Aufwühlend und geschichtensatt: Florentine Anders, Enkelin des berühmten DDR-Architekten Henselmann erzählt ihre Familiengeschichte und zugleich 100 Jahre Baugeschichte

Pressemitteilung Nr. 2222 vom 11.09.2025

Cover des Romans „Die Allee“ von Florentine Anders, Galiani Berlin

Der Familienroman „Die Allee“ ist wie gemacht für das neue gemeinsame Veranstaltungsformat „Bühnentausch“ von Stadtbibliothek und dem Museum Reinickendorf. Architektur- und Zeitgeschichte in einem Roman vorgetragen im Museum Reinickendorf. Am Donnerstag, dem 18. September, stellt Florentine Anders um 18.00 Uhr ihren Roman im Gespräch mit Claudia Wasow-Kania (Museum Reinickendorf) vor. Ihr Roman ist spannend, lehrreich und aufwühlend. Wir lesen übers Bauhaus, über den Stararchitekten der DDR, der die Stalin-Allee mitplante und den Fernsehturm erfand, über zwei sich emanzipierende Frauen und die Fallen des DDR-Systems.

Da ist der charismatische, von den Ideen des Bauhauses und der Avantgarde durchdrungene Idealist Hermann Henselmann, der nach dem Krieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins aufsteigt und dort in Konkurrenz zu den West-Berlinern um Scharoun & Co. treten soll. Der Berliner Fernsehturm, die Stalinallee, der Leipziger Uni-Turm sind mit seinem Namen untrennbar verbunden. Er zahlt dafür einen Preis. Ständig muss er lavieren und manchmal auch zu Kreuze kriechen, um wenigstens die Grundlagen seiner modernistischen Ideen vor den stieseligen Vorstellungen der Politführung zu retten. Und da ist vor allem Henselmanns Frau Isi, hochbegabt, die auch als Architektin arbeiten will, aber mit einer auf acht Kinder anwachsenden Familie zu kämpfen hat, ständig die Scherben aufkehren muss, die ihr Mann hinterlässt, und sich zunehmend selbst emanzipiert. Und da ist die Tochter Isa, die sich der erstickenden Manipulation durch den cholerischen Vater entzieht, um ihren dornigen eigenen Weg in ganz anderen Milieus zu gehen. Und dann auch noch die eng verwandte Familie Robert Havemanns, bei dem Kompromisse wenig zählen und der sich der staatlichen Bevormundung komplett verweigert.

Florentine Anders, geboren 1968 in Berlin, ist der Enkelin der Henselmanns. Sie studierte an der Universität Leipzig und der Université Assas in Paris. Danach absolvierte sie die Journalistenschule Centre de Formation des Journalistes (CFJ) in Paris und arbeitete als freie Journalistin in Frankreich und Deutschland. Sie schrieb für verschiedene Zeitungen und ist jetzt Redakteurin beim Studio ZX, ein Unternehmen des Zeit Verlags. Seit 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Hermann-Henselmann-Stiftung.

Eintritt frei
Beginn: 18:00 Uhr
Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin