8. Newsletter des Regenbogennetzwerks, Oktober 2026

Berliner Bär mit Intersex Progress Pride Flag quer

Liebe Lesende,

Der neue Newsletter des Regenbogennetzwerks blickt auf aktuelle Entwicklungen und wichtige Themen für queere Beschäftigte im Land Berlin. Zunächst schauen wir auf die stärkere Verankerung von queerer Vielfalt und Sichtbarkeit im Arbeitsleben im neuen Personalvertretungsrecht. Darüber hinaus gibt es einen Rückblick auf die diesjährige Pride-Saison und weitere Termine und Aktivitäten des Netzwerks – von der Netzwerkversammlung bis zur Bezirkstour in Pankow.

Der Newsletter kann von allen interessierten Personen abonniert werden. Sendet uns gern Themen oder Infos zu, die hier veröffentlicht werden sollen. Der Newsletter erscheint zwei bis drei Mal im Jahr.

Eure Newsletter-Redaktion und das Sprecher*innen-Team

Mehr queere Sichtbarkeit im Personalvertretungsrecht (PersVG) – jetzt muss die Praxis folgen

Von Conny-Hendrik

Die Novelle des Berliner Personalvertretungsgesetzes bringt wichtige Verbesserungen für queere Beschäftigte. In § 71 wird neben “Geschlecht” und “sexueller Identität” nun ausdrücklich auch die geschlechtliche Identität als Diskriminierungsmerkmal genannt. Damit werden insbesondere trans und nichtbinäre Beschäftigte klarer geschützt.

Auch § 72 Abs. 1 Nr. 10 wurde grundlegend modernisiert. Die bisherige, überholte Aufzählung von “Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen” entfällt. Stattdessen nennt das Gesetz nun ausdrücklich sexuelle und geschlechtliche Identität, körperliche Geschlechtsmerkmale und Geschlechtsausdruck. Mit der Berücksichtigung insbesondere der körperlichen Geschlechtsmerkmale werden intergeschlechtliche Beschäftigte klarer geschützt.

Personalräte sollen Akzeptanz fördern und entsprechenden Benachteiligungen entgegenwirken. § 72 Abs. 1 Nr. 8 stärkt zudem ausdrücklich die Interessen von Menschen, die sich keinem der Geschlechter Frau oder Mann zuordnen – etwa bei Einstellung, Beschäftigung, Aus- und Fortbildung sowie beruflichem Aufstieg. Das sind wichtige Fortschritte. Aber sie müssen im Arbeitsalltag ankommen.

Der gesetzliche Auftrag zur Förderung von Akzeptanz führt nämlich nicht automatisch zu einem eigenen Mitbestimmungsrecht bei allen Maßnahmen der queeren Gleichstellung. Für das Regenbogennetzwerk heißt das: Die neue Rechtslage bietet eine deutlich bessere Grundlage.

Jetzt kommt es darauf an, sie in den Dienststellen mit Leben zu füllen – durch gute Dienstvereinbarungen, verbindliche Regelungen und eine konsequente Interessenvertretung queerer Beschäftigter. Dazu gehören verbindliche Regelungen für Transitionsprozesse, Schutz vor queerfeindlicher Diskriminierung und Belästigung, der Schutz vor unfreiwilligem Outing sowie eine konsequente Berücksichtigung queerer Beschäftigter bei Personalentwicklung, Fortbildung und Führung. Denkbar wäre perspektivisch auch eine eigenständige (gesetzlich verankerte) Interessenvertretung für LSBTIQ* Beschäftigte.

Save the Date: Netzwerkversammlung am 30. November

Von Nadine

Am 30. November um 15 Uhr findet im Rathaus Schöneberg die nächste Netzwerkversammlung des Regenbogennetzwerks statt. Wie auch in den vergangenen Jahren tauschen wir uns Themen aus, die uns als queere Beschäftigte und als Netzwerk wichtig sind. Aktuell sucht das Orgateam nach Unterstützung bei der Planung und Durchführung unserer jährlichen Mitgliederversammlung.

Hast Du Lust, die nächste Netzwerkversammlung zu organisieren? Willst du am Tag selbst unterstützen, z.B. beim Einlass, Aufbau oder im Awareness-Team? Melde melde dich über unser Kontaktformular oder komm zum nächsten Stammtisch oder Orgatreffen.

Zwischen Feier und Ernüchterung: Warum queere Sichtbarkeit zählt

Von Marc

In diesem Jahr war das Regenbogennetzwerk auf dem Lesbisch-Schwulen Straßenfest mit einem eigenen Stand prominent in der Motzstraße vertreten. Neben uns war das Landesverwaltungsamt mit dem Rekrutierungsservice. Zwei Tage lang waren Mitglieder unseres Netzwerkes vor Ort – und die Stimmung war richtig gut. Unser Team strahlte ein tolles „Wir“-Gefühl aus. Egal, ob am Glücksrad, vor oder hinter dem Stand – ständig waren wir mit Personen im Gespräch und konnten zeigen: Berlin ist auch in der Verwaltung bestrebt, queere Hauptstadt zu sein, aber das ist mitnichten eine Selbstverständlichkeit.

Unsere Materialien wurden uns aus den Händen gerissen, so dass wir am Sonntag trotz Unterstützung vom Nachbarschaftsstand und dem Queerbeauftragten des Landes mit leeren Händen dastanden. Deswegen ist klar: 2027 sind wir wieder dabei.

Eine Woche später am 25. Juli 2026 dann der CSD Berlin – ein Tag, der so wunderbar begann und so schrecklich mit dem Anschlag endete. Dieser Tag hat uns gezeigt, dass alle Fortschritte, die wir in den letzten Jahrzehnten erkämpft haben, alles andere als selbstverständlich sind. Gesellschaftliche Fortschritte werden einkassiert, Förderprogramme gestrichen, kulturelle Freiräume eingeschränkt. Veraltete Familienbilder leben wieder als vermeintliches Ideal auf. Das alles ist unerträglich, und dagegen hilft queere Sichtbarkeit – auch im Beruf. Ohne Angst verschieden zu sein – das muss die klare Botschaft sein, die auch weiterhin vom CSD ausgehen muss.

Durch unsere Teilnahme am CSD haben wir Flagge gezeigt, sowohl auf dem Wagen des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg als auch auf dem Wagen der Senatskanzlei. Die uns zustehenden 70 Plätze waren schnell vergeben. Als Regenbogennetzwerk wurden wir an diesem Tag zur Event-Agentur. So viel Freude und strahlende Gesichter – ein absolutes Highlight – und dann die Ernüchterung am Abend.

Es war beeindruckend und wohltuend, wie wir als Community auf den Anschlag reagiert haben – mit spontanen Gedenkveranstaltungen und mit Hilfsangeboten. Die Botschaft war klar: Keine Person muss in diesem Moment der Trauer und der Wut allein bleiben! Die Solidarität, die Berliner*innen eine Woche später in Hamburg auf dem CSD erleben durften, war unfassbar schön.

Und trotzdem blieb ein wirklicher Aufschrei der Mehrheitsgesellschaft aus – der Übergang zum Alltag geschah schnell und zügig. Das war eine beklemmende Erfahrung. Aber als Lichtblick sei erzählt, dass eine Kollegin von mir am Montag nach dem Anschlag einfach ein schwarzes T-Shirt mit Regenbogenherz trug – das war etwas, was mich unfassbar gerührt hat.

Queer durch Berlin: Bezirke-Tour dieses Mal in Pankow

Von Konstantin

Gemeinsam die Vielfalt der Berliner Bezirke entdecken und dabei miteinander ins Gespräch kommen: Darum geht es bei der Bezirke-Tour unseres Regenbogennetzwerks. So entsteht für unsere Mitglieder ein weiterer Ort für Austausch und Vernetzung.

Bisher war die Tour schon in fünf Bezirken zu Gast: In Mitte erhielten wir spannende Einblicke in Nachhaltigkeit und Müllvermeidung beim Berliner CSD. In Marzahn-Hellersdorf ging es durch das Gründerzeitmuseum von Charlotte von Mahlsdorf. In Lichtenberg nahmen wir an einem Stadtspaziergang zum Thema Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus teil. In Tempelhof-Schöneberg folgten wir bei einem Kiezspaziergang den Spuren queerer Geschichte. Zuletzt ging es nach Spandau zur Filmvorführung “Queeres Leben in Spandau”.

Vielen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben!

Jetzt startet die nächste Etappe unserer Bezirke-Tour, diesmal in Pankow. Gemeinsam mit Francis Hanlon, Betreiber des Tipsy Bear, werfen wir einen Blick auf die Vielfalt queeren Lebens im Bezirk Pankow und tauschen uns darüber aus, wie eine queere Bar trotz Gentrifizierung und zunehmender Anfeindungen ein Ort für die Community bleibt.

Wir laden Euch herzlich ein:

  • Queeres Pankow: Afterwork im Tipsy Bear
  • Datum: Mittwoch, 14. Oktober 2026
  • Uhrzeit: 17:00 Uhr
  • Ort: Tipsy Bear Berlin, Eberswalder Str. 21, 10437 Berlin
  • Webseite: tipsybearberlin.com

Ihr möchtet die Bezirke-Tour auch in Euren Bezirk holen? Dann wendet Euch gerne an konstantin.duttlinger@senfin.berlin.de