Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch stellte am Mittwoch die neue Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität für Berliner Kitas und Schulen vor. Mit der Strategie legt die Senatsverwaltung ein klar strukturiertes, die einzelnen Bildungsphasen übergreifendes Konzept zur Stärkung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen vor. Ziel ist es, den Anteil der Kinder und Jugendlichen, die die bundesweit geltenden Mindeststandards erreichen, kontinuierlich zu erhöhen.
Die bundesweite Vergleichsstudie des IQB-Bildungstrends hat zuletzt gezeigt, dass ein wachsender Anteil der Schüler/-innen in der Grundschule sowie der Sekundarstufe I die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik verfehlt. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist ein zentrales Ziel der nun vorgestellten Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität, die einen verbindlichen Rahmen für das gesamte Bildungssystem schafft. Kitas, Schulen und Verwaltung werden künftig entlang gemeinsamer Ziele, abgestimmter Verfahren und klarer Verantwortlichkeiten zusammenarbeiten. Um dies zu erreichen, orientiert sich das strategische Vorgehen an drei Handlungsmaximen:
- Die Akteure verstehen sich als Teil eines bildungsphasenübergreifenden Gesamtsystems zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
- Verbindlichkeit und Ergebnisorientierung mit Blick auf die jungen Menschen leiten das Handeln.
- Entscheidungen und Ressourcenzuweisungen erfolgen bedarfsorientiert und datengestützt.
Für die Strategie Bildungsqualität wurden zudem drei Handlungsfelder definiert, in denen gezielte Veränderungen notwendig sind:
Handlungsfeld 1: Datengestützte Qualitätsentwicklung und Steuerung
Für den Aufbau einer datengestützten Qualitätsentwicklung und Steuerung wird die Infrastruktur geschaffen, damit alle Akteure datengestützt und ergebnisorientiert arbeiten können. Unter anderem soll ab Mitte 2027 in allen Einrichtungen der frühkindlichen Förderung das wissenschaftlich fundierte „BeoKiz“-Verfahren zur Beobachtung und Dokumentation verpflichtend angewandt werden. Mit dem an die Grundschule anschlussfähigen Instrument kann der individuelle Entwicklungsstand von Kindern erfasst werden. Im Rahmen des Kita-Chancenjahres wird bei Kindern, die bisher keine Kindertagesstätte besuchen, im Alter von viereinhalb Jahren der Sprachstand ermittelt. Wird dabei ein Förderbedarf festgestellt, wird der Besuch einer Kindertageseinrichtung für 18 Monate vor der Einschulung verpflichtend. Die antraglose Zustellung des Kita-Gutscheins für alle Kinder ab drei Jahren vereinfacht zusätzlich den Zugang zu Kita. Im Schulbereich sollen mittelfristig standardisierte
Lernstandserhebungen zum Schuljahresbeginn in allen Jahrgangsstufen bis Klasse 10 eingeführt werden. Mit der Weiterentwicklung des Schulvertrags wird an den Startchancen-Schulen zudem ein Instrument der datengestützten Schulentwicklung erprobt, das ab dem Schuljahr 2026/27 auf alle Schulen ausgeweitet werden soll.
Handlungsfeld 2: Qualitätsentwicklung der Bildungsangebote zur Förderung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen
Um die Kompetenzen in den Bereichen Sprache und Mathematik gezielt zu fördern, sollen u.a. sogenannte Toolboxen in Kindertageseinrichtungen eingeführt werden. Diese enthalten altersgerechte und alltagstaugliche Instrumente zur sprachlichen und mathematischen Bildung, mit denen pädagogische Fachkräften adäquat auf Förderbedarfe reagieren können. Um sozioökonomisch benachteiligte Kinder gezielt in ihren sprachlichen Kompetenzen zu fördern, erhalten Kitas, die einen hohen Anteil solcher Kinder aufweisen, zusätzliche Ressourcen für Personalzuschläge. Zu den weiteren Maßnahmen gehören die Weiterentwicklung des Rahmencurriculums Spracherzieher/-in, die kontinuierliche Besetzung der Fachleitungsstellen für Deutsch und Mathematik an Grundschulen sowie die Verbesserung der Beruflichen Orientierung und Ausgestaltung des 11. Pflichtschuljahrs.
Handlungsfeld 3: Sozialraumorientierung und Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe
Eine sozialraumorientierte Schulentwicklung versteht Bildung als gemeinsame Aufgabe verschiedener Partner, die sich an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen ausrichtet. Die Familie soll als Bildungsort gezielt gestärkt werden, etwa durch Angebote der Familienförderung, Maßnahmen zur Prävention von Kinderarmut, den Einsatz der Stadtteilmütter sowie die bessere Vernetzung der Schulaufsichten mit anderen Behörden, um Schüler/-innen ein bedarfsgerechtes Unterstützungssystem zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich sollen Schulen Zugang zu außerschulischen Bildungsangeboten erhalten, die insbesondere die Weiterentwicklung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen der Schüler/-innen fördern.
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch betonte: „Mit der Qualitätsstrategie vollziehen wir einen Paradigmenwechsel: Wir verlassen den Weg punktueller Einzelmaßnahmen und stellen die Qualitätsentwicklung von Kitas und Schulen erstmals auf eine gemeinsame, verlässliche und datenbasierte Grundlage.“
Die beteiligten Akteure werden zeitnah in Veranstaltungen und Gremien über die Strategie informiert. Die Senatorin wird unter anderem ab Frühjahr 2026 alle Regionen besuchen und die Strategie Schulaufsichten und Schulleitungen persönlich vorstellen und in einen unmittelbaren Dialog treten.