Waidmannslust

Kirche Waidmannslust
Bild: Bezirksamt Reinickendorf

1875 erstmals erwähnt, konnte Waidmannslust im Jahre 2000 sein 125jähriges Bestehen feiern. Zur damaligen Zeit stand mitten im Waldgebiet, das zur Landgemeinde Lübars gehörte, die Gastwirtschaft “Waidmannslust”. Der Förster und Gastwirt Ernst Bondick errichtete und bewirschaftete diese Gaststätte und ist demzufolge der Gründer von Waidmannslust. Erst nach 1945 wurde es zum eigenständigen Ortsteil Reinickendorfs ernannt.

Die Villen und Landhäuser prägen den architektonischen Stil von Waidmannslust, das für viele Franzosen zur zweiten Heimat wurde. Seit dem Abzug der Alliierten im Jahre 1994 leben noch ca. 9000 Franzosen in Reinickendorf – viele von ihnen in Waidmannslust. Sie waren es auch, die im Laufe der Jahre diesen Ortsteil zunehmend frankophil erscheinen ließen. In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von namhaften Architekten wie Josef Paul Kleinhues errichtete Neubauten fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Im nahe gelegenen Steinbergpark lässt es sich nicht nur geruhsam spazieren gehen, sondern hier findet der Spaziergänger auch den größten Wasserfall Berlins.

Aber auch die Neuzeit hat ihre Spuren hinterlassen; so entstand von 1966 bis 1971 im östlichen Teil von Waidmannslust die sogenannte “Rollberge Siedlung” mit ihren Hochhäusern – Auswirkungen des fehlenden Wohnraumes nach dem Bau der Berliner Mauer. Von den Bewohnern wird diese Siedlung liebevoll “Schwarzwald-Siedlung” genannt, da die Straßen nach Schwarzwaldorten benannt wurden.
Westlich von Lübars schließt sich eng mit der Geschichte des letzten Berliner Bauerndorfes verwoben der Wohnort Waidmannslust an, den man entweder mit dem Bus 222 von Tegel aus, am besten jedoch mit der S-Bahn (S 1 und S 2) erreichen kann.

Die Entstehung verdankt die einstige Sommerfrische und Villenkolonie dem auf dem Hermsdorfer Gut arbeitenden Förster Bondick, der das Land von der Lübarser Bauernwitwe Knobbe 1875 erwarb. Nach dem Tode ihres Mannes war sie gezwungen, 64 Morgen zu verkaufen, um die Erben auszuzahlen. Bondick, der das Land für seinen Gutsbesitzer Leopold Lessing erwerben sollte, kaufte das gesamte Areal, das sehr günstig am Tegeler Weg (heute: Waidmannsluster Damm) lag, für sich selbst und errichtete inmitten des Waldes ein mit Reh- und Hirschgeweihen geschmücktes Wirtshaus (heute: Waidmannsluster Damm 144), das er “Waidmannslust” nannte.

Wegen der nahegelegenen Bahn, an der 1884 eine Haltestelle eingerichtet wurde, entwickelte sich Waidmannslust zunächst zu einem Ausflugsort und sehr bald zu einem Berliner Vorort, anfangs mit Villen- und Landhäusern und in den folgenden Jahrzehnten mit größeren Wohnsiedlungen.

Bei wichtigen politischen oder kulturellen Ereignissen erkannte man als Spaziergänger an der gehissten französischen Trikolore, dass der Botschafter in Berlin weilt. Im Nachbargebäude in der Dianastraße 44-46 befand sich der Dienstsitz des französischen Gesandten.

Bis 1994 befand sich in der Villa in der Bondickstraße 1 die Residenz des französischen Generals. Der terrassenförmige Garten dieses Anwesens erstreckt sich bis zum Waidmannsluster Damm. Das 1903 für den Bankdirektor Noelte errichtete Landhaus in der DianastraBe 42-43, das in den dreißiger Jahren dem Schokoladen- und Bonbonfabrikanten Julius Schönborn gehörte, war nach mehreren Umbaumaßnahmen die Residenz des französischen Botschafters.

Das einzige Wahrzeichen, das man insbesondere im Winter von der S-Bahn aus sieht, wenn die Bäume ihre Blätter verloren haben, ist der Turm der Königin-Luise-Kirche in der Bondick-/Ecke Hochjagdstraße, die 1912/13 auf einem eiszeitlich gebildeten Moränenrücken errichtet wurde. Die Kirche besteht aus Rüdersdorfer Kalksteinen und Klinkersteinen aus Rathenow. Ihr Turm wurde dem Rathaus von Tangermünde nachempfunden. Dies entsprach dem Wunsch der Kaiserin Auguste Viktoria, die die Protektorin des Evangelischen Kirchbauvereins gewesen war. Die Außenwand ziert ein frühchristliches Sandsteinrelief aus der Zeit um 1200. Vor der Kirche wurde zur 50-Jahr-Feier von Waidmannslust 1925 ein Jubiläumsbrunnen errichtet. Die Kirche selbst erhielt 1958 vier neue Glocken und 1958 eine neue Orgel.

Ein weiteres architektonisches Zeugnis der ersten Jahrzehnte von Waidmannslust ist die 1901 errichtete Schule in der Artemisstraße 22/26 (heute: Münchhausen-Grundschule), die einst als eines der schönsten Schulgebäude des Berliner Nordens gepriesen wurde. Das ursprünglich recht pompös errichtete Gebäude mit seinen Backsteingiebeln, seiner Freitreppe und den hellen Klassenräumen kann heute noch besichtigt werden. Das ehemals freistehende Gebäude ist nach dem Zweiten Weltkrieg durch Anbauten ergänzt worden.

An der Dianastraße/Ecke Fürst-Bismarck-Straße kann man ein recht schönes, gut erhaltenes Jugendstilwohnhaus, das sog. Fürst-Bismarck-Haus, bewundern. In der Nische der Eckfassade befand sich einst ein Standbild Bismarcks, das 1945 entfernt worden ist.

Waidmannslust wird heute durch den Waidmannsluster Damm (östliche Verlängerung: Zabel-Krüger-Damm) in zwei Ortsteile zerschnitten. Nach Norden bildet das Fließ die Grenze zu Hermsdorf. ln der Nähe des S-Bahnhofs hat sich an der Cyclopstraße ein 1886 errichtetes Alt-Berliner Pissoir erhalten.

Trotz der ursprünglichen Idee einer Villen- und Landhauskolonie hat sich Waidmannslust, nachdem bereits ab 1895 die ersten mehrstöckigen Mietshäuser gebaut worden waren, zu einem gehobenen Wohnvorort mit gemischter Bebauung entwickelt. In den Jahren 1966 bis 1972 wurde zwischen dem Zabel-Krüger-Damm entlang der Schluchsee- und Titiseestraße die Rollberge-Siedlung, eine Neubau-Wohnanlage mit über 2000 Wohnungen, errichtet, die in ihrem Äußeren den Mietwohnbauten des Märkischen Viertels ähnelt. Verschiedene Architekten wie Josef Paul Kleihues, Heinrich Moldenschardt u. a. entwarfen einzelne Bauten. Das 22geschossige Doppelhochhaus an der Titiseestraße stammt von Hans Scharoun, nach dessen Plänen z. B. auch die Berliner Philharmonie errichtet worden ist.