Das Revier Stolpe liegt auf der Brandenburger Seite des Berliner Waldgebietes und ist geprägt von ausgedehnten Kiefernwäldern. Das Revier bietet eine abwechslungsreiche Landschaft mit spannender Geschichte und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten.
Eine zentrale Aufgabe ist der Waldumbau – die Umgestaltung hin zu stabileren und artenreicheren Mischwäldern. Das gesamte Revier liegt im Landschaftsschutzgebiet Stolpe und zugleich im Wasserschutzgebiet (Zonen I–III). Als Teil des Trinkwassereinzugsgebietes für Berlin spielt es eine wichtige Rolle für die Wasserressourcen der Hauptstadt. Damit steht der Schutz von Natur und Wasser im Mittelpunkt der täglichen Arbeit.
Revier Stolpe
Besonderheiten im Revier
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Harzungspfad
Bild: Berliner Forsten
Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Harzungspfad, der an die frühere Harzgewinnung erinnert und auf anschauliche Weise forstgeschichtliche Einblicke bietet. Im gesamten Revier lassen sich noch zahlreiche ehemals geharzte Kiefern mit sichtbaren Harzlachten entdecken – ein Zeugnis historischer Waldnutzung.
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Tongruben
Entlang der Försterei finden sich ehemalige Tongruben, die einst der Tongewinnung dienten. Heute sind es wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Auf diesen feuchten Böden haben sich Baumarten wie Erle, Flatterulme und Esche angesiedelt, die das Waldbild vielfältigen und ökologisch wertvoll machen.
Es ist aber auch eine der letzten sichtbaren Spuren einer einst bedeutenden Industrie: der Tonabbau für die Ziegelproduktion. Ab dem Jahr 1760 wurde an dieser Stelle Ton gefördert, um daraus Ziegel für den Bau in Berlin und der Region herzustellen.
Die ehemaligen Tongruben erinnern an ein bedeutendes Kapitel der Ortsgeschichte. Bereits 1760 wurde die erste Grube angelegt, eine zweite folgte 1857. Über viele Jahrzehnte prägte der Tonabbau das Leben und Arbeiten in Stolpe.
Insgesamt gab es zwei größere Ziegeleistandorte westlich des Ortes Stolpe an der Havel. Der Ton wurde hier in der Grube gewonnen und über Loren auf Schienen zur Ziegelei transportiert – meist über Pferdekraft oder kleine Dampfmaschinen. Eine Überführung über die heutige Autobahntrasse erinnert noch heute an diese Verbindung.
Die beiden Ziegeleistandorte westlich von Stolpe waren bis etwa 1880 in Betrieb. Heute sind die teils bis zu 27 Meter tiefen Gruben stille Zeitzeugen eines einst lebendigen Gewerbes, das Stolpe über Generationen mitprägte.
Die Ziegelei Stolpe war eine von mehreren wichtigen Tonverarbeitungsstätten im Berliner Umland – neben Velten, Birkenwerder und Hennigsdorf. Alle lagen in der Nähe der Havel, was den Transport per Schiff erleichterte. Heute sind viele der Gruben verfüllt oder bewaldet – wie hier am Rand des Niederbarnim.
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Die Lore – Transport auf Schienen
Die Lore im Revier Stolpe ist ein Nachbau jenes einfachen, aber entscheidenden Transportmittels, das im 18. und 19. Jahrhundert beim Tonabbau im Revier zum Einsatz kam. Über solche Loren – kleine, offene Wagen auf Schienen – wurde der schwere Ton aus den Gruben zur Weiterverarbeitung in die Ziegelei befördert.
Ursprünglich wurden die Loren von Hand geschoben oder mit Pferdekraft gezogen. In späteren Jahren ersetzten kleine Dampflokomotiven den tierischen Antrieb, vor allem bei längeren Strecken oder in größeren Betrieben. Die Schienen wurden direkt bis an den Rand der Grube gelegt, sodass der Ton dort verladen und ohne Umwege zur Brennstation transportiert werden konnte.
Die Transportstrecke zwischen der Grube und der Ziegelei war ein zentrales Element im Produktionsprozess. In Stolpe führte der Weg über eine leichte Anhöhe bis hinunter zur Havel, wo sich die Ziegeleien befanden.
Ein beladener Lorenzug konnte mehrere Hundert Kilogramm Ton auf einmal befördern – bei deutlich geringerem Kraftaufwand als ein einfacher Karren auf unbefestigtem Boden. Das Schienensystem war zudem leicht zu versetzen, wenn sich die Grube im Laufe der Zeit veränderte.
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Stolper Stein
Einen historischen Bezugspunkt stellt der Stolper Stein dar – ein Denkmal, das an die bewegte Vergangenheit der Region erinnert. Er gehört zu den wenigen Gedenkorten in Brandenburg, die an eine antimilitaristische Jugendbewegung während des Ersten Weltkriegs erinnern – ein fast einzigartiges Zeugnis in der deutschen Gedenkkultur.
An diesem Ort, tief im Wald bei Stolpe, versammelten sich am 5. Mai 1918 – während des Ersten Weltkriegs – über 2.000 Jugendliche aus Berlin. Sie gehörten einer losen, fortschrittlich gesinnten Jugendbewegung an und kamen trotz eines polizeilichen Verbots hier zusammen, um den 100. Geburtstag von Karl Marx zu ehren.
Die Jugendlichen setzten damit ein mutiges Zeichen gegen Militarismus und Krieg – in einer Zeit, in der offene Kritik am Staat gefährlich war.
36 Jahre später, im Jahr 1954, wurde der Stolper Stein als Denkzeichen aufgestellt. Er erinnert an diese ungewöhnliche Friedensaktion Jugendlicher während des Krieges – ein frühes Symbol für zivilgesellschaftlichen Mut und Widerstand.
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Waldwege
Für Ausflügler und Naturfreunde verlaufen durch das Gebiet der Berliner Mauerweg sowie der Berlin-Kopenhagen-Radweg. Sie laden dazu ein, die Landschaft rund um Stolpe zu Fuß oder mit dem Rad zu erkunden.
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In der Umgebung
In der Region liegen außerdem das Wasserwerk Stolpe, das Stolper Feld mit dem angrenzenden Golfplatz sowie der Reiterhof Stolpe, die zusätzliche Einblicke und Freizeitangebote bieten.