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Fairer Handel

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Fairer Handel trägt dazu bei, dass Produzentinnen und Produzenten in Entwicklungsländern von ihrer Arbeit angemessen leben können. Darüber hinaus stößt Fairer Handel (engl. Fair Trade) einen Prozess des Umdenkens in Industrieländern an. Arbeitsbedingungen und Produzentenverdienst werden zum wichtigen Bestandteil der Kaufentscheidung.

Die LEZ und Fairer Handel

Berlin unterstützt die Kampagne “Fairer Handel” laut eines Beschlusses des Abgeordnetenhauses vom 12. Dezember 2002 nicht nur symbolisch, sondern auch durch aktives Handeln. Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Umsetzung der öko-fairen Beschaffung im Land Berlin stellt das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes dar, das in 2010 in Kraft trat und in der novellierten Fassung aus dem Jahr 2020 weitere Möglichkeiten zur Stärkung der fairen öffentlichen Beschaffung schafft.

Seit 2018 ist Berlin als Fairtrade Town ausgezeichnet. Dies zeigt, dass unser langjähriges Engagement für den Fairen Handel sehr anerkannt ist.
Auf der Grundlage des Beschlusses des Berliner Abgeordnetenhauses setzt die LEZ folgende Schwerpunkte im Bereich Fairer Handel:

  • Förderung des Aktionsbündnisses Fairer Handel Berlin
  • Mitarbeit in der Steuerungsgruppe Fairtrade Town
  • Informationen über Fairen Handel
  • Präsentation von individuellen Handlungsoptionen
  • Präsentation von unternehmerischen Handlungsoptionen (Corporate Social Responsibility)
  • Unterstützung von Projekten zum Fairen Handel in Berlin
  • Aktive Mitwirkung an der Implementierung des Fairen Handels in das öffentliche Beschaffungswesen der Berliner Verwaltung

Was ist Fairer Handel?

Für die internationale Dachorganisation World Fair Trade Organization (WFTO) ist Fairer Handel eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Respekt und Transparenz basiert und mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel einfordert.
Nachhaltige Entwicklung wird durch bessere Handelsbedingungen und mehr Rechte insbesondere für benachteiligte Produzentinnen und Produzenten ermöglicht.
Die verschiedenen Fair Trade-Organisationen engagieren sich für die Unterstützung der Produzentinnen und Produzenten und für die Bewusstseinsbildung bei den Konsumentinnen und Konsumenten, z.B. durch Kampagnen. Die Anbieterinnen und Anbieter von Fairen Handelsprodukten achten besonders auf faire Produktions- und Handelsbedingungen.
Folgende 10 Standards legt die WFTO fest:

  1. Eröffnung von neuen Möglichkeiten für wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten
  2. Transparenz und Rechenschaftspflicht
  3. Aufbau von Kapazitäten
  4. Fairen Handel fördern
  5. Faire Preise
  6. Gleichberechtigung der Geschlechter
  7. Arbeitsbedingungen
  8. Kinderarbeit
  9. Umwelt
  10. Handelsbeziehungen

Woran sind Faire Handelsprodukte zu erkennen?

Rugmark-Logo
Bild: Rugmark/globalcarpet

Faire Handelsprodukte sollten im Regelfall ein Siegel tragen, welches sie als fair gehandelt ausweist. Verschiedene dieser Siegel existieren.

Das Fairtrade-Siegel ist das am stärksten verbreitete Siegel in Deutschland. TransFair e.V. ist ein gemeinnütziger Verein. Er vergibt nach unabhängiger Prüfung das international auftretende Fairtrade-Siegel an die Importeure.

Im Bereich der Textilbekleidung vergibt der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) Gütesiegel für umweltschonend und sozialverträglich produzierte Textilien: das IVN Naturtextil-Siegel. Für Textilprodukte, die zusätzlich den höchsten heute realisierbaren Sozial- und Umweltstandard erfüllen, wird das IVN Naturtextil-Best Siegel vergeben.

Das RugMark-Siegel ist ausschließlich auf Teppichen zu finden.
Es geht auf die internationale Organisation RugMark zurück, die für die Abschaffung illegaler Kinderarbeit in der Teppichindustrie einsteht.
Ebenso kann man das Care & Fair-Siegel auf Teppichen finden. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation von Teppichknüpferinnen und Teppichknüpfern in Pakistan, Indien und Nepal zu verbessern und Kinderarbeit zu bekämpfen.

Die internationale Initiative Flower Label Program bietet Blumen aus sozial- und umweltverträglicher Produktion an.

Das Label des Forest Stewardship Councils (FSC) steht für die Zertifizierung von Holz- und Holzverarbeitungsprodukte aus umwelt- und sozial verträglicher Waldbewirtschaftung. Dieses Label ist nach Angabe von FSC z.B. auf folgenden Produkten vorzufinden: auf Bilderrahmen, Büchern, Bürsten, Bunt-, Bleistiften und Kugelschreibern etc. Das Label garantiert dabei auch, dass keine Vermischung mit illegal geschlagenem Holz stattgefunden hat.

Wo gibt es Faire Handelsprodukte zu kaufen?

Die größte Auswahl an fair gehandelten Produkten gibt es in Eine-Welt-Läden und Online-Shops. Inzwischen hat sich die Anbieter-Palette stark erweitert. In Naturkostläden sowie im Lebensmitteleinzel-, Teppich- oder Blumenhandel sind zahlreiche fair gehandelte Produkte erhältlich.

  • Über das Branchenbuch von www.oeko-fair.de finden Sie u.a. alle Textilienvertriebe in Ihrer Umgebung.

Hinweise für Großverbraucher

Großanbieter spielen bei der Integrierung des Fairen Handels in den Arbeits- und Lebensalltag eine zentrale Rolle. Kantinen und andere Großverbraucher werden von der LEZ unterstützt, fair gehandelte Produkte in ihr Angebotssortiment aufzunehmen. Der Berliner Senat wurde in dem Beschluss des Abgeordnetenhauses (2002) aufgefordert, folgende Vorschläge zu berücksichtigen:
  • Bei Veranstaltungen des Landes Berlin sollen Produkte des Fairen Handels präferiert werden.
  • Bei Verpachtungen von landeseigenen Räumlichkeiten für einen Kantinenbetrieb für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung soll die Verwendung von Produkten des Fairen Handels ein Auswahlkriterium sein.
  • Die Schulen sollen aufgefordert werden, sich in geeigneten Formen mit dem Thema des Fairen Handels zu befassen und wo vorhanden fair gehandelte Produkte in ihren Cafeterien, Mensen etc. anbieten.
  • Die Universitäten und LHO-Betriebe sowie das Studentenwerk sollen aufgefordert werden, in ihren Beköstigungsbetrieben Produkte des Fairen Handels anzubieten.

Eine umfassende Übersicht der Angebote der Standardorganisationen für die öffentliche Hand sowie für Unternehmen finden Sie auf www.kompass-nachhaltigkeit.de

Fairer Handel in Berlin

Fairer Kaffee in Berlin
In verschiedenen Städten in Deutschland wird im Sinne der Agenda-Idee eine fair gehandelte Stadtkaffeemischung angeboten. Stadtkaffees sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Forderung des Agendaprozesses „global denken – lokal handeln“ erfolgreich umgesetzt werden kann. In Deutschland existiert bislang eine Vielzahl von unterschiedlichen Stadtkaffees, die den Fairen Handel enorm gestärkt haben. Beispiele dafür sind folgende Initiativen: Hamburger Fairmaster, Der Pott kocht Fair (Nordrhein-Westfalen), Detmold Café, Düsseldorf Café, München Café, Saarbonne (Saar-Region), Pide Café (Baden-Württemberg), Münster Kaffee, Wuppertal Kaffee, Bergischer Kaffee (Bergisches Land), Bremar (Bremen).

Berlin hat seit Juni 2006 einen eigenen Stadtkaffee. 100% Arabica-Bohnen aus biologischem Anbau und fair gehandelt – das ist der Berliner Stadtkaffee, die “Berliner Bohne”. Die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit hat im Rahmen einer Anschubfinanzierung das Stadtkaffeeprojekt gefördert. Weitere Informationen zum Stadtkaffeeprojekt “Berliner Bohne” finden Sie hier.

Faire Hauptstadtschokolade
Seit 2020 gibt es sie – die faire Hauptstadtschokolade „Berliner Bohne“. Die Entwicklung der Schokolade wurde in einem partizipativen Prozess vom Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin gesteuert. Die Schokolade kann derzeit in Weltläden und in einem Online-Shop erworben werden. Eine Ausweitung auf den Lebensmitteleinzelhandel ist geplant.

Weitere Informationen zur Hauptstadtschokolade finden Sie hier .

Kampagne Fairtrade-Towns
Die Kampagne Fairtrade-Towns wird von TransFair e.V. ausgerichtet und setzt sich zum Ziel, unterschiedliche Akteurinnen und Akteure aus Handel, Politik und Zivilgesellschaft zum Thema Fairer Handel zusammenzubringen. Städte weltweit nehmen bereits an der Kampagne teil und setzen sich dafür ein, Fairen Handel in ihrer Stadt sichtbar und bekannter zu machen. Alle Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen und Politikerinnen und Politiker sind dazu eingeladen, ihre Stadt zur Fairtrade-Town umzugestalten. Die Kriterien für die Aufnahme als Fairtrade-Stadt sowie weitere Infos finden Sie hier.

2018 wurde Berlin erstmalig und 2020 erneut als Fairtrade Town ausgezeichnet.

Entwicklung von Lösungsansätzen zur Stärkung des Fairen Handels in öffentlichen Großverpflegungseinrichtungen
Im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts “Awareness for Fairness” hat die LEZ in 2013 eine Recherche, zur Nutzung fair gehandelter Produkte in den Kantinen des Landes Berlin, in Auftrag gegeben. Ziel war es, Hinweise über die Nutzung fair gehandelter Produkte sowie Hemmnisfaktoren für ihren Einsatz zu identifizieren.

Es konnte ermittelt werden, dass in der Großverpflegung der Anteil fair gehandelter Produkte relativ gering ist und dass überwiegend nur Produkte des Trockensortiments wie Kaffee, Tee, Schokoladen und Reis eingesetzt werden. Aus den Gesprächen mit den Verpflegungsdienstleistern, wurde deutlich, welches aus Sicht der Verpflegungsdienstleister die zentralen Hürden oder Hemmnisse in den öffentlichen Einrichtungen für einen höheren Anteil fair gehandelten Produkte in der Großverpflegung sind:
  • geringer Spielraum für die Dienstleister durch straffe Pacht-, Vertrags- und Vergabesituation,
  • darüber hinaus existieren keine einheitlichen Vorgaben für die verschiedenen öffentlichen Einrichtungen,
  • eingeschränkte Verfügbarkeit fairer Produkte (vor allem von Frischeprodukten),
  • geringes Angebot für Großabnehmer (z.B. große Gebindegrößen) fairer Produkte und
  • geringere Akzeptanz des Endverbrauchers und geringer Zahlungsbereitschaft eines Mehrpreises für faire Produkte.

Studie-Staerkung-Fairer-Handel-oeffentlichen-Grossverpflegungseinrichtungen

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Fairer Handel in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Besucherinnen und Besucher der Kantine in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Martin-Luther-Straße 105, 10825 Berlin-Schöneberg, können sich an Aktionstagen über Fairen Handel informieren, aus fair gehandelten Produkten zubereitete Speisen probieren und Produkte aus Fairem Handel erwerben.

Neben dem fair gehandelten Speisenangebot an diesen ausgewählten Tagen stehen täglich fair gehandelter Kaffee (die Berliner Bohne), fair gehandelter Tee, ausgewählte Snacks und eine Faire Kiste bereit. Die Faire Kiste, die auch auf andere Produkte aus Fairem Handel aufmerksam macht, kann auf Kommissionsbasis individuell zusammengestellt und im eigenen Bereich und bei Sitzungen aufgestellt oder im privaten Bereich genutzt werden.
Die Faire Kiste kann unter anderem über den Eine Welt-Laden A Janela bezogen werden. Der Informationsstand an Aktionstagen wird ebenfalls vom Weltladen und von Transfair e.V. angeboten.