Die Verfasser entwickeln ihren Beitrag „entlang klassischer Prinzipien der Architektur zu Berliner Geschäftshäusern des 21. Jahrhunderts.“ Auf dieser Basis gebe der Entwurf „eine zeitgemäße Antwort auf die Anforderungen der Auslobung“.
Die Ausbildung einer Fassadenordnung mit hoher Sockelzone, eingeschossigem Hauptteil und durch einen schmalen Pfeiler geteilten Fenstern in den Obergeschossen scheint klassischen Prinzipien zu folgen, bleibt aber über die Geste einer abstrahierenden Vereinfachung die behauptete „zeitgemäße Antwort“ schuldig. Die Proportionen, wie zum Beispiel das Verhältnis der übergroßen, weitgehend ungegliederten Schaufenster im Erdgeschoß zum Fassadenrhythmus in den Oberschossen, sind nicht immer glücklich.
Kritisch wird der Umstand gesehen, dass beide Fassaden zum Molkenmarkt trotz geringer Höhenunterschiede hinsichtlich ihrer Gliederung gleich behandelt werden. Die angestrebte Wirkung zweier selbständiger Häuser wird so nicht erreicht. Eine besondere Schwierigkeit stellt die fehlenden Stütze an der nordwestlichen Gebäudeecke dar: um die Wirkung der weiten Auskragung zu mildern, antworten die Verfasser hier mit einer leicht abgerundeten Gebäudeecke – ein Versuch, der anerkannt wird, letztlich aber nicht vollständig überzeugen kann.
Die Obergeschosse werden über ein mittiges Treppenhaus erschlossen. Dem Gewinn an Flächeneffizienz stehen Nachteile für die Nutzung des Erdgeschosses (Teilung der Fläche), die Beschränkung auf nur eine Adresse für zwei Häuser und die Notwendigkeit gegenüber, die Höhenversprünge in den Obergeschossen im Treppenraum (u.a. Über-Eck-Aufzug) zu vermitteln. Die Nutzbarkeit der Obergeschosse ist dennoch grundsätzlich gut, verschiedene Teilungen bis hin zu größeren zusammenhängenden Einheiten sind möglich.
Die vorgeschlagenen Konstruktionen sind schlüssig. Die städtebaulichen Rahmenbedingungen der Auslobung zur Gebäudekubatur sind weitgehend eingehalten.
Insgesamt ein anerkennenswert durchgearbeitet Entwurf, der allerdings hinsichtlich seiner architektonischen Wirkung der exponierten Lage im Stadtraum nicht ganz gerecht zu werden vermag.
Wirtschaftlichkeit und Baukosten
Der Beitrag weist eine hohe Flächeneffizienz auf. Die absoluten Baukosten sind sehr hoch, die relativen Baukosten pro m² Mietfläche aufgrund der hohen Flächeneffizienz günstiger. Sowohl die relativen als auch absoluten Kosten liegen über den Vorgaben.
Kostentreibend wirkt sich der hohe Natursteinanteil an der Fassade des Gebäudes B3.2 aus, unter anderem in Verbindung mit der vorgeschlagenen Holz-Rahmenkonstruktion und den Schmuckelementen an der Fassade (Lisenen, Gesimse, etc.).