27/2025 | Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen feiert einjähriges Bestehen

Frauenbeine in Turnschuhen auf einer Waldstraße

22. August 2025

Liebe Leserinnen und Leser,

vor rund einem Jahr nahm die Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen ihre Arbeit auf. Wir sprachen mit Leiterin Martina Döcker über die Herausforderungen und Arbeitsweisen in diesem hochkomplexen Themenfeld.

Außerdem stellen wir eine kürzlich veröffentlichte Stellungnahme der Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut vor, die sich mit dem erfolgreichen Übergang ins Berufsleben von armutsbetroffenen Jugendlichen befasst.

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Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen feiert einjähriges Bestehen

2024 nahm die Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen ihre Arbeit auf. Etwas mehr als ein Jahr und knapp 60 begleitete Fälle später sprechen wir mit der Leiterin der Fachberatungsstelle, Martina Döcker, über die Herausforderungen und Arbeitsweisen in diesem hochkomplexen Themenfeld.

Frau Döcker, können Sie einleitend erläutern, was man sich unter den Begriffen Handel mit und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen überhaupt vorstellen muss?
Von Menschenhandel ist auszugehen, wenn Personen durch Dritte angeworben, befördert, weitergegeben, beherbergt oder aufgenommen werden (Tat) und dies unter Drohungen, Gewalt oder Ausnutzung einer Zwangslage oder Hilflosigkeit (Mittel) mit dem Ziel, die Person auszubeuten, geschieht. Sobald Kinder und Jugendliche betroffen sind, wird das Vorliegen unerlaubter Tatmittel unerheblich, und die Frage, ob Menschenhandel vorliegt, wird ausschließlich über die Tat und den Zweck bestimmt. Minderjährige können ihrer eigenen Ausbeutung juristisch betrachtet nicht zustimmen. Deshalb werden sie, auch wenn keinerlei Zwang oder Drohung angewandt wurden, als Opfer einer Straftat angesehen und haben dadurch Anspruch auf Opferschutz.

Die EU-Menschenhandelsrichtlinie benennt als Ausbeutungsformen die sexuelle Ausbeutung, die Ausbeutung der Arbeitskraft, Ausbeutung zur Begehung strafbarer Handlungen und von Betteltätigkeiten sowie die Organentnahme. Als neue Ausbeutungsformen sind die Ausbeutung von Leihmutterschaft, von Zwangsheirat oder von illegaler Adoption im vergangenen Jahr in die Richtlinie aufgenommen worden. Generell gilt: Handel mit Minderjährigen und Ausbeutung ist eine besonders schwere Form der Kindeswohlgefährdung.

Wie viele Fälle hat die Fachberatungsstelle in ihrem ersten Jahr begleitet und welche Formen der Ausbeutung spielten hierbei eine Rolle?
Seit der Eröffnung im Juni 2024 haben wir ca. 60 Fälle beraten und begleitet. Dabei handelt es sich tatsächlich um alle benannten Ausbeutungsformen, bis auf die Ausbeutung von Leihmutterschaft und illegale Organentnahme. Vor allem sind dies jedoch Formen sexueller Ausbeutung von jungen Menschen und die Ausbeutung zur Begehung strafbarer Handlungen.

Eine Erscheinungsform der sexuellen Ausbeutung ist zum Beispiel die Anwerbung und Rekrutierung von Mädchen über die sogenannte ‚Loverboy-Methode‘. Indem ihnen ein Liebesverhältnis vorgetäuscht wird, werden die Mädchen erst in eine emotionale Abhängigkeit und dann in die sexuelle Ausbeutung gedrängt. Wir beobachten auch, dass jugendliche Mädchen sich gegenseitig anwerben, sexuelle Dienste gegen Entgelt anbieten und sich so in eine sehr gefährdete Situation bringen. Dabei ist es häufig schwer zu durchschauen, in welcher Form Instrumentalisierungen und Manipulationen der Mädchen durch Tatpersonen erfolgen. Es befinden sich auch Jungen und Transpersonen, die von diesen Formen sexueller Ausbeutung betroffen sind, in unserer Beratung.

Wir haben aber auch vermehrt Beratungsanfragen im Bereich der Ausbeutung bei der Begehung strafbarer Handlungen erhalten. Hier werden Kinder und Jugendliche z.B. dazu angehalten Diebstähle zu begehen oder mit Drogen zu dealen, um einen Gewinn zu erzielen. Hier müssen die Hintergründe der vordergründigen Straftat genau betrachtet und die dahinterliegenden Ausbeutungsstrukturen erkannt werden, um die betroffenen jungen Menschen zu schützen und Opferschutzrechte sicherzustellen. Abhängigkeitsverhältnisse zu den Tatpersonen, Angst vor Bestrafung, Bedrohungen oder auch fehlendes Wissen hindern Kinder und Jugendliche daran, sich zu offenbaren.

Im ersten Jahr unserer Tätigkeit ist sehr deutlich geworden, dass die Gruppe der betroffenen Kinder und Jugendlichen sehr divers ist. Betroffen sind sowohl junge Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte sowie aus allen sozialen Milieus. Wir stellen zudem fest, dass der digitale Raum eine zunehmende Rolle einnimmt: Dieser spielt sowohl in der Anwerbung und des Groomings, aber auch in der Ausübung von Kontrolle und Gewalt über die Betroffenen während und nach der Ausbeutung eine wichtige Rolle und sollte daher durch die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe immer mitgedacht werden.

Wie schaffen Sie einen Zugang zu Betroffenen, gerade wenn diese aufgrund ihres Alters, Sprachbarrieren oder der Systeme, in denen sie agieren, dazu selbst nicht oder nur selten in der Lage sind?
Der Zugang zu betroffenen jungen Menschen ist immer wieder eine große Herausforderung für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Im ersten Schritt ist es wichtig zu verstehen, was Betroffene daran hindert, Hilfen überhaupt anzunehmen. Zu den Hindernissen zählen beispielsweise die emotionale und/oder wirtschaftliche Abhängigkeit zu den Tatpersonen, aber auch Scham und die Angst, als Täter/-in gesehen und nicht als Betroffene/-r einer Straftat erkannt zu werden. Hinzu kommt häufig das fehlende Bewusstsein, selbst überhaupt Opfer einer Straftat zu sein.

Erst wenn Fachkräften diese Hindernisse bewusst sind und sie die dahinterliegenden Ausbeutungsstrukturen verstehen, können sie im Rahmen der Beziehungsarbeit mit den Betroffenen die Hindernisse aufgreifen und auch abbauen. Betroffene Kinder und Jugendliche brauchen immer wieder positive Beziehungsangebote, dies braucht oftmals einen langen Atem auf Seiten der Fachkräfte. Der Zugang zu den Betroffenen hängt jedoch auch stark von ihrem Alter ab. Da es sich bei Menschenhandel und Ausbeutung immer um eine Kindeswohlgefährdung handelt, muss im Einzelfall immer abgewogen werden, welche Maßnahmen zum Schutz geeignet und notwendig sind. Bei jugendlichen Betroffenen geht es v.a. darum, mit ihnen gemeinsam Perspektiven zu erarbeiten, die außerhalb der Ausbeutungsstrukturen liegen.

Hinzu kommt, dass in Fällen von Menschenhandel und Ausbeutung in der Regel auch noch andere Themen eine Rolle spielen. Einige Betroffene haben zusätzlich eine Suchtproblematik, kommen aus gewaltvollen familiären Strukturen, wachsen in sehr prekären Verhältnissen auf oder haben traumatische Fluchtgeschichten. So wie jeder Einzelfall anders ist, braucht es auch immer einen individuellen Zugang zu den Betroffenen.

In unserer Beratung und Begleitung der Einzelfälle stellen wir zudem fest, dass für den Schutz eines betroffenen jungen Menschen eine stationäre Aufnahme oder der Wechsel einer Unterbringungsform in ein passgenaues Unterbringungsangebot in einem sicheren Umfeld sehr kurzfristig erforderlich sein kann. Hier sehen wir großen Handlungsbedarf bei der Schaffung spezialisierter Unterbringungsangebote und in den Verfahrensabläufen.

In die Bekämpfung von Menschenhandel sind unterschiedliche Akteure involviert. Wie kann das Zusammenwirken bspw. von Jugendhilfe, Strafermittlung und Opferschutz gestärkt werden?
Genau dies ist ein Auftrag der Fachberatungsstelle. Es geht sehr viel um das gegenseitige Verstehen der jeweiligen Strukturen und Arbeitsweisen und das Zusammenführen von Informationen für die Einschätzung einer Situation im Einzelfall. Es gibt darüber hinaus verschiedene interdisziplinäre AGs und Arbeitstreffen, in denen sowohl Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Strafermittlung zusammenkommen. Als Fachberatungsstelle arbeiten wir zudem mit Opferschutzorganisationen sowie spezialisierten Anwält/-innen zusammen, um Betroffenen beispielsweise Zugang zu einer kostenfreien Rechtsberatung zu ermöglichen. Letztendlich verfolgen alle dasselbe Ziel: den Schutz der Betroffenen und hierfür sind gute Absprachen sowie gegenseitiges Vertrauen und Verstehen notwendig.

Was konkret können oder sollten Fachkräfte tun, die sich um eine minderjährige Person sorgen?
Der im Frühjahr 2025 veröffentlichte Handlungsleitfaden zum Schutz Minderjähriger vor Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gibt Fachkräften eine sehr gute erste Orientierung. In einer Fachberatung bei uns als spezialisierter Fachberatungsstelle können wir bei der Einschätzung einer mutmaßlichen Gefährdung durch Menschenhandel und Ausbeutung unterstützen sowie weitere Schritte und Handlungsmöglichkeiten besprechen. Oftmals beginnt es mit einem Bauchgefühl und wenig Klarheit über eine mögliche Ausbeutungssituation. Auch hier empfehlen wir eine erste Beratung bei uns, um bereits erste Verdachtsmomente zu besprechen. Fälle von Menschenhandel und Ausbeutung sind in der Regel sehr komplex und brauchen aus unserer Erfahrung einen engen Austausch und gut abgestimmtes Handeln aller involvierten Fachkräfte.

Logo IN VIA

Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen

Zwei Hände erreichen einander und symbolisieren moralische Unterstützung

Handlungsleitfaden Kinderschutz bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen

Stellungnahme zum Übergang von der Schule in den Beruf von armutsbetroffenen jungen Menschen erschienen

Die Sommerzeit ist für viele junge Menschen, die sich im Übergang von der Schule in den Beruf befinden, gleichzeitig Bewerbungszeit. Da gerade armutsbetroffene junge Menschen oft Schwierigkeiten haben, diesen Übergang zu meistern, hat die Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut nun eine Stellungnahme veröffentlicht, die Handlungsempfehlungen für eine verbesserte Gestaltung der Rahmenbedingungen enthält.

Im Juli 2025 waren noch knapp 10.000 junge Berliner/-innen auf Ausbildungsplatzsuche für den Herbst. Gleichzeitig meldeten Unternehmen laut Bundesagentur für Arbeit zum gleichen Zeitpunkt noch knapp 6.000 freie Berufsausbildungsstellen. Dass gerade junge Menschen, die von Armut betroffen sind, den Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung oder ein Studium nicht schaffen, kann mit verschiedenen Ursachen in Verbindung gebracht werden. Häufig weisen sie weniger gute Bildungsabschlüsse auf und sind finanziell sowie mit Blick auf ihre Wohn- und Familienverhältnisse stärker belastet als andere Menschen in ihrem Alter. Dabei ist ein gelingender Übergang ins Berufsleben essenziell, um zu verhindern, dass sich Armut und mögliche Teilhabeeinschränkungen im eigenen Erwachsenenleben verstetigen.

Um die Chancen für einen Einstieg in Ausbildung oder Studium für alle Jugendlichen zu verbessern, hat die Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut das bestehende Übergangssystem analysiert. Entstanden ist eine Stellungnahme mit Handlungsempfehlungen, die sich an alle verantwortlichen Akteure im Land Berlin richtet. Für das zugrundeliegende Fachpapier waren 15 Expert/-innen aus Verwaltung, Beratungspraxis, Wirtschaft sowie eine betroffene junge Erwachsene befragt worden. Die wichtigsten Erkenntnisse sind hier in Kürze zusammengefasst:

Armutsbetroffenen jungen Menschen fällt es oftmals schwerer, sich in dem großen Angebot an Berufsmöglichkeiten zurechtzufinden sowie ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten zu identifizieren. Zentral für einen gelingenden Übergang nach der Schule ist deshalb die berufliche Orientierung in der Schulzeit. Vor diesem Hintergrund sollte die berufliche Orientierung an Schulen stärker auf die vorliegende Armutsbelastung im Sozialraum ausgerichtet werden. Zudem ist die unterstützende Arbeit der Jugendsozialarbeit verlässlich an den allgemeinbildenden öffentlichen Schulen abzusichern. Darüber hinaus sollten auch Betriebe stärker in die berufliche Orientierung einbezogen werden, damit diese praxisnah ausgestaltet und jungen Menschen bestenfalls eine frühzeitige betriebliche Anbindung ermöglicht werden kann. Hilfreich kann es ebenso sein, Betriebe noch mehr für die Potenziale von jungen Menschen mit formal geringen Bildungsabschlüssen bzw. mit erhöhten Hilfebedarfen zu sensibilisieren.

Wer einen formal geringen oder keinen Schulabschluss erreicht, bleibt bisher deutlich häufiger ohne Anschlussperspektive und droht, aus dem Regelsystem ‚herauszufallen‘. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, wird in Berlin mit dem Schuljahr 2025/26 das 11. Pflichtschuljahr eingeführt. Bezogen auf eine gelingende Umsetzung ist eine auskömmliche Ressourcenausstattung der Schulsozialarbeit und Bildungsbegleitung an Ankerschulen zu empfehlen. Mit Blick auf Schulen in Sozialräumen mit höherer Armutsbelastung erscheint es sinnvoll, armutssensibles Handeln des schulischen Personals zu stärken sowie den Einsatz zusätzlicher Ressourcen zu prüfen.

Wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung nahe legt, wird die Entscheidung, wie es nach der Schule weitergehen kann, gerade von armutsbetroffenen jungen Menschen oft vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit ihrer Lebenshaltungskosten getroffen. So gab fast jeder fünfte befragte junge Mensch an, nach der Schule vorerst auf eine formale Berufsausbildung verzichten zu wollen, um eine bezahlte Tätigkeit aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund sollten Informationen über und der Zugang zu finanziellen Hilfen zum Absolvieren einer Berufsausbildung oder eines Studiums niedrigschwellig gestaltet und die Leistungen selbst auskömmlich sein.

Damit alle Bausteine des bestehenden Unterstützungssystems wirksam ineinandergreifen, ist zuletzt ein effizientes Informationsmanagement auf Fachkräfte- bzw. Systemebene notwendig. Trotz guter bestehender Schnittstellenarbeit konnten hier ausbaufähige Bereiche wie eine stärkere Verzahnung mit den Beratungsstellen im Hochschulbereich identifiziert werden.

Das Lenkungsgremium der Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut

Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut

Teamwork

Stellungnahme zum Übergang von der Schule in den Beruf von armutsbetroffenen jungen Menschen

Kurznachrichten

Gartenarbeitsschulen erhalten neuen Rahmen
Der Berliner Senat hat in dieser Woche auf Vorlage von Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, die Neufassung der Ausführungsvorschriften für die Berliner Gartenarbeitsschulen zur Kenntnis genommen. Die Neufassung wird nun an den Rat der Bürgermeister weitergeleitet. Im Jahr 2016 wurden die Gartenarbeitsschulen vom Senat im Schulgesetz verankert und Qualitätsstandards entwickelt. Diese erhalten durch die vorliegenden Ausführungsvorschriften einen Bezugsrahmen und werden in ihrer Umsetzung konkretisiert. Die Berliner Gartenarbeitsschulen haben sich seit über 100 Jahren als außerschulische Bildungseinrichtungen etabliert. Die bezirklichen Einrichtungen werden von Lehrkräften der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie geleitet.

Unterstützung von Schulen bei Entwicklung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt
Die Träger Wildwasser e. V. und HILFE-FÜR-JUNGS e. V. unterstützen Berliner Schulen bei der Entwicklung passgenauer Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt. Im Jahr 2025 können Schulen durch die Förderung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie pro Schuljahr eine Veranstaltung aus dem modularisierten Fortbildungsangebot kostenfrei buchen. Ausführliche Informationen finden Schulen auf den Internetseiten der beiden Träger.

Berliner Schulbauoffensive: Wie geht eine Compartmentschule in Nutzung?
In einem neuen Video der Berliner Schulbauoffensive berichten zwei Schulleitungen über den Prozess, eine Compartmentschule in Nutzung zu nehmen und die Chancen, die eine Neugründung mit sich bringen kann. Sie geben Einblicke in die nötigen Schritte von der Idee bis hin zur Aufnahme des Unterrichts und zeigen, wie sich das Lernen und Unterrichten an einer Compartmentschule gestalten.

Save the Date: Berlin-Tag am 11. Oktober 2025
Deutschlands größte Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich geht in eine neue Runde. Am 11. Oktober 2025 versammeln sich in der Station Berlin erneut zahlreiche Aussteller aus den Bereichen Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Kindertageseinrichtungen, Jugendämtern, Jugend- und Schulsozialarbeit und ambulanten sowie stationären Hilfen zur Erziehung. Eine großartige Gelegenheit für Interessierte, sich über berufliche Perspektiven in diesen Bereichen zu informieren und individuell beraten zu lassen. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.

Mobiler Escape Room über jüdisches Leben und Identität
Der von der Beratungsstelle SABRA konzipierte Mobile Escape Room „Fixing The Boat“ macht zwischen dem 10. und 29. September 2025 Station in der Berliner Ibn Rushd-Goethe Moschee. Das Angebot richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren und zielt darauf ab, Vorurteile abzubauen und jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen. Die Teilnahme ist kostenlos, um eine vorherige Anmeldung wird gebeten.

Zusammenhang zwischen Social Media-Nutzung und depressiven Symptome bei Kindern
Studienergebnisse einer Arbeitsgruppe der University of California legen nahe, dass Kinder, die vermehrt Zeit in sozialen Medien verbringen, in der Folge häufiger depressive Symptome zeigen. Die Arbeitsgruppe nutzte Daten einer Studie, die von Oktober 2016 bis Oktober 2018 in 4 Wellen erhoben wurden. Die Stichprobe bestand aus 11.876 Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren. Mithilfe der selbstberichteten Social Media-Nutzung der Kinder sowie einer Erhebung ihrer depressiven Symptome konnten die Wissenschaftler/-innen einen Zusammenhang zwischen erhöhter Mediennutzung und nachfolgend verstärkter depressiver Symptome nachweisen. Ein umgekehrter Zusammenhang, also eine verstärkte Nutzung sozialer Medien in Folge depressiver Symptome, war nicht zu beobachten. Die Ergebnisse könnten so darauf hinweisen, dass die Nutzung sozialer Medien ein potenzieller Faktor für depressive Symptome bei Kindern ist und nicht nur ein Korrelat oder eine Folge solcher Symptome.

Jugendliche meist gut zu psychischen Erkrankungen informiert
Wie eine Befragung der BARMER zeigt, wissen 80% der 2.000 befragten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, wie sich psychische Erkrankungen äußern können, 72% wissen, wer oder was ihnen bei eigenen psychischen Belastungen helfen könne. 61% waren nach eigenen Angaben schon einmal selbst psychisch belastet. Mädchen und Jungen aus höher gebildeten Gruppen sind mit 74% besser informiert als Jugendliche aus bildungsferneren Lebenswelten mit 63%. Deutlich erkennbar ist dennoch eine Hemmschwelle, offen über eigene psychische Probleme zu sprechen – dies empfanden nur 38% der Befragten als leicht.

Termine

30. August, 18 – 2 Uhr: Lange Nacht der Museen Zur Langen Nacht der Museen öffnen viele Berliner Museen und Ausstellungsorte ihre Türen und geben Besucher/-innen von 18 bis 2 Uhr nachts Gelegenheit, Ausstellungen, Sammlungen und Installationen in Augenschein zu nehmen sowie an Workshops, Expressführungen und Künstlergesprächen teilzunehmen. Dieses Jahr beteiligten sich 75 Museen an der langen Nacht, die unter dem Motto „Liebe“ steht.

4. – 6. September: OERcamp Hannover 2025 Das OERcamp in Hannover bietet an drei Tagen ein vielfältiges Programm rund um das Thema Open Educational Ressources an und lädt Praktiker/-innen ein, miteinander zu lernen, zu diskutieren und in den Austausch zu gehen. Neben Workshops zu aktuellen Themen wie Künstlicher Intelligenz, Urheberrecht, Metadaten und OER-Infrastrukturen sind Besucher/-innen eingeladen, in Barcampsessions eigene Themen einzubringen und gemeinsam mit anderen Lösungen zu entwickeln. Die Anmeldung ist dank einer Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung kostenlos und kann auch für einzelne Tage vorgenommen werden.

10. September, 17.30 – 19.30 Uhr: Infoabend zur ehrenamtlichen Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Gemeinsam mit dem „Netzwerk Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete“ (NWV) laden die Bezirksämter Spandau, Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf Interessierte zu einem Informationsabend ein. Eine offene Gesprächsrunde und Erfahrungsberichte bieten Einblicke in die Aufgaben einer Einzelvormundschaft, das Vermittlungsverfahren und die Begleitungsangebote des Ehrenamtsnetzwerks NWV.

10. September, 16 – 19 Uhr: Elternseminar „Digitale Medien“ Digitale Medien gehören heutzutage zur Lebenswelt von Jugendlichen. Die Ansichten von Eltern und ihren Kindern hinsichtlich Nutzungsdauer und konsumierten Inhalten gehen aber oft auseinander und bergen Konfliktpotenzial. In dieser Online-Veranstaltung haben Eltern die Gelegenheit, sich zu Nutzung und Risiken von Online-Angeboten zu informieren und auszutauschen. Fragen nach verschiedenen Social Media-Plattformen, Online-Gaming oder Online-Glücksspiel können genauso Thema sein wie die Frage, wann eine Internetsucht anfängt und wie man als Elternteil eingreifen und helfen kann.

13. September, 9.30 – 15 Uhr (Anmeldung bis 28. August): Wahl der ersten Selbstvertretung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Heimen, Wohngruppen und im betreuten Wohnen Diesen September findet zum ersten Mal das Schloßforum in Berlin statt, zu welchem alle Kinder und Jugendlichen ab einem Alter von zehn Jahren eingeladen sind, die in verschiedenen Wohnformen untergebracht sind, um sich dort bei der Wahl einer ersten Berliner Selbstvertretung zu beteiligen. Interessierte, die sich für die Selbstvertretung zur Wahl stellen wollen, finden auf unserer Website den entsprechenden Steckbrief. Eine Begleitung durch Fachkräfte ist möglich.

ab 22. September (Anmeldung bis 7. September): „I’m a Scientist“ – Live-Chats mit Wissenschaftler/-innen Beim Online-Angebot „I’m a Scientist“ haben Schüler/-innen ab der Klassenstufe 5 die Möglichkeit, in den direkten Austausch mit Wissenschaftler/-innen zu gehen. In schriftlichen Live-Chats treten die Kinder in den Dialog, lernen ihren Arbeitsalltag kennen und können sich mit ihnen über Künstliche Intelligenz im Bildungsbereich austauschen. Die Teilnahme ist kostenfrei, um eine Anmeldung durch die Lehrkräfte wird gebeten.

Fortbildungen / Fachtage

Was ist KI? Grundlagen zu KI in Schule und Alltag am 28. August
Künstliche Intelligenz prägt längst unseren Alltag und damit auch das Leben und Lernen von jungen Menschen. Doch wie funktioniert KI eigentlich? Wie lernt sie und welche Herausforderungen bringt sie mit sich? Und wie können Lehrkräfte ihre Schüler/-innen fit machen für den medienkompetenten Umgang mit KI? In dieser Fortbildung erhalten Lehrkräfte einen kompakten und praxisnahen Einstieg in die Welt der Künstlichen Intelligenz, beleuchten wie junge Menschen KI in ihrem Alltag nutzen und erhalten Impulse, die Medienkompetenz ihrer Schüler/-innen effektiv zu stärken.

Schulung „Berliner Präventionsparcours Cannabis“ am 10. September
In dieser Schulung werden die interaktiven Tools des „Berliner Präventionsparcours Cannabis“ vorgestellt und erprobt. Ziel für die teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte ist es, Wissen und Methodenkompetenz in der Anwendung des Parcours zu erhalten, um ihn eigenständig anzuwenden. Der in einem praktischen Rucksack verpackte mobile Parcours basiert auf dem „Cannabis – quo vadis?“-Konzept der Villa Schöpflin gGmbH. Er vermittelt Schüler/-innen der Klassen 8 bis 10 und Jugendgruppen anhand von interaktiven Themenstationen aktuelle und fachlich fundierte Informationen zum Thema Cannabis. Ziel des Parcours ist die kritische Auseinandersetzung mit den Risiken von Cannabis und die Förderung der Risikokompetenz bei jungen Menschen.

Fachtag Community Music am 18. September (Anmeldung bis 3. September)
Mit dem Fachtag Community Music widmet sich die Landesmusikakademie Berlin einem Thema, das in den letzten Jahren in Musikschulen, Jugendzentren, Unterkünften für Geflüchtete und in den Berliner Kiezen diskutiert wurde und sich mittlerweile als Sammelbegriff für eine “Musik für Alle” etabliert hat. Die eintägige Veranstaltung lässt zentrale Stimmen der Community Music zu Wort kommen, bietet praktische Workshops und schafft Begegnungen für bestehende und neue Projekte. Die Tagung versteht sich als offenes Format und möchte engagierten Personen und Initiativen eine Plattform bieten, sich vorzustellen und auszutauschen.

Ohne Schulverpflegung kein Ganztag am 23. September
Wie kann Schulverpflegung im Ganztag erfolgreich gestaltet werden? Dieser Frage gehen das Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung und die Vernetzungsstellen der Bundesländer in dieser Veranstaltung nach. Teilnehmende erwartet ein vielseitiges Programm mit fachlichen Impulsen und konkreten Erfahrungsberichten. Unterstützungsangebote werden vorgestellt und Einblicke in Konzeption und Umsetzung von Schulverpflegung im Ganztag gewährt. Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen, die an der Gestaltung des Ganztags beteiligt sind – vom pädagogischen Fach- und Leitungspersonal, über Multiplikator/-innen, Speisenanbietende, Träger von ganztägigen Betreuungs- und Bildungsangeboten bis zu politischen Entscheidungsträger/-innen.

Was kann ich in einem Verdachtsfall von Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen tun? am 23. + 24. September (Anmeldung bis 26. August)
Ziel des Fortbildungsangebotes ist, die Handlungskompetenz von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe in einem Verdachtsfall von kommerzieller Ausbeutung zu stärken. Es werden Grundlagen zu den Definitionen, Normen und Formen von Ausbeutung vermittelt, Erkennungsmerkmale von Menschenhandel mit Minderjährigen aufgezeigt und spezifische Aspekte einer Gefährdungseinschätzung diskutiert. Zudem wird der Blick auf das Selbstverständnis und die Situation der Opfer und die Bedürfnisse und Wünsche betroffener Kinder und Jugendliche gelenkt.

Ernährungsbildung im Kita-Alltag: Kleine Schritte, große Wirkung am 25. September (Anmeldung bis 28. August)
Der Workshop behandelt die Prägung des Ernährungsverhaltens und die Wichtigkeit der Ernährungsbildung. Es werden praxiserprobte Instrumente zur Ernährungsbildung aus der „Kita-Ideen-Box“ vorgestellt. Teilnehmende lernen zahlreiche Ideen und Arbeitshilfen kennen, mit denen ein gesundheitsförderliches Ernährungsverhalten in Kitas einfach und effektiv gefördert werden kann. Im Gruppenaustausch werden Stolpersteine und Herausforderungen im Alltag besprochen und individuelle Ideen entwickelt.

Jobs, Jobs, Jobs

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