Deutsch-afghanische und deutsch-syrische Organisationen fordern gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten Niewiedzial eine differenziertere Asyl- und Migrationsdebatte

Pressemitteilung vom 05.03.2025

In Berlin leben rund 50.000 Syrer*innen und 23.000 Afghan*innen. Viele von ihnen haben sich in den letzten zehn Jahren für Deutschland entschieden, weil es ein demokratisches und freies Land ist. Sie sind deutlich jünger als die deutsche Bevölkerung und die meisten von ihnen arbeiten in systemrelevanten Berufen.

Dass die erschütternden Attentate radikaler Einzeltäter für migrationsfeindliche Debatten missbraucht werden, macht vielen von ihnen Angst. Um den Communities Gehör zu verschaffen, traf die Integrationsbeauftragte Vertreter*innen von Migrant*innenorganisationen und bat zu einem Gespräch mit Pressevertreter*innen.

Gemeinsam berichteten Niewiedzial und Vertreter*innen deutsch-afghanischer und deutsch-syrischer Organisationen von der Situation in den Communities. Im Zentrum standen ihre Erfahrungen und Perspektiven in Zeiten des verschärften Diskurses um Asyl- und Migrationspolitik, Auswirkungen der Lage in Afghanistan und Syrien auf ihren Alltag und auf die Beratungsarbeit ihrer Organisationen. Dabei forderten alle Beteiligten eine sachlich geführte Debatte, an der sie teilhaben, und eine Migrationspolitik, die Grundrechte nicht infrage stellt. Als Ombudsfrau für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte steht Katarina Niewiedzial in engem Austausch mit Berliner Migrant*innenorganisationen und fordert einen Diskurs ohne Ressentiments.

Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senats von Berlin für Partizipation, Integration und Migration: „Der aktuelle asylpolitische Diskurs wird ohne diejenigen geführt, die am stärksten betroffen sind: Menschen, die aus Afghanistan und Syrien geflohen sind, müssen an Debatten beteiligt werden. Integration kann nicht in einem Klima der Angst gelingen.“

Die Vertreter*innen der deutsch-syrischen und deutsch-afghanischen Migrant*innenorganisationen: „Unsere Herkunft darf nicht unser Schicksal sein. Wir erleben, wie Menschen aus Syrien und Afghanistan immer wieder pauschalisiert, ausgegrenzt und zur Zielscheibe von Anfeindungen werden. Dabei sind wir längst Teil dieser Gesellschaft – wir arbeiten, engagieren uns und gestalten mit. Doch viele von uns blicken mit Sorge in die Zukunft, nicht nur, weil Bleibeperspektiven unsicher sind. Vielmehr bedrohen uns Rassismus und Diskriminierung. Eine Gefahr für uns, aber auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir fordern eine Politik, die Menschen nicht nach ihrer Herkunft bewertet, sondern nach ihrem Beitrag und ihrer Würde. Wir fordern Medien auf, uns nicht zu pauschalisieren und uns Gehör zu verschaffen. Wir fordern eine Zivilgesellschaft, die uns als Mitmenschen respektiert.”

Podiumsteilnehmer*innen

Unter den Angaben zu jeder Person finden sich Themen und Perspektiven, zu denen die Personen in den Pressegesprächen schwerpunktmäßig weitere Informationen geben können.

Parisa Hosseini, Etehad e. V., Vorsitzende, Sozialarbeiterin und Dozentin für politische Bildung (Region: Afghanistan)

  • Verfolgung und Lage der Hazara aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit und ihre Lage unter dem Taliban-Regime (Pogrome, Anschläge sowie Vertreibungen).
  • Unsicherer rechtlicher Status von Hazara & Ablehnung von Asylanträgen in Deutschland.
  • Diskriminierungen gegenüber Hazara in Deutschland.
  • Situation von Frauen in Afghanistan.

Kava Spartak, Yaar e. V., Gründer und Vorstandsvorsitzender, Politikwissenschaftler (Region: Afghanistan)

  • Anhaltende und stets steigende Diskriminierung gg. Menschen aus Afghanistan durch Politik und Medien, in Behörden / Ämtern, in Integrations- und Sprachkursen
  • Herausforderung bei der Teilhabe durch unsichere Bleibeperspektive, schwerer Zugang zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt, „nirgends willkommen und ohne Heimat“

Mey Seifan, NESWA e.V., Mitgründerin und Geschäftsleiterin, Mitglied im Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine e. V. (Region: Syrien)

  • Frauenbewegungen und feministische Perspektiven in Politik, Kultur und Gesellschaft.
  • Syrische Aktivistinnen und Frauen in Leitungspositionen.

Weitere Teilnehmer*innen am Pressegespräch

Taman Noor, ZAkï Bildung und Kultur e.V., Sozialberatung für Afghan*innen, Projekt/Co-Leitung „Männerbild im Wandel“ / Männercafé (Region: Afghanistan)

  • Orientierung in Deutschland
  • Status von Geflüchteten

Jalal Mohammed Amin, Yekmal e. V., Rechtsanwalt, Rechtsberater, kurdisch, Oppositioneller gegen das Assad-Regime (Region: Syrien)

  • Lage in Syrien (Fluchtbewegungen, aktuelle bewaffnete Konflikte, Verfolgungen)
  • Politische Kräfte und ihre Ziele in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes
  • aktuelle rechtliche Situation der Bevölkerung in Syrien insb. von Minderheiten und Frauen

Cornelia Rasulis, Yekmal e. V., Leiterin der Yekmal-Beratungsstelle, stellvertretende Geschäftsführerin, Pädagogin (Region: Syrien)

  • Diversität der syrischen Gesellschaft und Geflüchteten: verschiedene Religionen, Traditionen und Lebensstile, Angehörige verschiedener ethnischer Bevölkerungsgruppen
  • Familien in Bezug auf Teilhabe in der deutschen Gesellschaft
  • Rechtliche Situation der Geflüchteten und Folgen eines Widerrufs des Schutzstatus 

Dr. Gul-Rahim Safi, Das Afghanistan-Komitee e.V., Vorsitzender seit 2011; Naturwissenschaftler (Region: Afghanistan)

  • Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen von afghanischen Migrantinnen & Migranten
  • Erfolgreiche Integration und Gelingensfaktoren durch Partizipation mit den Betroffenen
  • Förderung und Unterstützung sind essenziell: Besonders in Krisenzeiten sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um Integration nicht nur zu fordern, sondern aktiv zu fördern

Anke Dietrich, Verband afghanischer Organisationen in Deutschland, Geschäftsführerin (Region: Afghanistan)

  • Negative Wahrnehmung und gesellschaftliche Auswirkungen des Rechtsrucks
  • Herausforderungen bei der Integration
  • Unterstützung von Migrantenselbstorganisationen (MSO)
  • Bundesweite Vernetzung der Diaspora
  • Interessensvertretung der Diaspora auf Bundesebene

Abdulaziz Ramadan, DOZ e. V., Gründer und Vorsitzender (Region: Syrien)

  • Bildung, Integration, Kultur, Vielfalt und zivilgesellschaftliches Engagement für Deutsche und Nichtdeutsche in Deutschland