Ausbildung und Weiterbildung

Figuren mit unterschiedlichen Berufen vor der Skyline Berlins

Was ist der Unterschied zwischen Aus- und Weiterbildung?

Für eine Ausbildung ist spezielles Vorwissen nicht notwendig. Dabei erlernt man einen Beruf ganz neu. Bei einer Weiterbildung hingegen lernt man mehr über den eigenen Beruf, wie Gesetzesänderungen, neue Techniken oder mehr Details. Ausbildungen in Deutschland finden entweder in einem Unternehmen, einer speziellen Schule oder einer Kombination aus Unternehmen und Schule statt. Es ist möglich, ein Praktikum vor der Ausbildung zu machen, um den angestrebten Beruf und das Unternehmen kennen zu lernen.

Darf ich eine Ausbildung aufnehmen?

Als Bürgerin oder Bürger aus der EU dürfen Sie in Deutschland eine Ausbildung machen.

Wenn Sie von außerhalb der EU kommen, kommt es darauf an, ob Sie eine schulische oder betriebliche Ausbildung machen.

Bei einer betrieblichen Ausbildung arbeitet man mehrere Tage pro Woche in einem Unternehmen und erlernt dort die berufliche Praxis. Ergänzend besucht man regelmäßig die Berufsschule und erlernt dort die Theorie. Diese Form der Ausbildung gilt als Beschäftigung, und Sie benötigen dafür unter Umständen eine Beschäftigungserlaubnis. Weil Sie als Auszubildende oder Auszubildender bereits arbeiten, erhalten Sie auch eine Vergütung, die aber während der Ausbildung deutlich unter dem normalen Lohnniveau liegt.

Hinweis: The German Vocational Training System

Bei einer schulischen Ausbildung findet die gesamte Ausbildung an einer Schule statt. Solche Ausbildungen gibt es beispielsweise im Gesundheits- und Sozialbereich oder in manchen Technik- und IT-Berufen. Die schulische Ausbildung gilt nicht als Beschäftigung und ist daher ohne Erlaubnis möglich. Allerdings erhält man dafür keine Vergütung. An vielen Schulen muss man sogar für die Ausbildung bezahlen.

Wenn Sie eine betriebliche Ausbildung machen wollen, ist es wichtig, darauf zu achten, ob Ihnen die Erwerbstätigkeit (selbstständige und unselbstständige Tätigkeit) oder Beschäftigung (nur unselbstständige Tätigkeit) erlaubt ist. Dies richtet sich danach, welche Auflage in Ihrem Aufenthaltsdokument (z. B. Aufenthaltserlaubnis, Niederlassungserlaubnis, Aufenthaltsgestattung, Duldung) vermerkt ist.

Steht dort „Beschäftigung nicht erlaubt“, dann dürfen Sie in der Regel keine Ausbildung machen. Steht dort aber „Erwerbstätigkeit gestattet“ oder „Beschäftigung gestattet“, dann dürfen Sie auch eine Ausbildung machen. Steht dort „Beschäftigung nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörde“, dann müssen Sie mit einem konkreten Ausbildungsangebot zur Ausländerbehörde gehen und dort die Erlaubnis beantragen.

Im Asylverfahren dürfen Sie in den ersten drei Monaten ab Ausstellung der Aufenthaltsgestattung beziehungsweise der Duldung nicht arbeiten. Auch in der Zeit, in der Sie verpflichtet sind in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen (maximal sechs Monate ab der Registrierung), gilt ein Arbeitsverbot. Sind diese Fristen abgelaufen, können Sie die Erlaubnis zu einer betrieblichen Ausbildung beantragen. Asylsuchende aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ unterliegen einem dauerhaften Arbeitsverbot, wenn sie nach dem 31.08.2015 einen Asylantrag gestellt haben. Sie dürfen während des gesamten Asylverfahrens und auch während einer anschließenden Zeit der Duldung nicht arbeiten und auch keine Ausbildung machen. Als „sicher“ gelten momentan Ghana, Senegal, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Albanien und der Kosovo.

Wenn Sie eine Duldung haben, dürfen Sie zwar in den ersten drei Monaten Ihres Aufenthalts in Deutschland nicht arbeiten. Für eine betriebliche Berufsausbildung gilt aber eine Ausnahme. Diese dürfen Sie auch schon in dieser Zeit beginnen. Sofern Sie allerdings aus einem der oben genannten „sicheren Herkunftsländer“ stammen und nach dem 31.08.2015 in Deutschland Asyl beantragt haben, dürfen Sie nicht arbeiten und auch keine Ausbildung machen. Ein Arbeits- und Ausbildungsverbot gilt auch, wenn Sie allein deswegen geduldet werden, weil Ihre Abschiebung nicht durchführbar ist und die Ausländerbehörde Ihnen vorwirft, für die Gründe dafür verantwortlich zu sein, insbesondere, wenn Sie falsche Angaben zu Ihrer Identität gemacht haben.

Im Zweifel sagt Ihnen in all diesen Fällen ein Blick in Ihr Aufenthaltspapier, ob Sie arbeiten und auch eine betriebliche Ausbildung machen dürfen. Allerdings werden manchmal Auflagen verspätet geändert, obwohl zum Beispiel die Wartefristen schon abgelaufen sind. Fragen Sie bei der Ausländerbehörde nach oder lassen Sie sich rechtlich beraten, wenn Sie unsicher sind.

Wie finde ich einen Ausbildungsplatz?

Ausbildungen werden an Berufsschulen oder in Unternehmen angeboten. Stellenausschreibungen für Ausbildungen in Berlin können Sie mit Hilfe der Jobsuche auf berlin.de gezielt suchen. Berufsinformationszentren (BIZ) der Agenturen für Arbeit sind in nahezu allen Bezirken Berlins vertreten.
Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, gehen Sie ähnlich vor wie bei der Jobsuche.
Die Beraterinnen und Berater im Willkommenszentrum Berlin können Sie ebenfalls bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen.

Weiterführende Links:

Wie finanziere ich meine Ausbildung?

Sie können finanzielle Hilfen erhalten, wenn Sie eine schulische Ausbildung machen, für die Sie kein Geld erhalten, oder eine betriebliche Ausbildung, deren Vergütung nicht zum Leben reicht und wenn auch Ihre Eltern Sie nicht ausreichend unterstützen können. Das nennt man staatliche Ausbildungsförderung.

Allerdings gilt das nicht, wenn Sie sich ausdrücklich zum Zweck der Ausbildung in Deutschland aufhalten (§ 17 Aufenthaltsgesetz). In diesem Fall müssen Sie oder Ihre Eltern selbst für Ihren Lebensunterhalt sorgen. Unter Umständen können Sie Dritte, beispielsweise eine Stiftung, unterstützen.

Für Schülerinnen oder Schüler und Auszubildende in schulischer Ausbildung gibt es das Schüler-BAföG – allerdings nur, wenn die Ausbildungsstätte förderungsfähig ist. Ob sie das ist, erfahren Sie von der Schule selbst.

Bürgerinnen und Bürger von EU-Staaten und ihre Familienangehörigen können Schüler-BAföG unter den gleichen Bedingungen wie Deutsche erhalten. Wenn Sie nicht aus einem EU-Staat kommen, richtet sich Ihr Anspruch auf Schüler-BAföG danach, welchen Aufenthaltsstatus Sie haben. Anerkannte Flüchtlinge oder Familienangehörige von Deutschen beispielsweise können Schüler-BAföG ebenfalls unter den gleichen Bedingungen wie Deutsche erhalten. Inhaberinnen und Inhaber bestimmter humanitärer Aufenthaltserlaubnisse oder einer Duldung müssen eine Wartezeit von 15 Monaten beachten. Inhaberinnen und Inhaber bestimmter anderer Aufenthaltserlaubnisse oder einer Aufenthaltsgestattung müssen vor dem Studium sogar fünf Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet haben oder ihre Eltern müssen hier drei Jahre gelebt und gearbeitet haben. Was auf Sie zutrifft, können Sie im für Sie zuständigen Amt für Ausbildungsförderung erfahren. Die Ämter für Ausbildungsförderung haben ihren Sitz in den Bezirksämtern Charlottenburg-Wilmersdorf, Lichtenberg und Pankow.

Für den Antrag benötigen Sie:

  • Ausweisdokument, ggf. mit Meldebescheinigung
  • Aufenthaltserlaubnis oder Aufenthaltsgestattung
  • Formblatt
  • Einkommensnachweis auch der Eltern oder der Ehepartnerin oder des Ehepartners

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von berlin.de.

Für Auszubildende in betrieblicher Ausbildung gibt es die Berufsausbildungsbeihilfe bzw. für Auszubildende mit Behinderungen das Ausbildungsgeld. Ähnlich wie beim Schüler-BAföG gilt hier, dass der Zugang zur Förderung von Ihrem Aufenthaltsstatus abhängt. Bürgerinnen und Bürger von EU-Staaten und ihre Familienangehörigen können Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) unter den gleichen Bedingungen wie Deutsche erhalten. Für Menschen aus Nicht-EU-Staaten gelten gestaffelte Wartefristen. So haben z. B. die Inhaberinnen und Inhaber bestimmter Aufenthaltserlaubnisse, die aus humanitären Gründen oder zum Familiennachzug erteilt wurden, nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe. Asylsuchende, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten werden, können nach 15 Monaten Aufenthalt Berufsausbildungsbeihilfe bekommen (das gilt derzeit für Menschen aus Eritrea, dem Irak, dem Iran, Somalia und Syrien). Geduldete müssen ebenfalls 15 Monate warten. Asylsuchende aus anderen Ländern sowie Personen mit sonstigen Aufenthaltserlaubnissen müssen entweder selbst fünf Jahre in Deutschland gelebt und legal gearbeitet haben, oder es wird erwartet, dass mindestens einer ihrer Elternteile drei Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Ob Sie selbst die Förderung beanspruchen können, erfahren Sie bei Ihrer örtlichen Agentur für Arbeit, bei der Sie auch den Antrag stellen.

Neben der finanziellen Förderung Ihrer Ausbildung gibt es auch Möglichkeiten, Sie durch bestimmte Angebote zu fördern. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen dienen dazu, Ihnen Wissen zu vermitteln, das Ihnen in der Ausbildung hilft. Wenn Sie in Ihrem Herkunftsland nicht die Gelegenheit hatten, länger die Schule zu besuchen, kann Ihnen auch der Erwerb eines Schulabschlusses ermöglicht werden. Ausbildungsbegleitende Hilfen unterstützen Sie dabei, Ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Hier kann es beispielsweise darum gehen, die deutsche Sprache vertieft zu erlernen, aber auch um den Erwerb von theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung für Ihren Ausbildungsberuf. Besondere Hilfen werden auch für Menschen mit Behinderungen angeboten, damit sie die Ausbildung bewältigen können.

Wenn Sie aus einem EU-Staat kommen, haben Sie Anspruch auf diese ergänzenden Hilfen wie deutsche Staatsangehörige. Wenn Sie aus einem Land außerhalb der EU kommen, hängt der Zugang zu diesen Hilfen von Ihrem Aufenthaltsstatus ab. Bereits im Asylverfahren können Sie unterstützt werden, wenn Sie schon mindestens drei Monate in Deutschland sind und voraussichtlich ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten werden. Das wird zurzeit für Menschen aus Eritrea, dem Irak, dem Iran, Syrien und Somalia angenommen. Auch Inhaberinnen und Inhaber einer Aufenthaltserlaubnis müssen in vielen Fällen drei Monate abwarten, bevor sie Anspruch auf die ergänzenden Hilfen im Zusammenhang mit der Ausbildung haben. Noch längere Wartefristen von einem Jahr bis zu sechs Jahren gelten für Menschen mit einer Duldung.

Wie kann ich mich weiterbilden?

Eine Weiterbildung dient als Vertiefung in einen bestimmten Beruf. Angebote gibt es von verschiedenen Instituten und Volkshochschulen.
Um eine Weiterbildung oder eine Ausbildung zu beginnen, sind in Deutschland gewisse Schulabschlüsse notwendig. Liegen diese nicht vor, lassen sie sich über den sogenannten zweiten Bildungsweg nachholen, damit Sie die Bedingungen für die Zulassung zur Aus- oder Weiterbildung erfüllen. Das gilt ebenfalls für Ihre Bildungs- oder Berufsabschluss aus Ihrem Heimatland, die hier nicht als gleichwertig mit einem inländischen Abschluss anerkannt werden. Wie Sie Ihre im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse anerkennen lassen können, erfahren Sie unter dem Punkt Anerkennung von Berufsqualifikationen. An Abendschulen und weiteren Einrichtungen können Sie dann die Schule beenden oder einen höheren Abschluss machen. Weitere Informationen hierzu finden Sie bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Im Willkommenszentrum Berlin können Sie sich gezielt zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten beraten lassen. Eine Übersicht über alle Weiterbildungsmöglichkeiten erhält man in der Weiterbildungsdatenbank des Landes Berlins und in den Lernläden.