Arbeitslosigkeit

Figuren mit unterschiedlichen Berufen vor der Skyline Berlins

Deutschland ist nach seiner Verfassung ein Sozialstaat. Das bedeutet, dass bestimmte Lebensrisiken von der Gemeinschaft aller Bürgerinnen und Bürger gemeinsam getragen werden. Dazu gehört etwa das Risiko, die Arbeit zu verlieren und eine Zeit lang arbeitslos zu sein. In dieser Zeit können Sie Leistungen entweder aus der Arbeitslosenversicherung oder vom Staat erhalten, um Ihre Existenz zu sichern.

Wie melde ich mich arbeitslos?

Wer seine Arbeit verliert und in den zwei Jahren davor mindestens zwölf Monate einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist, erhält für die Dauer von bis zu einem Jahr Arbeitslosengeld I (ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch bis zu zwei Jahre). In dieser Zeit zahlt die Arbeitslosenversicherung, in die alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer monatlich Beiträge von ihrem Einkommen einzahlen, 60 % des bisherigen Netto-Gehalts weiter. Wenn für ein Kind im Haushalt Kindergeld bezogen wird, sind es 67 %.

Um Arbeitslosengeld I zu erhalten, müssen Sie sich arbeitslos melden. Der Antrag kann online oder persönlich bei der Agentur für Arbeit in Ihrer Nähe gestellt werden. Die Arbeitslosmeldung muss am 1. Tag der Arbeitslosigkeit abgegeben werden, kann aber auch bereits vor der Arbeitslosigkeit erledigt werden (maximal drei Monate vorher). Dafür benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • Personalausweis/ Reisepass mit Meldebescheinigung
  • gegebenenfalls Kündigung oder befristeter Arbeitsvertrag

Wenn Sie drei Monate vor Ende Ihres Arbeitsverhältnisses bereits wissen, dass Sie arbeitslos werden (bei späterer Kenntnis innerhalb von drei Tagen ab Kenntnis), sind Sie zudem verpflichtet, sich arbeitsuchend zu melden, damit die Arbeitsagentur Ihnen ab dann geeignete Stellenangebote zusenden kann. So sollen unnötige Zeiten der Arbeitslosigkeit vermieden werden. Melden Sie sich zu spät arbeitsuchend, kann das mit einer befristeten Sperre des Arbeitslosengeldes bestraft werden. Die Frist kann auch durch einen Telefonanruf oder eine E-Mail gewahrt werden. Im Anschluss erhalten Sie einen Termin zu einem persönlichen Beratungsgespräch, den Sie unbedingt wahrnehmen sollten, da Ihnen sonst Leistungen gekürzt werden können.

Wie werde ich wieder erwerbstätig?

Wenn Sie sich arbeitssuchend melden, erhalten Sie Unterstützung von der Agentur für Arbeit. Weitere Informationen finden Sie unter Arbeit.

Kann ich finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt bekommen?

Wenn Sie vor Verlust Ihres Arbeitsplatzes noch kein Jahr gearbeitet hatten, nie berufstätig waren oder wenn Sie bereits ein Jahr lang ALG I bezogen haben, haben Sie keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld I. Dann haben Sie aber grundsätzlich Anspruch auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, wenn Sie ansonsten über kein Einkommen oder Vermögen verfügen, aus dem Sie Ihren Lebensunterhalt finanzieren können.

Dabei muss unterschieden werden:

  • Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) erhalten Menschen, die sich langfristig rechtmäßig in Deutschland aufhalten (also deutsche Staatsangehörige, unter bestimmten Voraussetzungen EU-Bürgerinnen oder EU-Bürger oder Nicht-EU-Bürgerinnen oder Nicht-EU-Bürger im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis), wenn sie älter als 16 Jahre, noch nicht im Rentenalter und erwerbsfähig sind. Zusätzlich zu den existenzsichernden (Geld-)Leistungen besteht für ALG-II-Bezieherinnen und Bezieher ein Anspruch auf Hilfen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.
  • Sozialhilfe bzw. Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit erhält, wer zum gleichen Personenkreis gehört, aber entweder schon im Rentenalter ist oder aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig ist, das heißt nicht in der Lage, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten. In der Höhe sind die Leistungen mit dem Arbeitslosengeld II identisch.
  • Asylbewerberleistungen erhält, wer als Asylbewerberin oder Asylbewerber, Geduldete oder Geduldeter oder mit bestimmten humanitären Aufenthaltstiteln in Deutschland lebt. Die Asylbewerberleistungen liegen deutlich unter dem Niveau der übrigen Leistungen zur Existenzsicherung. In den ersten 15 Monaten gilt zudem nur eine eingeschränkte Gesundheitsversorgung.

Wenn Sie als EU-Bürgerinnen und EU-Bürger ausschließlich zur Arbeitssuche eingereist sind, erhalten Sie kein Arbeitslosengeld II. Wenn Sie allerdings mindestens eine geringfügige Beschäftigung aufnehmen, können Sie ergänzende Leistungen erhalten.
Zudem haben neu eingereiste EU-Bürgerinnen und EU-Bürger in den ersten 3 Monaten in Deutschland keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Das gleiche gilt für Nicht-EU-Bürgerinnen und Nicht-EU-Bürger, es sei denn, sie reisen zur Familienzusammenführung mit deutschen Staatsangehörigen ein.

Asylbewerberinnen oder Asylbewerber und Geduldete haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II, allerdings steht Ihnen Geld durch das Asylbewerberleistungsgesetz zu. Mehr Informationen finden Sie unter dem Kapitel Asylverfahren. Geflüchtete mit einem anerkannten Aufenthaltstitel, Flüchtlinge, Asylberechtigte und subsidiär Geschütze haben einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Übersetzungen der Bescheide, Formulare und Merkblätter in viele Sprachen finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit.