

    Die Arbeit „Eine Zukunft, die aus Freiräumen wächst“ verfolgt einen sehr zurückhaltenden, landschaftsorientierten Ansatz, der das Tempelhofer Feld in seiner Offenheit und Unbebautheit als zentrales städtisches Potenzial begreift. Die Verfasserinnen und Verfasser verzichten bewusst auf dauerhafte bauliche Eingriffe und schlagen stattdessen eine Entwicklung aus der Leere heraus vor: als Kaltluftentstehungsraum, Wasserspeicher, Biodiversitätsfläche, Energiespeicher sowie als Raum für zukünftige Nutzungen durch Initiativen.

    Im Bereich innerhalb des Taxiways bleiben große Flächen offen. Kleinräumige Interventionen, wie eine Wasserretentionsfläche, eine Hundefreilauffläche und vereinzelte Aussichtspunkte, ergänzen den landschaftlichen Charakter zurückhaltend. Der äußere Ring wird punktuell aktiviert: Im Süden soll ein dichter bepflanzter Parkstreifen Schallimmissionen durch Verkehr abmildern. In Ost und West, an den Enden der ehemaligen Start- und Landebahnen, sind experimentelle und demonstrative Nutzungen vorgesehen. Ein großmaßstäbliches temporäres Dach bietet wetterunabhängige Aktionsflächen. Im Norden entstehen kombinierte Angebote aus Marktplatz, urbaner Landwirtschaft, Sport- und Bewegungsflächen.

    Die infrastrukturelle Erschließung wird weiterentwickelt. Eine neue S-Bahn-Station im Südosten, zusätzliche Eingänge sowie ein verdichtetes Wegenetz sollen die Zugänglichkeit erhöhen. Versiegelte Flächen sollen im Zeitverlauf erodieren und von der Natur zurückerobert werden.

    Die Jury würdigt den Entwurf als inhaltlich breit aufgestelltes und gut begründetes Konzept, das vielfältige Themen integriert: Geschichte, Energie, Ernährung, Ökologie, Biodiversität, Wasserhaushalt, Partizipation und Innovation. Die Ergebnisse der Dialogwerkstätten wurden sichtbar aufgenommen – insbesondere die Themen Grünräume, Klima, Freiraumqualitäten, Nachbarschaften und Vernetzung. Der bewusste Verzicht auf Bebauung wird als klare Haltung verstanden.

    Die vorgeschlagene Verdichtung des Wegenetzes sowie neue Eingangssituationen werden als positiv wahrgenommen. Es fehlt jedoch an einer präzisen Ausgestaltung und Hierarchisierung der einzelnen Zugänge, insbesondere im Hinblick auf ihre jeweilige Funktion und Identität.

    Als innovativ wird die Idee eines unterirdischen Aquifer-Thermal-Energy-Systems gewertet, das als dezentrale Energiequelle für ein umliegendes Niedertemperatur-Fernwärmenetz dienen könnte. Die Nutzung des Flughafengebäudes als Standort für Photovoltaik wird angesprochen. Ebenso gibt es Verweise auf das Thema Grundwassernutzung. Diese Ideen stellen das Potenzial des Feldes als Energiespeicher heraus. Die technische und organisatorische Umsetzbarkeit – insbesondere im Hinblick auf die Erschließung der angrenzenden Quartiere – erscheint jedoch herausfordernd. Insgesamt wird das Thema Energie zwar gesetzt, aber nicht konkretisiert.

    Die Entwicklung landschaftlicher Retentionsräume wird grundsätzlich positiv bewertet. Angesichts des trocken-heißen Stadtklimas erscheint die Realisierbarkeit dauerhafter Wasserflächen jedoch eingeschränkt.

    Die Lärmschutzfunktion des südlichen Parkstreifens wird anerkannt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch die starke Rahmung des Feldes dessen inselartige Isolierung verstärkt und sozial wenig aktive Räume geschaffen werden.

    Insgesamt wird der Entwurf als in Teilen widersprüchlich wahrgenommen: Textliche Aussagen, zeichnerische Darstellungen und konzeptionelle Schaubilder sind nicht immer konsistent. Die Gliederung des zentralen Feldes in drei Teilräume – Flughafen, Wiesenmeer und Biotop – erscheint schematisch und ohne erkennbare ökologische Begründung. Der experimentelle Charakter, der in der textlichen Beschreibung deutlich wird, findet in den Plänen und Visualisierungen nur eingeschränkt Ausdruck. Die Vertiefungen bleiben unkonkret in Bezug auf räumliche Ambitionen, neue Elemente und Bestandsbereiche. Die Setzung einzelner Baumpflanzungen entlang der Rollbahnen wird zudem kritisch hinterfragt, da sie die Freiraumwirkung punktuell stören und den landschaftlichen Charakter schwächen könnten.

    Die Jury bewertet den Entwurf als zugleich ambitioniert und zurückhaltend: In Bezug auf Klimaresilienz und Energie zeigt die Arbeit klare und zukunftsweisende Ansätze. Hinsichtlich der Programmierung und räumlichen Konfiguration des äußeren Rings bleibt sie jedoch vage und unentschieden, wodurch eine verlässliche Orientierung für die Weiterentwicklung des Tempelhofer Feldes nur bedingt gegeben ist.

  • Anerkennung 1137 Perspektive 1

    Perspektive

  • Anerkennung 1137 Perspektive 2

    Perspektive

  • Anerkennung 1137 Präsentationsplan 1

    Präsentationsplan 1

  • Anerkennung 1137 Präsentationsplan 2

    Präsentationsplan 2

Kontakt

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe