Rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche sehen sich oft Vorurteilen ausgesetzt –sie seien Putin-freundlich, wählten rechts, sprächen nur russisch. Solchen und anderen Vorurteilen sehen sich russlanddeutsche (Spät-)Aussiedlerinnen und Aussiedler ausgesetzt. An aufrichtigem Interesse und Wissen um die bewegte Historie der in Deutschland lebenden Russlanddeutschen mangelt es in unserer Gesellschaft. Am 8. Oktober liest Ira Peter um 19:30 Uhr in der Humboldt-Bibliothek aus ihrem Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“. Das Gespräch mit ihr moderiert Schriftstellerin und Journalistin Wlada Kolosowa.
Ira Peter, die mit ihrer Familie als Neunjährige von Kasachstan nach Deutschland umsiedelte, beschreibt anhand ihrer eigenen bewegten Biografie die Erfahrungen und Konflikte der Russlanddeutschen – von der Scham über die sowjetische Herkunft über die fatalen Folgen kurzsichtiger Integrationspolitik bis hin zur „Anfälligkeit“ für russische Einflussnahme wirft sie einen kritischen und zugleich feinfühligen Blick auf die von der Mehrheitsgesellschaft oft als fremd empfundenen Deutschen. Sie erklärt, wie die doppelte Diktaturerfahrung unter Stalin und Hitler Russlanddeutsche bis heute prägt und manche anfällig für völkisches Denken macht. Gleichzeitig zeigt Ira Peter, wie heterogen die Gruppe ist und warum „Deutschsein“ für sie heute kein Kriterium mehr ist, um deutsch zu sein.
Ein Buch, das nicht nur die Geschichte der Russlanddeutschen beleuchtet, sondern auch zum Nachdenken über Identität und Integration einlädt.
Ira Peter, geboren 1983 in Kasachstan, lebt seit 1992 in Deutschland. Sie studierte Literaturwissenschaften und Psychologie, heute arbeitet sie als freie Journalistin unter anderem für ZEIT Online, taz, Frankfurter Rundschau und beim SWR-Radio in Mannheim.
Wlada Kolosowa, geboren 1987 in Leningrad, ist Schriftstellerin und Journalistin.
Eintritt frei
Humboldt-Bibliothek, Karolinenstr 19, 13507 Berlin-Tegel
Weitere Informationen: www.stadtbibliothek-reinickendorf.de