station urbaner kulturen - Zeit der letzten Brachen
Pressemitteilung vom 06.05.2019
Am Samstag, dem 11. Mai 2019, um 18:00 Uhr, ist in der station urbaner kulturen der Filmabend »Die perforierte Stadt« mit Florian Wüst und Lars Preisser zu sehen. Anhand von Filmausschnitten werden Baulücken, Freiflächen und Ruinen als Möglichkeitsräume beschrieben, die das Bild Berlins für lange Zeit prägten und die perforierte Stadt damit zum magischen Anziehungspunkt machten.
Am Donnerstag, dem 16. Mai 2019, ab 19:00 Uhr, findet in der station urbaner kulturen ein Gespräch mit Ulrich Domröse, Leiter der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie unter dem Motto »Ein Bild von der Stadt« statt. Ulrich Domröse zeigt, welches Bild von der Stadt die Sammlung bis heute aufzeigt. Mit dem Fokus auf die künstlerische Fotografie in der DDR brachte Domröse nach 1989 seine repräsentative Sammlung von Autorenfotografinnen und Fotografen in die Berlinische Galerie mit ein. Heute umfasst die Fotografische Sammlung etwa 84.000 Bilder. Zwar wird die Fotografie vor allem als Kunstwerk begriffen, aber eben auch als historisches Dokument und als Handwerk. Schwerpunkte bilden Porträt-, Architektur- und Stadtfotografie. Als typische künstlerische Ausdrucksformen kommen Fotomontagen, Fotocollagen, Fotogramme und Konzeptarbeiten dazu.
Die Ausstellung »Zeit der letzten Brachen« von Lars Preisser (bis 1. Juni 2019) zeigt 2016/17 gefilmte Brandmauern und brach liegende Grundstücke in Berlin. Sie haben eine besondere Bedeutung für ihn, als Kindheitserinnerung und signifikantes Merkmal der sich rasant ändernden Stadt. Er versteht sie als Denkmäler und sieht in ihnen ein Stück Wildnis abseits der geordneten Stadtflächen und Parks. Die Leere der Brachfläche bietet eine Architektur, auf der keine Regeln zu herrschen scheinen und auf die jede und jeder Zutritt hat. Bis zu ihrer erneuten Bebauung scheint die Brache undefiniert und ohne eingeschriebene Funktion.
Die auf ausrangiertem 16mm-Filmmaterial gedrehten Sequenzen sind durch Lichteinfall bei bewusster Nutzung defekter Apparaturen zusätzlich angegriffen. Sie erinnern an Bilder des Krieges und der Nachkriegszeit, an Umbruch und Wende, an längst vergangene Zeiten einer ruinösen Stadt. Die beiden Teile Berlins sind sich in der Brache auffallend gleich. Vorbeifahrende Betonmischer erinnern an das Hier und Jetzt sowie die Vergänglichkeit poröser Schönheit.
Im letzten Herbst wurden sieben Filmstills von Lars Preisser vergrößert und als Sequenz in der U-Bahnstation Alexanderplatz ausgestellt (Wettbewerb: Kunst im Untergrund, nGbK). Nun bildet eine Installation seines filmischen Ausgangsmaterials den Auftakt für das Programm 2019 in Hellersdorf, das im Sommer auf der nahegelegenen großen Brachfläche stattfindet. Dort, wo einst Kitas und Schulen abgerissen wurden, wird dann im Grünen Cricket gespielt.
SAVE-THE-DATES
Am Freitag, dem 31. Mai 2019, ab 19:00 Uhr, diskutieren die Stadtforscherinnen und Forscher Nico Grunze, Wolfgang Kil und Marie Neumüllers unter dem Motto »Zwischen Stadt und Land« über den »Luxus der Leere«. Welche Schönheiten und Versprechen bieten die Lücken und Brachen in und am Rande der Stadt? Was geht verloren, wenn der Raum zwischen Stadt und Land sich immer weiter füllt?
Am Donnerstag, dem 13. Juni 2019, ab 19:00 Uhr, findet die Eröffnung von »KREISE ZIEHEN 3. Großsiedlungen und die Produktion von Bildern ihrer selbst« mit Tinatin Gurgenidze & Christian Hanussek und Stephen Willats auf der Grünfläche »Place Internationale«, Maxie-Wander-/Ecke Carola-Neher-Straße, 12619 Berlin-Hellersdorf (U5 Cottbusser Platz), statt.
Hintergrund: station urbaner kulturen / nGbK in Hellersdorf
Seit 2014 engagieren sich Mitglieder der nGbK in der Großsiedlung Berlin-Hellersdorf. Die station urbaner kulturen ist ein diskursiver Veranstaltungs- und Ausstellungsraum und ein Ort für gemeinsames Arbeiten von Künstler_innen und Anwohner_innen. Mit ihrer langfristigen Präsenz am Stadtrand möchte sich die nGbK der Verantwortung stellen, neue Wege einer künstlerischen Praxis aufzuzeigen. Mit unterschiedlichen Kulturprojekten sollen weiterhin interventionistische Prozesse, die Weiterentwicklung von sozialen Strukturen und ein Nachdenken über die Zukunft eines Stadtteils initiiert und vertieft werden. Teil des Aktionsfeldes in Hellersdorf ist die Grünfläche direkt neben dem U-Bahnhof Cottbusser Platz. Sie steht beispielhaft für viele Freiflächen innerhalb der Stadt, die sich angeboten haben, in nachbarschaftlicher Teilhabe von Anwohner_innen als öffentliche und kostenlose Orte für Kultur und Freizeit genutzt zu werden, nun aber permanent von Bebauung bedroht sind.
Mit freundlicher Unterstützung von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa – Kunst im Stadtraum und vom Amt für Weiterbildung und Kultur Marzahn-Hellersdorf.
Veranstaltungsort und weitere Informationen:
station urbaner kulturen
Auerbacher Ring 41
Eingang Kastanienboulevard
12619 Berlin
U5 Cottbusser Platz
Do + Sa 15:00 bis 19:00 Uhr
Tel.: +49 173 200 9608
www.ngbk.de
Ein Projekt der neuen Gesellschaft für bildende Kunst.
Projektgruppe station urbaner kulturen 2019: Feben Amara, Jochen Becker, Fabian Bovens, Eva Hertzsch, Margarete Kiss, Constanze Musterer, Adam Page mit Unterstützung von Christian Hanussek.
Postanschrift
12591 Berlin