Wenn Anneliese Oleck erzählt, wird Geschichte lebendig. Die 100-Jährige erinnert sich an ihre Kindheit in Wuppertal, an die Kriegsjahre und an ein Zuhause, das ihr Halt gab. Ihr Vater war Arzt, ihre Mutter unterstützte ihn in der Praxis. „Ich hatte ein gutes Elternhaus“, sagt sie rückblickend.
Der Liebe wegen zog sie später nach Berlin. Eine Stadt, die ihr zur Heimat wurde und in der sie die Nachkriegszeit und den Mauerbau erlebte. Einen Beruf erlernte sie nicht. Sie war Hausfrau und half, solange noch keine Kinder da waren, im Textilgeschäft ihrer Schwiegereltern in Zehlendorf mit.
Ihr Mann arbeitete als Arzt – zunächst in Tempelhof, später am Dominikus-Krankenhaus in Hermsdorf. Wenn neben Familie und Beruf Zeit blieb, genossen beide das Berliner Kulturleben mit Theaterbesuchen, Opernaufführungen und Konzerten. Das größte Glück ihres Lebens ließ lange auf sich warten. Nach vielen Fehlgeburten wurde ihr Sohn geboren. Noch heute nennt sie ihn die „Krönung meines Lebens“.
Neben ihrer Familie gehörte ihre ganze Liebe dem Garten. Rosen, Stauden und blühende Beete bereiteten ihr über viele Jahre große Freude. Und auch heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erzählt. Mit 100 Jahren, die Anneliese Oleck am Montag, den 22. Juni feiern durfte, blickt die Jubilarin dankbar auf ihr Leben zurück. Nicht, weil alles leicht gewesen wäre. Sondern weil sie trotz aller Herausforderungen viel Glück erfahren durfte.
Besonders in Erinnerung bleibt ein Satz, den sie am Ende ihres Gesprächs mit Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner sagte: „Man muss doch eigentlich dankbar sein, wenn man so alt geworden ist.“ Eine Haltung, die die Bürgermeisterin beeindruckt – und die zeigt, dass Gesundheit, Familie und ein wacher Geist oft die wertvollsten Dinge im Leben sind. „Vielen Dank, liebe Frau Oleck, für dieses besondere Gespräch und für Ihren Blick auf ein ganzes Jahrhundert Leben“, so Demirbüken-Wegner.