Nachdem von 2006 bis 2011 ca. 700, also fast alle öffentlichen Berliner Schulen inspiziert wurden, ist in diesem Schuljahr die zweite Runde der Schulinspektion gestartet, in der die Entwicklungen an einzelnen Schulen erfasst werden. Mit dem Handbuch stellt die Berliner Schulinspektion den Schulen ein Material zur Verfügung, das ihre Arbeitsweise und die Bewertungsgrundlagen transparent und nachvollziehbar darstellt. Es ist die Wegbeschreibung zum selbst gesetzten Ziel, mit einem standardisierten Verfahren Vergleichbarkeit zu gewährleisten und gleichzeitig die Besonderheiten der einzelnen Schulen noch stärker in den Fokus zu nehmen. Eingeflossen sind Erfahrungen der Inspektionsteams im Umgang mit dem Bewertungsbogen, die vielfältigen Rückmeldungen aus den inspizierten Schulen der ersten Runde und aus sechs Jahren länderübergreifender Kooperation.
Die Ergebnisse der zweiten Inspektionsrunde werden in Form von Kurzfassungen der Inspeltionsberichte online veröffentlicht, zu finden im Schulporträt der jeweiligen Schule.
Warum gibt es eine Schulinspektion?
Zur Bewertung von Schulqualität haben alle Bundesländer in den letzten Jahren eine professionelle Außensicht geschaffen. In Berlin ist das die Schulinspektion. Die Berliner Schulinspektion hat folgende Ziele:
- Datengestützte Bewertung von Schulqualität
- Hinweise zur Unterstützung der Qualitätsentwicklung an den Schulen
- Optimierung der Zuverlässigkeit der schulinternen Qualitätseinschätzung
- Steigerung der Verbindlichkeit der schulischen Qualitätsentwicklungsprozesse
- Erstellung vergleichbarer Daten und Informationen als Steuerungswissen
Das Berliner Schulgesetz betont die Eigenverantwortung der Schulen. Die Schulinspektion ergänzt die Selbsteinschätzung, zu der jede Schule verpflichtet ist, durch eine Außensicht und gewährleistet so die Vergleichbarkeit der schulischen Entwicklungen. Jede Schule wird als Gesamtsystem bewertet und erhält Rückmeldungen zu ihren Stärken und zu ihrem Entwicklungsbedarf. Die Ergebnisse werden in einem Inspektionsbericht festgehalten. Dieser enthält das Qualitätsprofil und das Unterrichtsprofil der Schule. Einzelne Lehrerkräfte werden nicht bewertet, ein Schulranking wird nicht aufgestellt.
In der Regel wird jede Schule alle fünf Jahre besucht. Bei erheblichem Entwicklungsbedarf kann eine Schulinspektion auch in kürzeren Abständen stattfinden. Bis zum Sommer 2011 wurden alle Schulen mindestens einmal inspiziert. Seither läuft die zweite Inspektionsrunde.
Wie arbeitet die Schulinspektion?
In der Schulinspektion arbeiten Lehrkräfte, Schulleitungsmitglieder und Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamte aus unterschiedlichen Schulformen und mit vielfältigen Kompetenzen zusammen. Sie verbindet eine langjährige Schulerfahrung und das engagierte Handeln für mehr Qualität in der Schule. Eine umfassende Aus- und Weiterbildung bereitet Schulinspektorinnen und -Inspektoren auf ihre Arbeit vor. Inspektion meint vor allem Beobachtung. Die aktuelle Entwicklung einer Schule wird mit erprobten Beobachtungsbogen, Interviews, Umfragen und Dokumentenanalysen erfasst und
dargestellt.
Die Schulinspektion selbst betreibt ebenfalls eine ständige Qualitätssicherung, um überprüfbare Ergebnisse zu gewährleisten. Ihre Verfahren und Evaluationsinstrumente werden deshalb regelmäßig weiterentwickelt. Nach der Auswertung der ersten Inspektionsrunde an 700 Berliner Schulen und der Beobachtung von mehr als 30.000 Unterrichtssequenzen richtet sich die Untersuchung der vielfältigen Qualitätsmerkmale nunmehr noch stärker an der Schulform und dem individuellen Schulprofil aus.
Der Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin bildet die Grundlage der Untersuchungen. Er umfasst die Qualitätsbereiche:
- Ergebnisse der Schule
- Lehr- und Lernprozesse
- Schulkultur
- Schulmanagement
- Lehrerprofessionalität und Personalentwicklung
- Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung.
Um aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, werden Schulen nach einem einheitlichen Verfahren inspiziert:
- Datenerhebung vorhandener Zahlen und Statistiken
- Analyse des Schulprogramms und weiterer wichtiger Dokumente
- Befragungen von Lehrkräften und weiteren pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Schüler- und Elternschaft
- Schulrundgang zur Erfassung der Standortbedingungen
- Unterrichtsbeobachtungen auf der Grundlage eines Unterrichtsbeobachtungsbogens
- Interviews mit Lehrkräften, Schulleitung, pädagogischem Personal, Schülerinnen und Schülern, Eltern
- Gespräche mit dem nichtpädagogischen Personal
Ein zentrales Element der Schulinspektion bleiben weiterhin die Unterrichtsbesuche in möglichst allen Klassen und Fächern bei mindestens 70 % der Lehrkräfte der Schule. Jeder Unterrichtsbesuch
dauert 20 Minuten. Er erfasst Daten zur Organisation, zum Lernklima und zum Unterrichtsprozess. Alle Erkenntnisse, die während einer Inspektion gewonnen werden, münden in einen Bericht. Hier
erläutert das Inspektionsteam u. a. die festgestellten Stärken und den aktuellen Entwicklungsbedarf. In jedem Inspektionsteam arbeitet mindestens ein Teammitglied, das derselben Schulform angehört wie die Schule, die besucht wird. Zwei weitere Teammitglieder aus anderen Schulformen und eine ehrenamtlich tätige Person aus einem ganz anderen Berufsfeld erweitern die Beobachterperspektive.
Wie läuft eine Schulinspektion ab?
- Ankündigung ca. acht Wochen vor dem Inspektionstermin (die zweite Schulinspektion erfolgt in der Regel fünf Jahre nach der ersten)
- Vorgespräch in der Schule ca. vier Wochen vor der Inspektion mit Übergabe der schulischen Dokumente an das Inspektionsteam
- Durchführung der Inspektion, Dauer zwei, an großen Schulen drei Tage
- Zusendung der ersten Fassung des Inspektionsberichts an die Schule ca. drei Wochen nach der Inspektion
- Vorstellung der Ergebnisse vor den Mitgliedern und Gästen der Schulkonferenz sowie Übergabe des Inspektionsberichts
- Zusendung des Inspektionsberichts an die zuständige Schulaufsicht und die Schulbehörde, verbunden mit einem Gesprächsangebot
Was passiert nach der Schulinspektion?
Die Schule setzt sich mit den Ergebnissen auseinander und berücksichtigt diese bei der weiteren Qualitätsentwicklung. Aufgabe der zuständigen Schulaufsicht ist es, mit der Schule nach der Besprechung des Inspektionsberichts eine Zielvereinbarung über die weiteren Schritte zum Erreichen von Entwicklungszielen abzuschließen.
Viele Schulen haben bereits den ersten Inspektionsbericht auf ihrer Homepage eingestellt. In der zweiten Runde werden die Inspektionsergebnisse aller Schulen in den Schulporträts der Senatsverwaltung veröffentlicht. Dies geschieht vier Monate nach abgeschlossener Inspektion. Diese Zeit können die Schulen nutzen, um den Bericht für die Öffentlichkeit zu kommentieren und über eingeleitete Schritte zur Bearbeitung von Entwicklungsbedarf zu informieren.