In der Pressekonferenz zu Beginn des neuen Schuljahres 2025/26 am vergangenen Freitag stellte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch Schwerpunkte des kommenden Jahres vor. Dabei legte Sie einen Fokus auf die berufliche Bildung und sprach über die Schaffung neuer Schulplätze, die Gewinnung von Lehrkräften und Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Berliner Bildungsqualität.
Berufliche Orientierung
Einen Schwerpunkt des neuen Schuljahres stellt die berufliche Orientierung junger Menschen dar. Erstmals gilt verbindlich ein 11. Pflichtschuljahr für Berliner Schüler/-innen, die nach Klasse 10 noch keine klare Anschlussperspektive haben. Eine solche Anschlussperspektive ist durch den Besuch der gymnasialen Oberstufe, des beruflichen Gymnasiums, einer Berufs- oder Fachoberschule sowie durch den Beginn einer Ausbildung oder durch einen Freiwilligendienst gegeben.
Jugendliche, die bis zur Jahrgangsstufe 10 keinen solchen Anschlussplan entwickeln konnten, besuchen den neuen und verbindlichen Bildungsgang „IBA-Praxis“, der an 15 Oberstufenzentren mit insgesamt 900 Plätzen startet. Rund 800 Schüler/-innen sind bereits angemeldet. Die „IBA-Praxis“ verbindet praxisnahen Unterricht, individuelle Förderung und betriebliche Praktika. Ziel ist, Jugendlichen frühzeitig Chancen für Ausbildung und Beruf zu eröffnen und einen geeigneten Anschlussplan zu entwickeln.
Angeboten wird die „IBA-Praxis“ in den sogenannten Ankerschulen. Jede dieser Schulen bietet 60 Plätze und setzt einen Fokus auf kleine Lerngruppen mit intensiver Betreuung, zusätzliche Schulsozialarbeit sowie enge Begleitung durch die Jugendberufsagentur. Durch das 11. Pflichtschuljahr mit seinem begleiteten Übergang und einer verbindlichen Beratung sollen erfolgreiche Bildungs- und Berufsabschlüsse gesichert werden. Derzeit gehen etwa 10% der Schüler/-innen trotz umfangreicher Berufsorientierungsangebote während der Sekundarstufe I nicht in eine Ausbildung oder einen studienbefähigenden Bildungsgang über.
Lehrkräftegewinnung
Um die Lehrkräftegewinnung auch in Zukunft zu sichern und weiter zu verbessern, sind verschiedene Änderungen auf den Weg gebracht worden: Mit der Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes wird so beispielsweise der Quereinstieg mit nur einem vertieft studierten Fach ermöglicht. Diese Regelung gilt ab dem Wintersemester 2026/27, die Humboldt-Universität will sie bereits ab dem kommenden Wintersemester im Rahmen eines Modellversuchs umsetzen. Erste Absolvent/-innen könnten somit ab dem Schuljahr 2027/28 in den Vorbereitungsdienst eintreten. Darüber hinaus bietet der Flex-Master Lehramtsstudierenden ab dem Wintersemester 2026/27 neben der kompakten Form des Praxissemesters eine duale Variante an. Das bedeutet, dass Studierende einen Arbeitsvertrag an einer Schule mit einem gestreckten Praxissemester an der gleichen Schule kombinieren können. Mit der Einführung der dualen Option haben Studierende, die sich ihren Lebensunterhalt finanzieren müssen und/oder sich mehr Raum für eine
eigenverantwortliche Erprobung wünschen, nun eine strukturell gestützte Möglichkeit. Um das Grundschullehramt in den künstlerischen Fächern attraktiver zu machen, dürfen Universitäten künftig auch Studiengänge anbieten, in denen das künstlerische Fach vertieft wird und Deutsch oder Mathematik nur als Lernbereich belegt werden.
Für das aktuelle Schuljahr wird mit rund 1.500 Referendar/-innen im regulären Vorbereitungsdienst und 1.629 Personen im Quereinstieg gerechnet. Bei den Einstellungen zum Schuljahr 2025/26 konnten die Stellen gleichmäßiger über die Stadt verteilt werden, sodass auch Regionen wie Spandau oder Marzahn-Hellersdorf besser versorgt sind.
Die Rückkehr zur Lehrkräfteverbeamtung ist ein weiterer zentraler Baustein, um Lehrkräfte dauerhaft zu binden. Die Verbeamtung der Bestandslehrkräfte, die fristgerecht Anträge gestellt haben, wird nach aktuellem Stand bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Seit Jahresbeginn werden monatlich durchschnittlich über 500 Lehrkräfte verbeamtet, deutlich mehr als im Vorjahr.
Aktuelle Zahlen und Daten
Die Zahl der Schulanfänger/-innen bleibt hoch: Zum Schuljahr 2025/26 beginnen 36.800 Kinder ihre Schullaufbahn an den öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen Berlins. Insgesamt erreicht die Zahl der Schüler/-innen damit in Berlin wieder einen neuen Höchststand. An den öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen lernen nun rund 408.000 Kinder und Jugendliche – gut 4.000 mehr als im vergangenen Schuljahr und so viele wie seit mehr als 25 Jahren nicht mehr. Seit 2015 wurden mehr als 25.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche in das Berliner Schulsystem aufgenommen. Im Schuljahr 2024/25 besuchten rund 12.049 Schüler/-innen (Stand Juli 2025) die insgesamt 988 Willkommensklassen.
Auch die Berliner Schulbauoffensive entfaltet zum neuen Schuljahr verstärkt Wirkung und schafft dringend benötigte Kapazitäten. Zum und im Laufe des Schuljahres 2025/26 entstehen insgesamt 8.551 zusätzliche Schulplätze. Davon entfallen 5.738 Plätze auf neun Schulneubauten, die zum Schuljahresbeginn fertiggestellt wurden, sowie 2.813 Plätze durch Erweiterungen an bestehenden Schulen. Seit Beginn der Berliner Schulbauoffensive wurden bereits rund 50.000 Schulplätze neu geschaffen. Angesichts von mehr als 75.000 zusätzlich aufgenommenen Schüler/-innen in den letzten 13 Jahren bleibt der Schulbau jedoch weiterhin eine zentrale Aufgabe. Für das Schuljahr 2026/27 sind nach aktueller Planung mindestens zehn weitere Neubauten vorgesehen. Unsere interaktive Schulbaukarte gibt einen Überblick über alle Bau- und Sanierungsmaßnahmen seit 2013/14 und zeigt rund 840 Projekte bis ins Jahr 2928/29.
Reform für Schulen in freier Trägerschaft und weitere Maßnahmen
Ein umfassender Gesetzesentwurf zur Besserstellung der Berliner Privatschulen liegt derzeit dem Abgeordnetenhaus zur Beschlussfassung vor. Die Schulgesetznovelle sieht u.a. eine bessere Finanzierung der beruflichen Schulen, eine verkürzte Wartezeit bei staatlichen Zuschüssen sowie mehr Planungssicherheit für Träger. Zudem sollen durch Zuschüsse für Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Haushalten sowie für solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf Teilhabemöglichkeiten verbessert und Inklusion gefördert werden.
Im Rahmen des bundesweiten Startchancen-Programms stehen Berlin in den kommenden zehn Jahren rund 460 Millionen Euro zur Verfügung, um gezielt Schulen mit hohem Anteil an sozial benachteiligten Schüler/-innen zu unterstützen. 2025/26 sind weitere 118 allgemeinbildende und berufliche Schulen in das Programm aufgenommen worden.
Voran geht es auch mit dem Breitband- und WLAN-Ausbau: Mit Stand Juli 2025 sind 532 Schulen angeschlossen, sodass derzeit angestrebt wird, alle öffentlichen Schulen bis Jahresende mit leistungsfähigen Anschlüssen auszustatten. Einen Beitrag zur Digitalisierung leistet auch das Berliner Schulportal. Es bietet einen personalisierten Zugang zu Fachverfahren, Bildungsmedien und Serviceangeboten und bündelt damit die wichtigsten digitalen Werkzeuge für Lehrkräfte, Schüler/-innen sowie Eltern. Die Nutzung wächst kontinuierlich: Aktuell greifen bereits rund 145.000 Personen regelmäßig auf das Portal zu.
Zuletzt werden auch im aktuellen Schuljahr mehrere Pilotprojekte laufen: Im Zusammenhang mit digitaler Bildung startet zum Schuljahr 2025/26 an der Gustav-Falke-Grundschule der Schulversuch „Informatische Grundbildung in der Primarstufe“. Ziel ist es, schon im Grundschulalter grundlegende Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien, Programmierung und algorithmischem Denken zu vermitteln. Mit der Ausweitung des Schulversuchs „FlexGanztag“ wird erprobt, ob eine Ganztagsschule mit einem festen Kern von 7.30 bis 14.30 Uhr und flexiblen Bildungselementen bis 16 Uhr den Bedarfen von Schüler/-innen, Eltern und Lehrkräften besser entspricht als die bisherigen Formen. Bis 2026/27 fortgeführt wird auch der hybride Schulversuch, zu dem zwölf weitere Schulen hinzustoßen.