Reinickendorf gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht und erinnert an die Vernichtung des tschechischen Dorfes Lidice

Pressemitteilung Nr. 2325 vom 09.11.2025

Mit einer Kranzniederlegung am Denkmal im Reinickendorfer Rathauspark gedachten Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung am Sonntag der Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der Reichspogromnacht von 1938 sowie der Vernichtung des tschechischen Dorfes Lidice 1942.

Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner kritisierte in ihrer Gedenkrede die dramatische Zunahme antisemitischer Anfeindungen: „Studien belegen, dass Jüdinnen und Juden in unserem Land wieder Angst haben müssen – in Schulen, an Universitäten, am Arbeitsplatz. Viele verbergen ihre Identität, meiden öffentliche Räume, fühlen sich allein. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Antisemitismus ist kein jüdisches Problem – er ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Demokratie, auf uns alle.“

Deshalb dürfe die Gesellschaft nicht schweigen. „Wir müssen handeln – mit klarer Haltung, mit konsequenter Strafverfolgung, mit besserem Schutz vor Diskriminierung. Und wir müssen zeigen: Jüdisches Leben gehört zu Reinickendorf, zu Berlin, zu Deutschland“, so die Bürgermeisterin.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde der Menschen im tschechischen Dorf Lidice gedacht, das 1942 von den Nationalsozialisten ausgelöscht wurde. „Als grausame Vergeltung, als Ausdruck einer menschenverachtenden Ideologie, die keinen Raum für Mitgefühl oder Menschlichkeit ließ“, so Emine Demirbüken-Wegner. Sie begrüßte herzlich die Gesandte-Botschaftsrätin, Hana Klučarová, von der tschechischen Botschaft zum gemeinsamen Gedenken.

Schüler Konrad Thesing sive Tehsing vom Europäischen Gymnasium Bertha von Suttner sprach danach über die Eindrücke seiner Mitschüler während der vom Arbeitskreis Politische Bildung organisierten diesjährigen Jugendreise nach Lidice. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden Blumen am Rosenbeet für Lidice niedergelegt.

  • Gemeinsames Gedenken, v.l.: BVV-Vorsteherin Kerstin Köppen, Stadtrat Harald Muschner, Gastredner Konrad Thesing sive Tehsing, Otto Hoppenstedt (Arbeitskreis Politische Bildung), Oberst Jens Roßmanith sowie Schülerinnen und Lehrerin vom Europäischen Gymnasium Bertha von Suttner.

    Gemeinsames Gedenken, v.l.: BVV-Vorsteherin Kerstin Köppen, Stadtrat Harald Muschner, Gastredner Konrad Thesing sive Tehsing, Otto Hoppenstedt (Arbeitskreis Politische Bildung), Oberst Jens Roßmanith sowie Schülerinnen und Lehrerin vom Europäischen Gymnasium Bertha von Suttner.

  • Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner spricht zum Gedenken.

    Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner spricht zum Gedenken.

  • Kantorin Esther Hirsch (re.) sang zwei A-cappella-Gebete.

    Kantorin Esther Hirsch (re.) sang zwei A-cappella-Gebete.

  • Die Gesandte-Botschaftsrätin der tschechischen Botschaft, Hana Klučarová (ganz links im Bild) mit Rosen für die Opfer von Lidice.

    Die Gesandte-Botschaftsrätin der tschechischen Botschaft, Hana Klučarová (ganz links im Bild) mit Rosen für die Opfer von Lidice.