Unterkünfte für Geflüchtete

 Ein junger Mann sitzt auf dem Sessel in einem Wohnzimmer

Wo lebe ich während des Asylverfahrens?

Für die Dauer von bis zu sechs Monaten, nach Ihrer Registrierung, können Sie verpflichtet werden, in der Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen. Wenn Sie aus einem sogenannten „sicheren Herkunftsland“ kommen (zurzeit sind das folgende Länder: Ghana, Senegal, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mazedonien, Montenegro, Albanien und Kosovo), müssen Sie während des gesamten Asylverfahrens in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben. Ansonsten können Sie in eine Folgeunterbringung umziehen – normalerweise nach Ablauf der sechs Monate, derzeit fehlt es allerdings an Wohnraum, sodass es auch länger dauern kann.
Folgeunterbringungen können Wohnungen aber auch Gemeinschaftsunterkünfte sein, in denen Sie wieder mit mehreren anderen Menschen zusammen leben. In der Folgeunterbringung wird Ihnen Wohnraum zur Verfügung gestellt, darüber hinaus erhalten Sie regelmäßig einen monatlichen Geldbetrag vom Sozialamt („Asylbewerberleistungen“), um sich selbst mit dem Nötigsten zu versorgen.

Was ist eine Aufenthaltsbeschränkung?

Aufenthaltsbeschränkung bedeutet, dass Sie zunächst den Bezirk der Ausländerbehörde, in der ihre Aufnahmeeinrichtung liegt, nicht verlassen dürfen – in Ihrem Fall ist dies das Land Berlin. Während der Zeit der Aufenthaltsbeschränkung dürfen Sie nicht arbeiten. Für Asylbewerberinnen und Asylbewerber und Geduldete gilt die Aufenthaltsbeschränkung nur die ersten drei Monate ab Antragstellung. Danach können Sie sich meist frei in der Bundesrepublik bewegen. Wenn Sie in einer Erstaufnahmeeinrichtung wohnen (s. vorheriger Punkt), dann unterliegen Sie zusätzlich für die Dauer der Wohnpflicht dort (also sechs Monate ab Einzug) einer Aufenthaltsbeschränkung.
Ausnahmen gelten für Bewerberinnen und Bewerber aus „sicheren Herkunftsländern“, die oft während des gesamten Asylverfahrens und bei Ablehnung bis zur Ausreise in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben müssen.

Was ist eine Wohnsitzauflage?

Eine Wohnsitzauflage gilt generell für die gesamte Dauer des Asylverfahrens. Auch Geduldete unterliegen einer Wohnsitzauflage. Inhaberinnen oder Inhaber einer humanitären Aufenthaltserlaubnis (§ 25 Abs. 3 Aufenthaltsgesetz) können ebenfalls von der Ausländerbehörde verpflichtet werden, an einem bestimmten Ort zu wohnen. Seit dem 6.8.2016 gilt zudem, dass Wohnsitzauflagen aus dem Asylverfahren auch dann für die Dauer von drei Jahren fortgelten, wenn über den Asylantrag positiv entschieden worden ist. Hier gibt es sehr viele weitere Bestimmungen und Ausnahmen. Im Zweifel sollten Sie sich bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt oder einer Beratungsstelle informieren.

Wann wohne ich in Erstaufnahmeeinrichtungen/Notunterkünften?

In einer Notunterkunft wohnen Sie bis zu Ihrer Registrierung und der Zuordnung zu einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Danach wohnen Sie in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Es kann durchaus passieren, dass beide Unterkünfte im gleichen Haus sind. In der Erstaufnahmeeinrichtung sind Sie auf jeden Fall die ersten sechs Wochen, höchstens die ersten sechs Monate nach Ihrer Registrierung untergebracht. Asylbewerberinnen und Asylbewerber aus „sicheren Herkunftsländern“ müssen normalerweise bis zur Entscheidung über den Asylantrag und im Fall einer Ablehnung bis zur Ausreise in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben.

Wann wohne ich in Gemeinschaftsunterkünften?

Nachdem Sie maximal sechs Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung gelebt haben, werden Sie so bald wie möglich in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht. Allerdings fehlt es an vielen Orten an Wohnungen, sodass Sie manchmal länger in einer Erstaufnahmeeinrichtung bleiben müssen.

Wie kann ich während des Asylverfahrens in eine Wohnung ziehen?

Sie müssen zwei voneinander unabhängige Fristen beachten: Sechs Monate nach Einzug in die für Sie zuständige Erstaufnahmeeinrichtung und drei Monate nach Ausstellung der ersten Aufenthaltsgestattung sind Sie verpflichtet, in der Erstaufnahmeeinrichtung zu leben. Sind beide Fristen abgelaufen, ist Ihnen der Umzug in eigene Wohnung erlaubt.
Wenn das Land Berlin Ihren Lebensunterhalt finanziert, darf die Wohnung nicht zu teuer sein.

Bevor Sie mit der Wohnungssuche beginnen, müssen Sie einen Mietübernahmeschein bei der zentralen Leistungsstelle für Asylbewerber beantragen. Damit ausgestattet können Sie sich als wohnungssuchend beim EJF melden und beraten lassen.

Danach suchen Sie sich eine Wohnung. Tipps und die Vorgehensweise finden Sie unter dem Punkt Wohnen. Ihre Wohnung muss angemessen groß und nicht zu teuer sein, außerdem müssen Herd und Spüle vorhanden sein.

Bevor Sie den Mietvertrag unterschreiben können brauchen Sie noch eine Bestätigung, dass die Behörden die Kosten für genau diese Wohnung, die Sie sich ausgesucht haben, übernehmen. Dazu müssen Sie mit folgenden Unterlagen zum EJF:

  • Allgemeiner Mietübernahmeschein
  • Gültige Aufenthaltsgestattung
  • Ausgefüllte Erlaubnis zur Weitergabe von Daten
  • Mietangebot mit angegebener Kaltmiete, Betriebskosten und Heizkosten
  • Aktuelle Kontaktdaten von der Vermieterin oder dem Vermieter und Ihnen (Telefon und E-Mail)
  • Ggf. Kostenübernahme und Leistungsbescheid vom Bezirksamt oder Jobcenter

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie beim EJF.

Wenn Sie eine konkrete Mietkostenübernahme haben, geben Sie diese der Vermieterin oder dem Vermieter und fragen, ob Sie in die Wohnung einziehen können.

Wenn Sie selbst ein Zimmer zu vergeben haben und eine Geflüchtete oder einen Geflüchteten bei sich aufnehmen möchten, gibt es verschiedene Möglichkeiten Ihr Zimmer anzubieten. Sie können beispielsweise Ihr freies Zimmer auf der Webseite Flüchtlinge Willkommen anmelden. Oder Sie informieren sich mit diesem Infopapier.

Wann liegt ein besonderer Schutzbedarf beim Wohnen vor?

Ein besonderer Schutzbedarf beim Wohnen liegt vor allem bei Schwangeren, Menschen mit Behinderung, schwer Erkrankten, allein reisenden Frauen mit Kindern, Homosexuellen oder Transgender vor.

Wenn Sie einen besonderen Schutz beim Wohnen brauchen, sagen Sie bei der Registrierung oder beim Sozialdienst des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten Bescheid. Dort wird man Sie zu speziellen Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartnern schicken, die Sie bei der Wohnungssuche unterstützen.