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Franz Carl Achard

Begründer der Rübenzuckerindustrie

Bild von Achard
Bild: Deutsches Museum, München

Franz Carl Achard wurde 1753 in einer wohlhabenden und einflussreichen Hugenottenfamilie in Berlin geboren. Sein Vater Guillaume, der schon wenige Jahre später verstarb, war Pfarrer an der Friedrichswerderschen Kirche. Der junge Franz Carl begann im Alter von 19 Jahren mit wissenschaftlichen Versuchen, 1775 wurde er Ehrenmitglied der „Gesellschaft der Naturforschenden Freunde“ in Berlin. Ein Jahr später stellte ihn die Königliche Preußische Akademie der Wissenschaften als Chemiker an, anfangs allerdings ohne Gehalt. 1782 folgte Achard Marggraf nach dessen Tode als Direktor der Physikalischen Klasse der Akademie, ein Amt das er bis 1810 innehatte.
Franz Carl Achard experimentierte mit Elektrizität, untersuchte Pflanzen, hielt Vorlesungen über Farben und entwickelte Maschinen. Zeitweise war er der Meteorologe der Akademie, um nur einige seiner Tätigkeiten zu nennen. Ein spektakuläres Ereignis fand 1783 statt, als er den ersten Luftballon über dem Berliner Lustgarten aufsteigen ließ. Doch trotz dieser Vielseitigkeit wäre Achard ohne seine Versuche zur Zuckergewinnung aus Rüben heute wohl nur noch als Wissenschaftshistoriker bekannt.
Mit dem Rübenanbau begann Franz Carl Achard auf seinem Gut in Kaulsdorf, das er im August 1782 kaufte, 1785 aber wider veräußerte. Nach einigen Jahren setzte er seine Arbeiten in Französisch Buchholz, dem heutigen Buchholz in Pankow, fort. Anfang 1801 erwarb Achard im schlesischen Cunern (heute: Konary) ein Gut auf Kredit. Die dort vorhandenen Gebäude und Einrichtungen baute er für die Zuckerherstellung um, begann mit dem Rübenanbau und ab Frühjahr 1802 mit deren Verarbeitung. Fünf Jahre später, im März 1807, brannte seine Zuckerfabrik jedoch ab und die Produktion musste zeitweise eingestellt werden. Achards ohnehin schon sehr schwierige materielle Situation verschärfte sich weiter, auch wenn König Friedrich Wilhelm III. ihn immer wieder mit Geldzuwendungen unterstützte und Achard sein hohes Gehalt auf Jahre hinaus zum großen Teil verpfändet hatte. Erst 1810 wurden seine finanziellen Verhältnisse durch einen königlichen Schuldenerlass geregelt und er zum Eigentümer seines Gutes. Von 1812 bis 1815 vermittelte er in einer Lehranstalt Schülern aus mehreren Ländern seine Methode zur Zuckergewinnung.
Doch nach dem Ende der Lehranstalt geriet Achard, der durch jahrzehntelange wissenschaftliche Anstrengungen gesundheitlich geschwächt war, immer mehr in Vergessenheit. Als er am 20. April 1821 in Cunern verstarb, nahm kaum jemand Notiz davon. Keine der zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften, denen Achard angehörte, auch die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften nicht, würdigten sein Lebenswerk durch einen Nachruf. Es dauerte ein halbes Jahrhundert, bis sein Name wieder ins Gedächtnis der Öffentlichkeit gerufen wurde. Kaulsdorf als der Ort, an dem Franz Carl Achard mit seinen Zuckerversuchen begann, fühlt sich dem Angedenken an den Wissenschaftler seit langem verbunden, eine Schule und eine Straße tragen seinen Namen.

Text: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf

Zuckermuseum Berlin