In Berlin leben rund 50.000 Syrer*innen und 23.000 Afghan*innen. Viele von ihnen haben sich in den letzten zehn Jahren für Deutschland entschieden, weil es ein demokratisches und freies Land ist. Sie sind deutlich jünger als die deutsche Bevölkerung und die meisten von ihnen arbeiten in systemrelevanten Berufen.
Dass die erschütternden Attentate radikaler Einzeltäter für migrationsfeindliche Debatten missbraucht werden, macht vielen von ihnen Angst. Um den Communities Gehör zu verschaffen, traf die Integrationsbeauftragte Vertreter*innen von Migrant*innenorganisationen und bat zu einem Gespräch mit Pressevertreter*innen.
Gemeinsam berichteten Niewiedzial und Vertreter*innen deutsch-afghanischer und deutsch-syrischer Organisationen von der Situation in den Communities. Im Zentrum standen ihre Erfahrungen und Perspektiven in Zeiten des verschärften Diskurses um Asyl- und Migrationspolitik, Auswirkungen der Lage in Afghanistan und Syrien auf ihren Alltag und auf die Beratungsarbeit ihrer Organisationen. Dabei forderten alle Beteiligten eine sachlich geführte Debatte, an der sie teilhaben, und eine Migrationspolitik, die Grundrechte nicht infrage stellt. Als Ombudsfrau für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte steht Katarina Niewiedzial in engem Austausch mit Berliner Migrant*innenorganisationen und fordert einen Diskurs ohne Ressentiments.
Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senats von Berlin für Partizipation, Integration und Migration: „Der aktuelle asylpolitische Diskurs wird ohne diejenigen geführt, die am stärksten betroffen sind: Menschen, die aus Afghanistan und Syrien geflohen sind, müssen an Debatten beteiligt werden. Integration kann nicht in einem Klima der Angst gelingen.“
Die Vertreter*innen der deutsch-syrischen und deutsch-afghanischen Migrant*innenorganisationen: „Unsere Herkunft darf nicht unser Schicksal sein. Wir erleben, wie Menschen aus Syrien und Afghanistan immer wieder pauschalisiert, ausgegrenzt und zur Zielscheibe von Anfeindungen werden. Dabei sind wir längst Teil dieser Gesellschaft – wir arbeiten, engagieren uns und gestalten mit. Doch viele von uns blicken mit Sorge in die Zukunft, nicht nur, weil Bleibeperspektiven unsicher sind. Vielmehr bedrohen uns Rassismus und Diskriminierung. Eine Gefahr für uns, aber auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir fordern eine Politik, die Menschen nicht nach ihrer Herkunft bewertet, sondern nach ihrem Beitrag und ihrer Würde. Wir fordern Medien auf, uns nicht zu pauschalisieren und uns Gehör zu verschaffen. Wir fordern eine Zivilgesellschaft, die uns als Mitmenschen respektiert.”