Einschulungsuntersuchungen in Marzahn-Hellersdorf – Förderbedarfe erneut gestiegen
Pressemitteilung vom 17.09.2026
Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf hat die Daten der bezirklichen Schuleingangsuntersuchungen aus dem Jahr 2023 systematisch ausgewertet. Im Rahmen der Untersuchungen wurden Kinder vor ihrer Einschulung in das Schuljahr 2023/2024 hinsichtlich ihres allgemeinen Gesundheitszustands und ihrer altersgemäßen Entwicklung untersucht.
Auffällig ist sowohl der gestiegene schulische Förderbedarf im gesamten Bezirk auf jetzt 66 Prozent (59,7 % in 2019; 61,7% in 2022) als auch die Ungleichverteilung der Förderbedarfe im Bezirk.
Von den neun Bezirksregionen ist Hellersdorf-Ost mit 80,4 % der Bezirksteil mit dem höchsten Förderbedarf. Bei Sprachdefiziten und Sozialstatus nimmt die Region Hellersdorf-Nord wie in den Vorjahren den Spitzenplatz ein (63,7 % Sprachdefizite; 25,5% untere Sozialstatusgruppe bei den Elternhäusern).
Die meisten Alleinerziehenden lebten in der untersuchten Altersgruppe in Marzahn-Nord (36,4 %, Durchschnitt im Bezirk 27,2 %). Die Zahl alleinerziehender Haushalte ist damit im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. 2019 waren noch gut 33 Prozent der Elternhäuser alleinerziehend. Auch die Anzahl rauchender Eltern ist zurückgegangen (42,9 % 2019 zu 27,2 % in 2023).
Die Zweiteilung des Bezirks in Nord und Süd führte sich auch in 2023 fort. Die Förderbedarfe in den Siedlungsgebieten Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf lagen erneut deutlich unter denen in den Großsiedlungen von Hellersdorf und Marzahn. Nach wie vor gilt damit die Erkenntnis, dass vor allem das Elternhaus über die Startchancen der Kinder entscheidet und kein Faktor sich so prägend auswirkt, wie die Unterstützung im Elternhaus.
Erstmals hat das Bezirksamt die Erfassung nach Planungsräumen vorgenommen, um gezielter Unterschiede im Bezirk darstellen zu können. Der Planungsraum Ahrensfelder Berge in Marzahn-Mitte nimmt hierbei mit 86,5 Prozent die Region mit dem höchsten Förderbedarf ein, der Planungsraum Mahlsdorf-Nord mit 24,2 Prozent denjenigen mit den wenigsten attestierten Bedarfen.
Anzumerken ist, dass insbesondere der Beginn des Jahres 2023 von den Corona-Einschränkungen geprägt war. Dementsprechend konnten viele Kinder nur verkürzt oder gar nicht in der Kita betreut werden, die Belastung für Elternhäuser war pandemiebedingt spürbar erhöht und das Gesundheitsamt konnte nicht alle Kinder untersuchen, die eine Einschulungsuntersuchung hätten erhalten müssen. Nur knapp 2.000 der 3.400 Kinder konnten untersucht werden, weshalb die Zahlen in diesem Jahr volatiler als in den vergangenen Einschulungsuntersuchungen gelten müssen.
Im Durchschnitt sind es 32,6 Prozent der befragten Eltern, die angeben, dass ihre Kinder zwei Stunden pro Tag digitale Medien konsumieren. Dieser gestiegene Medienkonsum, die Situation der Coronazeit und damit geringere Kitaförderung können einen Ansatz zur Erklärung der Zahlen bieten. Indes fügt sich das Bild in die vorhergehenden Einschulungsuntersuchungen ein und bestätigt einen schwierigen Trend im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.
Gordon Lemm, Bezirksstadtrat für Jugend, Gesundheit und Familie:
„Die anhaltend hohen Zahlen an förderbedürftigen Kindern sind erschreckend. Ich sehe die entscheidenden Hebel bei der Förderung im Elternhaus sowie dem Konsum von digitalen Medien von Kindern. Im Vorschulalter liegt die Empfehlung bei maximal 30 Minuten Medienkonsum am Tag, begleitet durch die Eltern. Kitaleitungen spiegeln mir, dass es immer mehr Kleinstkinder unter 3 Jahren gibt, die wenige soziale, kognitive und sprachliche Entwicklungen, aber bemerkenswerte Fähigkeiten beim Entsperren und Nutzen von Tablets oder Smartphones haben.
Nach wie vor zeigt sich, dass Kitabesuche sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Die Zahlen der letzten Jahre zeigen aber auch deutlich, dass der entscheidende Faktor für das gute gesunde Aufwachsen von Kindern die Fähigkeit oder der Wille zur Unterstützung im Elternhaus ist. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Es ist für uns als Gesellschaft nicht hinnehmbar, dass ganze Generationen ohne notwendige Förderung und gelungene Erziehung heranwachsen. Kitas und Schulen unterstützen auf dem Weg, Verantwortung liegt aber zuallererst bei den Eltern. Ebenso zeigen die Entwicklungen, dass smartphonefreie Schulen ein Weg sein müssen, um verkümmerte Fähigkeiten wieder zu stärken. Unsere Schulen sind mit den riesigen Förderbedarfen überlastet und nicht adäquat ausgestattet. Auch hier müssen Senat und Bezirk zukünftig bedarfsorientiert Ressourcen steuern und vor allem deutlich mehr in präventive Angebote, wie etwa Kitasozialarbeit investieren.“
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